Buchcover: "Kollektorgang" von David Blum

Lesefrüchte

"Kollektorgang" von David Blum

Stand: 05.05.2023, 10:32 Uhr

David Blums Jugendbuchdebüt erzählt, wie es dazu kam, dass Mario mit 13 Jahren mit einem Messer im Bauch starb. Ein beklemmender, politischer Roman über Ostdeutschland kurz nach der Wende.

Der Peter-Härtling-Preis 2023 wird im Mai verliehen, zuvor ist nun schon der ausgezeichnete Roman erschienen: "Kollektorgang", ein Jugendbuch von David Blum. David Blum, Jahrgang 1983, hat am Literaturinstitut Leipzig studiert, Prosa in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und Reisebücher geschrieben. "Kollektorgang" ist sein Romandebüt.

Blum erzählt darin von Mario, der in einer ostdeutschen Neubausiedlung aufwächst. Das Buch spielt kurz nach der Wende. Das Leben der Jugendlichen spielt sich in den öden Innenhöfen der Wohnblocks ab. Aus Langeweile spielen sie Krieg oder nehmen Jüngeren das Taschengeld ab.

In Marios Leben kommt Bewegung, als er den Eingang zu einem "Kollektorgang" entdeckt, einem Versorgungsschacht, der die Häuser verbindet. Es dauert jedoch nicht lange, bis auch eine Gruppe Skinheads den Gang entdeckt und für sich beansprucht. Die Spannungen nehmen zu, kurze Zeit später hat Mario ein Messer im Bauch.

Der erzählerische Kniff: Mario erzählt von seinem kurzen Leben aus der Rückschau. Er sitzt nämlich als Toter auf seinem Grabstein, berichtet auch von seinem Nachleben auf dem Friedhof. Nachdenklich, natürlich, denn sein Leben war kurz. Aber auch mit einer gehörigen Portion (schwarzen) Humors.

David Blum hat eine literarisch gelungene, politische und komische Anti-Coming-of-Age-Geschichte geschrieben.

Eine Rezension von Dina Netz

Literaturangaben:
David Blum: Kollektorgang
Verlag Beltz & Gelberg, 2023
128 Seiten, 14 Euro
Ab 14 Jahren