SEK-Einsatz: Unschuldiger festgenommen

WDR aktuell 30.10.2023 Verfügbar bis 30.10.2025 WDR Von Catherine Jaspard

SEK stürmt falsche Wohnung in Dortmund

Stand: 30.10.2023, 14:43 Uhr

Ein lauter Knall, dann drücken schwer bewaffnete Polizisten Alexander Fuchs zu Boden. Das SEK will in Dortmund einen Mann festnehmen - und irrt sich im Stockwerk.

Von Martin Wilger

Alexander Fuchs sitzt gerade am Esstisch seiner Wohnung, da gibt es einen lauten Knall. Die Flurtür fliegt aus den Angeln und nur Sekunden später stehen etliche schwer bewaffnete Polizeibeamte in seiner Wohnung. Das SEK-Kommando drückt den 41-jährigen Familienvater auf den Boden. Der weiß so gar nicht, wie ihm geschieht. Denn er hat keine Straftat begangen.

"Das war wie in einem Actionfilm! Nur, dass ich nicht vor dem Fernseher sitze, sondern mittendrin stecke!" Alexander Fuchs

Auf seine Frage, was genau eigentlich los sei, bekommt er keine Antwort. Stattdessen durchsuchen die SEK-Polizisten seine Wohnung.

Mutter klärt Irrtum auf

Glücklicherweise sind zu diesem Zeitpunkt weder seine 3- und 10-jährigen Kinder noch seine Lebensgefährtin zu Hause. Doch seine Mutter, die im gleichen Haus wohnt, bekommt den Krach natürlich mit. Kurze Zeit später kann sie den Irrtum aufklären: "Ich habe denen gesagt, dass der Mann, den sie suchen, eine Etage drüber zu finden sei." Ein kurzer Abgleich mit dem Ausweis von Alexander Fuchs, dann war auch den Beamten klar: Hier sind wir falsch!

In der Wohnung darüber dann der gleiche Einsatz: Mit einer Ramme wird die Tür aufgebrochen. Kurze Zeit später können sie den richten Mann stellen und festnehmen. Er ist wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt. Weil er der Gerichtsverhandlung in Hildesheim ferngeblieben ist, wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Durch Telefonüberwachung haben Beamte ihn in Dortmund geortet. Jetzt sitzt er in U-Haft.

Tür kaputt – wer kommt dafür auf?

Alexander Fuchs ist immer noch fix und fertig. Und ihn ärgert, dass die Polizei einen großen Schaden verursacht hat. Darum muss er sich jetzt allerdings selbst kümmern.

Solche Irrtümer kommen bei SEK-Einsätzen durchaus häufiger vor. Die Polizei verweist dann lediglich auf die Vorgangsnummer. "In so einem Fall hat der Geschädigte einen Anspruch auf Wiedergutmachung", sagte uns Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Die Entschädigung zahlt das Land.

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