Nach Gewalttat beim CSD Münster: Verdächtiger in U-Haft

Stand: 04.09.2022, 14:05 Uhr

Nach dem Tod eines jungen Mannes beim CSD in Münster sitzt der Tatverdächtige aus Tschetschenien in Untersuchungshaft. Der 20-Jährige soll den Mann zusammengeschlagen haben, als dieser Frauen zur Hilfe eilte.

Der Tatverdächtige aus Tschetschenien war am Freitag am Hauptbahnhof in Münster festgenommen worden. Eine Polizistin hatte den 20-Jährigen erkannt, nachdem die Beamten zahlreiche Fotos und Videos von der Tat ausgewertet hatten.

Am Samstagmittag wurde der Mann dem Haftrichter vorgeführt. Zu den Vorwürfen habe er keine Angaben gemacht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie ermittelt gegen den 20-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Der mutmaßliche Täter ist der Polizei bekannt. Er ist wegen Körperverletzung vorbestraft.

Dem Tatverdächtigen droht eine lange Haftstrafe

Der Münsteraner Oberstaatsanwalt Dirk Ollech sagte dem WDR, um eine U-Haft zu verhängen, bedürfe es eines dringenden Tatverdachts. Dieser lasse sich durch Video- und Bildaufnahmen vom Tatort erhärten. Zudem bedürfe es eines Haftgrundes. Auch dieser liege vor, denn es bestehe Flucht- und Wiederholungsgefahr.

Sollte der Tatverdächtige nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, drohe ihm eine Haftstrafe zwischen drei und 15 Jahren, nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahren.

Kundgebung am Freitagabend auf dem Prinzipalmarkt

Demonstrierende mit Transparenten vor dem Rathaus in Münster

Rund 6.500 Menschen demonstrierten in Münster

Am Freitagabend hatte es eine Kundgebung zum Gedenken an den 25-jährigen Malte und zur Mahnung auf dem Prinzipalmarkt in Münster gegeben, zeitweilig mit bis zu 6.500 Teilnehmern, wie ein Polizeisprecher am späten Abend dem WDR sagte. Verschiedene queere Vereine hatten dazu aufgerufen, sich mit der queeren Gemeinschaft solidarisch zu zeigen, ihre Anteilnahme zu zeigen und ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.

Markus Lewe (CDU), Oberbürgermeister Münster

Oberbürgermeister Lewe ist bestürzt

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, besuchte die Kundgebung. Er äußerte sich bestürzt zum Tod des jungen Mannes: "Ich bin erschüttert, entsetzt, traurig und auch wütend. Das Ereignis zeigt, dass es immer noch nicht bei allen angekommen ist, dass wir eine offene Gesellschaft sind, dass die Vielfalt ein Reichtum ist. Und dass wir gegen jede Art von Angriffen gegen Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung vorgehen müssen"," sagte er dem WDR.

Ein Holzkreuz mit der Aufschrift "Wir trauern um Malte" an einem Baum, davor Blumen und Kerzen

Der Tatort in Münster jetzt ein Ort der Trauer

Dabei gab es Raum für die Trauer um den verstorbenen Malte, aber auch für politische Forderungen nach mehr Sicherheit und Toleranz. Auch am Tatort wurde des Toten gedacht. Nach dem offiziellen CSD-Programm am vergangenen Samstag war der 25-jährige Malte lebensgefährlich verletzt worden, als er zwei Frauen zur Hilfe eilte. Nach Erkenntnis der Polizei hatte der CSD-Teilnehmer beobachtet, wie der spätere mutmaßliche Gewalttäter Frauen bei der Pride Parade mit den Worten "lesbische Hure" und "verpisst euch" beleidigt und bedroht hatte.

Brutal niedergeschlagen

Zwei Teilnehmende tragen einen Mundschutz in den Farben der LGBTQ-Flagge

Demonstranten mit Regenbogen-Masken

Als der 25-Jährige einschritt, habe der Täter ihm unvermittelt brutal ins Gesicht geschlagen. Der Helfer habe das Gleichgewicht verloren, bevor ihn ein weiterer Faustschlag im Gesicht traf. Dann habe er das Bewusstsein verloren und sei mit dem Kopf auf den Asphalt aufgeschlagen. Im Krankenhaus war er in ein künstliches Koma versetzt worden, am Freitagmorgen war er seinen schweren Verletzungen erlegen.

Bestürzte Reaktionen

Wie die CSD-Veranstalter geht offenbar auch die Stadt Münster davon aus, dass es sich um eine transfeindliche Tat handelt. Auch, weil es sich bei dem Opfer um einen trans*Mann handelt.

Eine Treppe vor einem Sandsteingebäude mit bunten Kerzen, Blumen und Plakaten für den verstorbenen Malte

Vor dem Rathaus in Münster ist ein Ort der Trauer

"Dieses grausame Ereignis zeigt, dass wir uns immer noch mehr einsetzen müssen für Gleichberechtigung und Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung" so Oberbürgermeister Lewe.

Dem WDR sagte am Samstag René Mertens vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD), dass queerfeindliche Einstellungen seit einigen Jahren auch durch soziale Medien verstärkt werden. Mertens rief dazu auf, Zivilcourage zu zeigen und immer einzugreifen oder Hilfe zu holen, wenn man Zeuge von Gewalttaten wird.

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Der Münsters Bischof Felix Genn bezeichnete die Gewalttat als "barbarisch" und "irrsinnig". Er rief zum Einsatz gegen Intoleranz, Hass und Ausgrenzung auf. Die Regionalliga-Fußballer von Preußen Münster haben am Samstag vor ihrem Spiel eine Schweigeminute eingelegt.