24. Juli 1911 - Die Inka-Stadt Machu Picchu wird wiederentdeckt

Ruinen der Inkastadt Machu Picchu

24. Juli 1911 - Die Inka-Stadt Machu Picchu wird wiederentdeckt

Auf einem Plateau 2.430 Meter hoch in den peruanischen Anden thronen die Ruinen von Machu Picchu. Dank eines Zufalls findet ein US-amerikanischer Archäologe 1911 die völlig überwucherte Terrassenstadt der Inkas und macht sie weltberühmt. Abermillionen Touristen sind ihm seither gefolgt und haben tiefe Spuren an dem Weltkulturerbe hinterlassen.

Inka-Stadt Machu Picchu entdeckt (am 24.07.1911)

WDR ZeitZeichen 24.07.2021 14:37 Min. Verfügbar bis 25.07.2099 WDR 5


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Mit 25 Jahren heiratet Hiram Bingham die Erbin der Tiffany-Dynastie; Geld hat er von nun an genug. Als Dozent für Geschichte in Harvard, Princeton und Yale kann der abenteuerlustige Historiker endlich einem Traum nachjagen: Vilcamba zu finden, die letzte Hauptstadt des untergegangenen Inkareiches. Aus alten Dokumenten weiß der 1875 geborene Bingham von der sagenumwobenen Stadt im Dschungel.

Im Jahr 1532 hat der spanische Konquistador Francisco Pizarro fast die gesamte Kultur der Inkas ausgelöscht. Nach dem Fall ihrer Hauptstadt Cusco flüchten sich die letzten Überlebenden mit ihren Schätzen in die Berge. Dort tief in den Wäldern über dem Rio Urubamba, davon ist Hiram Bingham überzeugt, wird er das geheimnisvolle Vilcabamba finden. Pizarro war daran vorbeigezogen.

Ruinenstadt im Bambusdickicht

"Es war keine gute Zeit, um das Land der Inka kennen zu lernen", schreibt Bingham später über seine Ankunft im Tal des Rio Urubamba. Es regnet in Strömen. "Die örtlichen Würdenträger trauten sich kaum, uns in die Stadt hinein- und herauszugleiten." Ein Indio aber berichtet ihm von uralten Ruinen hoch über ihnen. "Er sagte, es war die Heimat der letzten Inkas."

Ruinen der Inkastadt Machu Picchu

Darstellung eines Inka-Herrschers mit seinen Machtinsignien

Ungeduldig will sich Hiram Bingham noch am Abend auf die Suche machen. Sein Expeditionsteam zeigt sich wenig begeistert und geht lieber auf Schmetterlingsjagd. So nimmt Bingham allein mit seinem Führer den beschwerlichen Aufstieg in Angriff – und macht am 24. Juli 1911 eine sensationelle Entdeckung:

"Versteckt in Bambusdickicht und verworrenen Ranken erschienen Wände aus weißen Granitquadern, sorgfältig geschnitten und exquisit zusammengefügt", berichtet Bingham. "Unter einem Felsvorsprung eine Höhle, ausgekleidet mit feinstem behauenen Stein: offensichtlich ein königliches Mausoleum."

Bäuerliches Leben in antiker Stätte

Für Hiram Bingham besteht kein Zweifel: Die von den Einheimischen Machu Picchu ("Alter Gipfel") genannten Ruinen sind das sagenhafte Vilcabamba, die "verlorene Stadt" der Inkas. "Der überragende Charakter der Steinarbeiten", schreibt er in seinem Reisebericht für die Zeitschrift National Geographic, "veranlasste mich zu der Annahme, dass Machu Picchu die größte und bedeutendste Ruine sein könnte, die in Südamerika seit den Tagen der spanischen Eroberung entdeckt wurde."

Einige der Ruinen werden von Bauernfamilien bewohnt, die auf den ausgedehnten Terrassen Mais anbauen. In den folgenden Monaten legen die Expeditionsteilnehmer die Anlage vom überwuchernden Gestrüpp frei und Bingham dokumentiert mit seinem Fotoapparat "die Vielfalt der Reize und die Kraft des Zaubers dieses Ortes."

Binghams Mogelei

Mit 2.000 Aufnahmen im Gepäck kehrt der Archäologe Ende 1912 aus Peru zurück. 250 davon erscheinen 1913 in einer Sonderausgabe von National Geographic – inklusive eines aufregenden dreifach ausklappbaren Posters mit einem weiten Blick über das Hochplateau. Damit beginnt der Mythos der "verlorenen Inkastadt" Machu Picchu.

Die Sache hat nur einen Haken: Machu Picchu kann seiner Lage nach nicht die ursprünglich gesuchte Dschungelstadt Vilcabamba sein. Keiner weiß das besser als Bingham selbst. Denn einige Wochen nach der Entdeckung Machu Picchus ist er mitten im Dschungel tatsächlich auf antike Fundamente und Steinmauern gestoßen.

Diesen Fund aber, weiß die Ethnihistorikerin Kerstin Nowack, "hat Bingham nachher bestritten. Der war halt nicht so spektakulär, mitten im Dschungel, nur ein paar Steine und nicht sehr aufregend." Bis in die 1960er Jahre bleibt die absichtliche Mogelei unwiderlegt, dann legt ein Forscherteam die von Bingham verschwiegenen Ruinen von Vilcabamba frei. Die Faszination von Machu Picchu aber bleibt ungebrochen.

Autor des Hörfunkbeitrags: Niklas Rudolph
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 24. Juli 2021 an die Entdeckung von Machu Picchu. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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