30. September 1811 - Kaiserin Augusta wird geboren

Zeitgenössische Aufnahme der preußischen Königin und deutschen Kaiserin Augusta, Gattin des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I.

30. September 1811 - Kaiserin Augusta wird geboren

Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach wächst am liberalen Hof in Weimar auf. Sie gilt als hübsch, gebildet und prompt hält Prinz Wilhelm um ihre Hand an. Am preußischen Hof ist ihr wacher Geist jedoch unerwünscht. Frustriert malträtiert die erste Kaiserin des deutschen Reichs ihr Umfeld.

Augusta, erste deutsche Kaiserin (Geburtstag, 30.09.1811)

WDR ZeitZeichen 30.09.2021 14:47 Min. Verfügbar bis 01.10.2099 WDR 5


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In Weimar ist man entzückt über die am 30. September 1811 geborene Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach. Goethe lobt die wohlerzogene Prinzessin in höchsten Tönen, Wilhelm von Humboldt schwärmt über die kleine Augusta: "Man kann sich nicht hübscher, lebendiger und geistvoller ausdrücken, als sie das tut."

Als sie gerade 17 Jahre alt ist, hält Prinz Wilhelm von Preußen um ihre Hand an. Aufrichtig in Wilhelm verliebt, nimmt Augusta den Antrag des schmucken Preußen an – obwohl sie weiß, dass sie nur zweite Wahl ist. Sein Herz gehört der polnischen Prinzessin Elisa Radziwill, die Wilhelm nicht heiraten darf, weil sie nicht standesgemäß ist.

Unerwünschte "femme d’esprit"

Für Augusta kann sich Wilhelm nur mäßig begeistern: "Die Prinzessin ist schön und klug, aber sie lässt mich kalt." Außerdem ist sie ihm zu klug: "Ihr scharfer Verstand", beschwert er sich einmal, gäbe ihr "einen Anstrich von femme d'esprit, der nicht erwünscht für sie ist". Dennoch heiratet die beiden im Juni 1829 in der Kapelle von Schloss Charlottenburg.

Augusta gerät am Hof schnell ins Abseits. Ihre aus Weimar mitgebrachten liberalen Ansichten sind in Preußen verpönt. Aus dem munteren Mädchen wird eine kühle, reservierte Frau. Wilhelm amüsiert sich derweil mit Tänzerinnen und Hofdamen. Zwar werden 1831 der Sohn Friedrich und sieben Jahre später die Tochter Luise geboren, eine echte Liebesbeziehung entwickeln Wilhelm I. und Augusta nicht.

Glückliche Jahre im Rheinland

"Aber die beiden haben sich in ihrer Ehe eben arrangiert miteinander, sie waren sehr pflichtbewusst, sie wussten, was ihre Rollen sind", sagt Susanne Bauer, die den Briefwechsel der Kaiserin erforscht. Ihre glücklichste Zeit erlebt Augusta als Wilhelm Gouverneur im Rheinland wird.

In Koblenz inszeniert sie ein liberales Hofleben nach ihrem Geschmack, knüpft Kontakte zu den katholischen Rheinländern, die sich bisher als Untertanen zweiter Klasse gefühlt haben. Sie lässt einen prächtigen Volkspark anlegen, trifft sich mit einem Kreis liberaler Intellektueller, kümmert sich um Arme und Kranke. Dann stirbt der König und Wilhelm folgt 1861 seinem Bruder auf den Thron. Zehn Jahre später wird Wilhelm in Versailles zum Kaiser proklamiert.

"Sie zermürbt alle, die zu ihrem Hofstaat gehören"

Augusta steigt zur Königin und Kaiserin auf. Sie stürzt sich pflichtbewusst in die Arbeit. Vergeblich versucht die radikale Pazifistin, die Kriegspolitik des Ehegatten und des von ihm eingesetzten Ministerpräsidenten Bismarck zu beeinflussen. Sie hasst den reaktionären Junker, er nennt sie"Nervensäge" und "alte Fregatte".

Der Groll über die vielen Enttäuschungen ihres Lebens lässt Augusta launisch und rechthaberisch werden - geradezu legendär sind ihre Wutausbrüche. "Sie zermürbt alle, die zu ihrem Hofstaat gehören", klagt Prinzessin Victoria über ihre Schwiegermutter. Im Drei-Kaiser-Jahr 1881 muss Kaiserin Augusta zuerst ihren Ehemann, dann ihren Sohn Friedrich beerdigen. Sie selbst stirbt am 7. Januar 1890 mit 78 Jahren in Berlin.

Autorin des Hörfunkbeitrags: Christiane Kopka
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 30. Sepember 2021 an Kaiserin Augusta. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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