Staatsanwalt im Majdanek-Prozess - Dieter Ambach

A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
Z
Majdanek Prozess

Staatsanwalt im Majdanek-Prozess - Dieter Ambach

Von Otto Langels

Bei Majdanek, in Polen errichteten die Nazis Anfang der vierziger Jahre ein Konzentrationslager. Heute ist der Ort eine Gedenkstätte. Was damals an Greueltaten geschah, kam 1975 im Düsseldorfer Majdanekprozess vor Gericht.

Dieter Ambach, Jahrgang 1937, war Staatsanwalt im Majdanek-Prozess, dem längsten Prozess der deutschen Nachkriegsgeschichte. 100 Aktenordner mit 20 000 Blatt Protokollen umfasste das Belastungsmaterial von 400 Zeugenaussagen. Aber viele konnten sich nicht mehr präzise erinnern. "Wir hatten viele Leichen, aber keine Täter," so Ambach.

Schwere Taten, schwache Strafen

Das Verfahren hatte einen für ihn unbefriedigenden Ausgang: Nur einmal lebenslänglich für "die Stute" von Majdanek statt dreimal, wie von ihm beantragt, fünfmal Freisprüche für Angeklagte, bei denen er "allergrößte Schwierigkeiten hatte, sie als normale Menschen zu betrachten und nicht als Monster".

Am 30. Juni 1981 wurden die Urteile gesprochen

Dieter Ambach hat seine "Gesundheit dem deutschen Staat geopfert", weil er "alles Schreckliche in sich hinein gefressen hatte". 1993 erlitt er einen schweren Schlaganfall. Der Prozess hatte ihm die Sprache verschlagen. Sprechen lernte er wieder anhand des Dokumentarfilms von Eberhard Fechner über den Majdanek-Prozess. 15 ehemalige SS-Leute waren angeklagt, im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek - für die Ermordung von über 250 000 Menschen verantwortlich zu sein.

Massenmorde an Frauen, Männer und Kindern

Durch regelmäßige "Selektionen" in den Gaskammern, sowie andere Massentötungen, darunter "Kinderaktionen", bei denen z.B. im Mai 1943 über 100 Kinder vor den Augen ihrer Mütter auf Lastwagen "verladen" und ins Gas geschickt wurden, oder das sogenannte "Erntefest" vom 3. November 1943, bei dem 17.000 Juden im Lager erschossen wurden. Am 22. Juli 1944 wurde das Lager befreit. Von der Wachmannschaft konnten damals nur sechs Personen gefasst werden.

Redaktion: Mark vom Hofe

Erlebte Geschichten: Dieter Ambach (25.06.2006)

Verfügbar bis 30.12.2099