Umarmung auf Rollfeld: Haben die Personenschützer von Olaf Scholz gepatzt?

Stand: 26.05.2023, 21:43 Uhr

Peinlicher Vorfall am Frankfurter Flughafen: Ein Mann stürmt auf Olaf Scholz zu und umarmt ihn. Die BKA-Beamten, die den Kanzler schützen sollen, schauen zu - und ernten dafür Kritik.

Es ist schon Abend geworden, als die Fahrzeugkolonne von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in den Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens rollt. Nacheinander fahren die schwarzen Limousinen auf das Rollfeld. Dem kleinen Konvoi folgt noch ein weiteres Fahrzeug. Es hält ebenfalls vor dem Flugzeug, mit dem der Bundeskanzler zurück nach Berlin fliegen will.

Als Scholz zum Flugzeug geht, steigt auch der Fahrer des unbekannten Fahrzeugs aus seinem Wagen. Er geht auf den Kanzler zu und umarmt ihn - vor den Augen den Beamten des Bundeskriminalamtes, die Scholz auf Schritt und Tritt begleiten und schützen sollen.

Wie konnte es zu dem Vorfall kommen?

"Ein solcher Vorfall darf nicht passieren" sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) dazu."Die Beteiligten werden jetzt sehr genau aufarbeiten, woran es lag, wo Fehler passiert sind, um diese in Zukunft zu vermeiden"

Auch die ARD-KorrespondentinBarbara Kostolnik, die häufiger dabei ist, wenn der Olaf Scholz reist, findet es beunruhigend, dass ein Fremder so nah an den Bundeskanzler herankommen konnte.

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Wie es dazu kommen konnte, ist nach Informationen des Bundesinnenministeriums noch nicht klar. Zuständig für den Schutz von Scholz sei wie üblich das Bundeskriminalamt gewesen, erklärt ein Sprecher. Im Fall des Frankfurter Flughafens seien zudem die hessische Landespolizei und die Bundespolizei verantwortlich gewesen.

Die BKA-Beamten sollen dem Mann laut "Spiegel online" lediglich gesagt haben, er solle sich von Olaf Scholz entfernen. Daraufhin habe sich er Mann erst einmal wieder in sein Auto gesetzt und dort ein Zigarette geraucht. Später ließ er sich ohne Widerstand von der Bundespolizei festnehmen.

Ehemaliger Personenschützer: Nicht überbewerten

Rainer Schanz: ehemaliger Personenschützer von Angela Merkel

Personenschützer Rainer Schanz

Rainer Schanz, ehemaliger Personenschützer von Angela Merkel, Gerhard Schröder und Willy Brandt, rät im WDR trotz allem dazu, die Situation nicht überzubewerten. Ihm stellt sich vor allem die Frage, wie das Auto überhaupt auf das Flughafengelände kommen konnte.

Das Rollfeld des Flughafens sei für die Personenschützer ja auch Sicherheitsbereich. Dort sei es normal, der Schutzperson etwas mehr Raum zu lassen.

"Ich persönlich verwehre mich dagegen, dass man den Schuldigen jetzt bei den Sicherheitsbeamten sucht." Rainer Schanz, Personenschützer

Im Auto eine Zigarette geraucht

Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Frankfurt um einen 48 Jahre alten Frankfurter. Nach der Feststellung seiner Personalien sei er wieder freigelassen worden. Gegen ihn werde wegen Hausfriedensbruchs ermittelt.

Laut "Spiegel online" soll er einen verwirrten Eindruck gemacht haben und auch ein Schnelltest auf Drogen soll positiv ausgefallen sein.

Kanzler bleibt ganz ruhig

Auch der Kanzler selbst bewertet den ganzen Zwischenfall offenbar als weniger brisant. Dass ihm Menschen guten Tag sagten und ihn begrüßten, sei für ihn ganz normal und nicht besonders beeindruckend, so Scholz am Freitag. "Und ich habe auch diese Situation nicht als dramatisch empfunden."

Trotzdem leitete die zuständige Staatsanwaltschaft laut Bundesinnenministerium Ermittlungen gegen den Mann ein. Dabei gehe es auch darum, ob sein Handeln strafrechtlich relevant gewesen sei.

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