Voneinander lernen: Landwirte aus Westafrika in Werther

Lokalzeit OWL 29.08.2023 02:46 Min. Verfügbar bis 29.08.2025

Voneinander lernen: Landwirte aus Westafrika in Westfalen

Stand: 29.08.2023, 18:33 Uhr

Eine Woche lang sind Landwirte aus Burkina Faso zu Gast in Westfalen - zum Erfahrungsaustausch mit Landwirten. Zum Beispiel auf einem Bio-Hof im Kreis Gütersloh.

Von Christina Joswig

Als Irène Dabou Traore die riesigen roten Paprika sieht, und wie die großen Knollen der Roten Beete aus der Erde ragen, ist sie sprachlos. Sie kann nicht glauben, dass dieses Gemüse nicht genmanipuliert ist. "Wenn so etwas bei uns verkauft wird, kann man sich sicher sein, dass es nicht Bio-Gemüse ist", sagt die Burkinerin.

Einsatz für Biobauern in Westafrika

Eine Frau und ein Mann stehen in einem Gewächshaus mit Paprika und hören zu.

Irène Dabou Traore staunt über die Ernte.

Sie ist mit 25 anderen Landwirten aus dem westafrikanischen Burkina Faso nach Ostwestfalen-Lippe gereist, um mit anderen Bauern ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und Erfahrungen auszutauschen.
"Wir wollen bewirken, dass sich auch in Burkina Faso Menschen zusammenschließen und ökologische Landwirtschaft betreiben", sagt die Landwirtin.

Seit drei Jahren engagiert sich Irène Dabou Traore im Landwirtschaftsministerium ihres Heimatlandes, setzt sich für Biolandwirtschaft und die Rolle der Frau ein. "Wenn wir die Botschaft weitertragen, können die Frauen an der Basis etwas verändern."

Besuch im Biobetrieb

Heute ging es auf dem Biohof Meyer zu Theenhausen in Werther los. Seit Anfang der 90er Jahre wird dort Biolandwirtschaft betrieben, vor allem mit Gemüse wie Kürbissen, Möhren und Rote Beete.

Ein Mann steht mit Publikum in einem Tomatengewächshaus.

Ali Zare arbeitet seit 28 Jahren in Werther.

Durch die Gewächshäuser und über die Felder führte die Gruppe Ali Zare, der seit 28 Jahren auf dem Hof arbeitet und selbst aus Burkina Faso stammt. Er war damals nach Deutschland geflüchtet und hat auf dem Hof Arbeit gefunden. Er bekam mit, wie der Betrieb auf Bio umgestellt wurde und dass es funktioniert, auch ohne Pestizide und gemanipuliertes Saatgut Gemüse anzubauen.

Pestizide in Burkina Faso: "Die Menschen werden krank"

In seinem Heimatland sei vor 50 Jahren noch alles Land biologisch bewirtschaftet worden. Im Laufe der Jahre hätten die Menschen damit angefangen, Pestizide einzusetzen. "Die Menschen werden krank, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Sie nehmen zu viel", sagt der 53-Jährige. Die Böden seien ausgezehrt.

Er zeigt seinen Gästen, wie man Schädlinge und Unkraut schonend behandelt. Aber auch, was eine Fruchtfolge ist, und wie der Boden nährstoffreich bleibt.

Dürre und Bewässerung bereiten Probleme in Burkina Faso

In Burkina Faso bedeutet Landwirtschaft hauptsächlich mühsame Handarbeit. 90 Prozent der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft: Um die eigene Familie zu ernähren oder die Erträge auf lokalen Märkten zu verkaufen.

Tomaten, Möhren, Gurken - alles, was die Delegation in Werther findet, wächst auch bei ihnen zu Hause. Allerdings nur in der Regenzeit. In der aktuellen Trockenperiode konzentrieren sie sich auf Getreidesorten, Mais und Reis. Was ihnen am meisten fehle, sei Wasser, sagt Irène Dabou Traore.

"Viele gehen den einfachen Weg"

Eine Frau steht auf einem Feld und hält Möhren und rote Beete in der Hand.

Irène Dabou Traore vergleicht das Gemüse mit dem aus ihrer Heimat.

Sie staunt nicht schlecht, als sie erkennt, dass die Wertheraner auf Lehmboden anbauen. "Es ist ein Vorurteil, dass auf Lehmboden nichts wächst, das werde ich mit nach Hause nehmen", sagt sie überrascht. Wenn der Boden richtig bearbeitet wird, speichert er sogar besonders gut Wasser, erklärt ihr Ali Zare.

Für Irène und ihre Begleiter ist jede kleine Information eine große Hilfe. "Bei uns sagen Landwirte oft, dass Bio nicht geht und gehen den einfachen Weg", sagte sie. Sie hat sich fest vorgenommen, ihre Botschaft in Burkina Faso zu verbreiten, um damit die Böden zu schützen.

Aktionswoche soll wiederholt werden

Die Aktionswoche gibt es zum ersten Mal in OWL und soll künftig alle zwei Jahre mit verschiedenen Partnerländern wiederholt werden. Organisiert wurde sie von verschiedenen kulturellen und wirtschaftspolitischen Vereinen, wie den Welthäusern in Bielefeld und Minden, oder dem Verein Afrika Wakati.