Das Unwetter im Münsterland

Wiese unter Wasser

Der Regen und die Folgen

Das Unwetter im Münsterland

Am 28. Juli 2014 brach eine Regenflut über das Münsterland herein, mit bis zu 290 Litern pro Quadratmeter in nur sieben Stunden. Zwei Menschen starben. Menschen mussten gegen das Wasser, Schäden, Plünderer und auch Verzweiflung kämpfen. Hier finden Sie eine Übersicht über die Ereignisse.

28. Juli 2014:

Am späten Nachmittag zieht ein Unwetter über Münster und den Kreis Steinfurt hinweg. Münster und Greven stehen in weiten Teilen "Land unter". Polizei und Feuerwehr kommen bei den Notrufen nicht mehr nach. Menschen rufen im Sekundentakt an, ihre Keller sind vollgelaufen. In der Nacht spricht Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe von einer "Jahrhundertkatastrophe". Ein 76-jähriger Mann ertrinkt in Münster in einem überfluteten Keller.

29. Juli 2014:

Das Unwetter hat ein zweites Todesopfer gefordert. Am Vormittag finden Mitarbeiter der Autobahnmeisterei im Norden von Münster einen Mann eingeklemmt in seinem Auto, vermutlich war sein Wagen von der Fahrbahn gespült worden. Unterdessen warten noch viele Menschen auf die Feuerwehr, die Einsatzkräfte kommen kaum nach, obwohl Feuerwehren aus den umliegenden Städten und alle Hilfsorganisationen einspringen. Auch in Greven kommt die Feuerwehr kaum dazu, Privatleuten zu helfen. Auch hier ist die Kanalisation mit dem Regen völlig überfordert. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk sind dabei, Wasser aus der Innenstadt zu pumpen.Viele öffentliche Geäude wie etwa das Rathaus haben Wasserschäden. Das Stellwerk in Greven ist überspült, im Bahnverkehr gibt es Verspätungen und Zugausfälle. In einer ersten Bilanz spricht die Stadt Münster von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Doch längst sind nicht alle Schäden aufgenommen, nicht alle Keller leergepumpt.

31. Juli 2014:

Drei Tage nach dem verheerenden Unwetter ist die Hilfsbereitschaft der Bürger weiterhin groß. In sozialen Netzwerken wird Hilfe organisiert, die Facebook-Gruppe "Regen in Münster" hat schon 5000 Mitglieder. Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten weiter. Um das Problem der enormen Sperrmüll-Mengen in den Griff zu bekommen, fahren die Abfallbetriebe Sonderschichten. Ein großes Problem bleibt die Stromversorgung in Münster: Noch sind Hunderte ohne Strom. Die meisten Straßen und Unterführungen sind dagegen wieder befahrbar.

01. August 2014:

Die Hilfsbereitschaft in Münster ist enorm. In einer Lagerhalle in Münster ist Platz geschaffen worden für Sachspenden. Jeder, der will, kann hier helfen und Spenden sortieren. Außerdem können sich bedürftige Bürger bei der Stadt Münster melden, damit sie schnell und unbürokratisch Hilfe erhalten.

06. August 2014:

Auch neun Tage nach der Unwetterkatastrophe ist die Spendenbereitschaft der Menschen im Münsterland ungebrochen. Die große Lagerhalle ist fast voll. NRW-Bauminister Michael Groschek kommt nach Münster und will sich den Stadtteil Kinderhaus anschauen, der besonders unter den Wassermassen gelitten hat. Finanzminister Walter-Borjans hat sich bereits an den Bund gewandt mit der Bitte um Gelder aus dem deutschen Fluthilfefonds.

07. August 2014:

Viele freiwillige Helfer tragen jetzt Schutzkleidung, ohne Schutz ist die Gesundheitsgefahr auf Dauer zu groß. Ohne Atemschutzmaske darf niemand mehr in verschimmelte Räume. Die Gruppe "Regen in Münster" hat bislang etwa 1000 Hilfseinsätze organisiert.

09. August 2014

Die Stadt Greven zieht eine erste Bilanz: Für Sperrmüll-Abfuhr, Feuerwehreinsätze und Straßenreparaturen muss die Stadt rund 700.000 Euro zahlen. Die wirklich großen Rechnungen liegen der Stadt wohl erst in einigen Monaten vor. In der Emssporthalle muss vermutlich die gesamte Haustechnik erneuert werden. Schwer getroffen hat es auch das Gymnasium.

11. August 2014:

Noch haben in Münster nicht alle Haushalte wieder warmes Wasser, aber alle Häuser sind wieder am Netz und verfügen über Strom. Das Sozialamt hat bislang über 3000 Anträge auf Sozialhilfe genehmigt, die Lage hat sich aber noch nicht beruhigt. Die Abfallwirtschaftsbetriebe arbeiten auch das Wochenende durch, um das Sperrgut der Menschen abzufahren.

15. August 2014:

Die LVM-Versicherungen haben inzwischen 8,5 Millionen Euro an ihre Versicherten in Greven und Münster überwiesen. Bei der LVM sind bislang fast 1800 Schäden gemeldet worden, bei der Provinzial sogar 14.000. Allerdings sind wohl noch längst nicht alle Schadensfälle in Greven und Münster aktenkundig.

20. August 2014:

Bürger spenden Geld für Bürger: Auf dem Spendenkonto der Stadt Münster sind bislang rund 150.000 Euro zusammengekommen. Heute werden die ersten Spendengelder an Privatpersonen verteilt, also an Menschen, die bei dem Unwetter vor drei Wochen alles verloren haben.

25. August 2014:

Vier Wochen nach dem Unwetter kommt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit Innenminister Ralf Jäger nach Münster. Die Ministerpräsidentin hatte Greven und Münster Hilfe zugesagt. Jetzt hängt es davon ab, was die Städte beantragen. Allerdings wird das Land nicht für den Gesamtschaden von 30 Millionen Euro aufkommen und nicht für Schäden, die Privatleute erlitten haben.

26. August 2014:

Ab heute können alle Schüler des städtischen Gymnasiums in Greven wieder ihre Schule besuchen. Nach dem Unwetter konnte der Unterricht zu Beginn des Schuljahres nur eingeschränkt wieder aufgenommen werden. Chemie- und Physikräume bleiben aber weiter gesperrt. Auch Sportunterricht wird es nur eingeschränkt geben. Die Ems- und die Rönnersporthalle bleiben bis auf weiteres geschlossen.

10. September 2014:

Wie jetzt bekannt wird, hat das Hochwasser nicht nur immense Sachschäden angerichtet. Mehrere Menschen sind auch ernsthaft krank geworden. Einige haben sich zum Beispiel mit Bakterien infiziert, als sie das Dreckwasser in ihren überfluteten Kellern abschöpfen wollten. Bei der Krankheit handelt es sich um Leptospirose. Experten warnen davor, dass sich die Bakterien noch lange in den feuchten Böden halten können.

16. September 2014

Die Menschen haben inzwischen rund 600.000 Euro für die Unwettergeschädigten gespendet. Die Verteilung der Spendengelder ist gut angelaufen. Nun haben die Wohlfahrtsverbände beschlossen, die Vergabe zu dezentralisieren und zwar in die Sozialbüros in den Stadtvierteln. Dort wissen die Mitarbeiter, wer wirklich bedürftig ist und sich einfach nicht traut, um Geld zu bitten.

25. September 2014:

Fast zwei Monate lang wurden Sachspenden in der Lagerhalle eines Unternehmens in Handorf gesammelt und dort verteilt. Davon profitierten mehr als 250 Privathaushalte, aber auch gemeinnützige Organisationen wie z.B. das Frauenhaus. Jetzt schließt die Halle. Was an Hausrat und Möbeln übrig geblieben ist, geht am Wochenende mit einem Hilfstransport an Hochwassergeschädigte in Rumänien.

24. Oktober 2014:

Auch drei Monate nach dem Unwetter in Münster fließen immer noch Gelder aus dem Spendentopf. 810.000 Euro sind insgesamt eingegangen, davon sind 340.000 Euro auf dem Spendenkonto gelandet, an dem auch der WDR beteiligt war. Im Schnitt hat jeder Antragssteller 5.600 Euro bekommen. Es kommen weiterhin Anträge, offensichtlich dauert es, bis das Ausmaß der Schäden wirklich klar ist.