Gestellte Aufnahme zum Thema Beziehungstat: Eine Frau wird von einem Mann bedrängt

Diskussion um Umfrage zu Männlichkeit

Stand: 20.06.2023, 17:38 Uhr

Laut einer Umfrage findet es angeblich jeder dritte junge Mann in Ordnung, wenn im Streit mit der Partnerin mal die Hand ausrutscht. Doch es gibt Kritik an der Art der Befragung.

Eine von der Hilfsorganisation Plan International Deutschland veröffentlichte Umfrage hat für Wirbel gesorgt. So hieß es unter anderem, ein Drittel der Männer zwischen 18 und 35 Jahren fände es "akzeptabel", wenn im Streit mit der Partnerin mal die Hand ausrutscht. Und etwas mehr als jeder Dritte sei bereits selbst handgreiflich geworden, um Frauen Respekt einzuflößen.

Für die Umfrage haben nach Angaben der Nichtregierungsorganisation im März jeweils 1.000 Männer und Frauen zwischen 18 und 35 Jahren an einer standardisierten schriftlichen Online-Befragung teilgenommen und über ihre Vorstellungen von Männlichkeit Auskunft gegeben. Es handele sich um eine repräsentative Umfrage.

Kritik an der Umfrage

Doch nach der Veröffentlichung wurden Zweifel laut. Experten übten Kritik an der Methodik der Befragung. So sagte Katharina Schüller, Vorstandsmitglied der Deutschen Statistischen Gesellschaft, zu tagesschau.de, dass es einige Kritikpunkte gebe, die die Aussagekraft der Umfrage schmälerten.

Es fehle zum Beispiel an Informationen darüber, wie die Stichprobe der Umfrageteilnehmer rekrutiert worden sei. Bei Onlineumfragen würden oftmals Menschengruppe befragt, die mitteilungsbedürftig oder neugierig seien. Eine weitere Kritik: Die Befragten seien vom Marktforschungsinstitut nicht nur für die Teilnahme bezahlt worden, sondern auch für das Anwerben neuer Teilnehmer. "Das fördert eher die Homogenität als Heterogenität in diesem Panel", sagte die Diplom-Statistikerin.

Auch die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky kritisierte die Befragung im "Spiegel". Sie sprach von "handwerklichen Mängeln". Ob die Umfrage tatsächlich repräsentativ sei, könne sie nicht sagen. "Ich wäre aber skeptisch. Repräsentativität ist nicht trivial, die kriegt man in der Forschung nicht so mal eben hin. Dafür ist unsere Gesellschaft zu vielfältig." Es sei "schade", dass nun "viel mehr über die Umfrage und deren Mängel geredet wird als über die Gewalt, die von Männern ausgeht".

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, bemängelte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass bei Umfragen, zu denen sich die Teilnehmer selbst melden könnten, nicht die Gesamtbevölkerung gefunden werde. "Hier kann sich jeder, aus welchen Gründen auch immer, als Teilnehmer anmelden: aus einem Spieltrieb heraus, aus Langeweile, um Entscheidungsprozesse von Politik oder Unternehmen zu beeinflussen, oder schlicht, um etwas Geld zu verdienen."

Gewalt in der Beziehung - Befragung zu Gewalt gegen Frauen

WDR Studios NRW 11.06.2023 01:54 Min. Verfügbar bis 11.06.2025 WDR Online


So reagieren die Macher

Eine Sprecherin von Plan International Deutschland sagte dem "Deutschlandfunk", die Online-Befragung entspreche den "üblichen Standards der Branche". Und der Marktforscher Eckhard Preis, der die Umfrage entworfen hat, betonte, dass die Befragung wissenschaftliche Standards erfülle. "Das Bild, das wir zeichnen, passt und ist stimmig."

Zahlen zu Gewalt in der Partnerschaft

Dabei gibt es Zahlen, die das grundsätzliche Problem verdeutlichen. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) sind die verzeichneten Fälle zur Partnerschaftsgewalt von 2016 bis 2021 um 3,4 Prozent gestiegen - die Tatverdächtigen waren zu 78,8 Prozent männlich. Das BKA geht dazu von einem großen Dunkelfeld aus. Und in einer aktuellen Studie aus Sachsen sagt jede dritte Befragte, schon einmal Opfer von Gewalt in einer Partnerschaft geworden zu sein.

Korrekturhinweis: Bei dieser Version des Artikels handelt es sich um eine aktualisierte Fassung. In einer früheren Version hieß es, die Täter bei Partnerschaftsgewalt seien zu 92,5 Prozent männlich. Das ist so nicht richtig. Korrekt ist: 78,8 Prozent der Tatverdächtigen sind männlich. Der ursprüngliche Artikel wurde außerdem erweitert um die Kritik an der Methodik der Studie.

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