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15. November 1996 - Erster Messenger-Dienst "ICQ" startet

ICQ

15. November 1996 - Erster Messenger-Dienst "ICQ" startet

Am 15. November 1996 erscheint die erste Version von ICQ, das für das englische "I seek you" (ich suche dich) steht. Es wird einer der erfolgreichsten Chatdienste und verändert das Kommunikationsverhalten einer Generation.

Der Messengerdienst ICQ geht an den Start (am 15.11.1996)

WDR ZeitZeichen 15.11.2021 13:33 Min. Verfügbar bis 16.11.2099 WDR 5


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Mit Freunden in aller Welt Kontakt halten, ist heute einfacher denn je. Möglich machen das unzählige Messengerdienste oder soziale Netzwerke. Sie sind leicht zu bedienen und werden von Milliarden von Menschen genutzt.

Das sieht in den Anfangsjahren des Internets anders aus: Mitte der 90er gibt es zwar Foren und den sogenannten Internet Relay Chat (IRC). Doch dort tummeln sich nur wenige Eingeweihte mit entsprechender Ausrüstung und Technikwissen.

Messenger-Pionier mit eigenem Sound

Die Revolution erfolgt am 15. November 1996 mit dem Start von ICQ. Das Programm des israelischen Startups Mirabilis gilt als erster Instant Messenger überhaupt und wird schnell populär. Die Erfolgsfaktoren: Der Vorfahr von WhatsApp & Co. ist kostenlos, einfach zu bedienen und setzt bloß einen PC mit Internetanschluss voraus. Davon stehen gegen Ende des Jahrtausends immer mehr in deutschen Haushalten.

So dringt aus immer mehr PC-Lautsprechern das typische "A-O", wenn eine neue Nachricht per ICQ eintrifft. Es ist ein Sound, der bei ehemaligen Nutzern noch heute für Nostalgie sorgt. Das frühe Layout von ICQ wirkt aus aktueller Sicht sehr kantig und pixelig - erfüllt aber bereits die grundlegenden Funktionen: Mit wenigen Klicks lassen sich Nachrichten hin und her schreiben. Dabei zeigt die Kontaktliste an, wer gerade online ist.

AOL schluckt ICQ

In späteren Versionen von ICQ kann man seinem Gegenüber auch lustige Animationen schicken oder ihn zu einem gemeinsamen Spiel einladen. Da gehört der Messenger mit dem prägnanten Blumen-Logo aber schon längst dem Online-Riesen AOL. Denn die Gründer verkaufen ICQ 1998 für 407 Millionen Dollar - nicht schlecht für eine Anwendung, die nicht mal Profit macht.

AOL hat da zwar bereits einen eigenen Messenger im Programm, aber man möchte sich die Konkurrenz einverleiben, bevor sie zu groß wird. Mit einem mächtigen Anbieter im Rücken erobert ICQ weitere Märkte. Das Chatprogramm wird zum Platzhirsch, zu seinen Hochzeiten sind über 100 Millionen Nutzer aktiv.

Vom Marktführer zum Außenseiter

Doch nach und nach verspielt ICQ seinen Vorsprung, ein schleichender Niedergang setzt Mitte der Nullerjahre ein. Zuerst betritt mit dem Videochatprogramm Skype ein technisch fortschrittlicherer Konkurrent die Bühne. Dann starten die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Google+, die mit ihrem Konzept die Nutzer fester an sich binden. Schließlich verpasst ICQ den rechtzeitigen Sprung vom Desktop aufs Smartphone. Das Programm gerät fast in Vergessenheit.

2010 verkauft AOL den einstigen Branchenprimus an einen russischen Investor. Schon drei Jahre später ist gerade noch ein Zehntel der Nutzer übrig. Und obwohl der Besitzer bis heute immer neue Versionen von ICQ veröffentlicht, ist der bekannte Chatsound der Jahrtausendwende weitgehend verstummt.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Jana Fischer
Redaktion: Ronald Feisel​

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