Gewitter: So schützt man sich gegen Blitzschläge

Stand: 22.07.2024, 13:00 Uhr

Gewitter sind ein faszinierendes Naturspektakel, aber sie gefährden auch Menschenleben. Der WDR hat Tipps, wie man sich vor lebensbedrohenden Situationen schützen kann.

Etwa 250 Menschen werden im Jahr in Deutschland von einem Blitz getroffen, bis zu zehn sterben daran. Im Juli 2024 wurde etwa ein 18-Jähriger aus dem Kreis Viersen durch einen Blitzeinschlag auf der Zugspitze tödlich verletzt, am Pfingstsonntag 2024 war bei einem Zeltlager der Jugendfeuerwehren im Kreis Soest der Blitz eingeschlagen - dort war zum Glück niemand schwerer verletzt worden.

Es ist also wichtig zu wissen, wie man sich bei Gewitter richtig verhält. Hier die Tipps aus der WDR-Wissenschaftsredaktion:

Nicht zur höchsten Stelle werden

Der Blitz schlägt vorzugsweise in die höchste Erhebung der Umgebung ein, in der man sich aufhält. Darum sollte man im Freien bei Gewitter Felder oder Wiesen schnellstmöglich verlassen, um nicht selbst die höchste Stelle darzustellen.

Bäume meiden

Keine gute Idee ist es, bei Gewitter Schutz unter Bäumen zu suchen, egal unter welchen. Schlägt der Blitz in den Stamm ein, kann die Spannung überspringen. Außerdem besteht die Gefahr, dass man von abgesprengten Ästen getroffen und schwer verletzt wird.

Nicht flach auf den Boden legen

Gefahr im Freien besteht nicht nur durch einen Blitz, der einen direkt treffen könnte, sondern auch durch einen Einschlag in der näheren Umgebung. Der Boden leitet den Strom nämlich gut weiter. Deshalb gilt: Wer draußen von einem Gewitter überrascht wird, sollte sich nie flach auf den Boden legen, sondern in die Hocke gehen und die Beine möglichst dicht zusammenstellen. Mehrere Personen, die zusammen im Gewitter unterwegs sind, sollten Abstand voneinander halten.

Abstand zu Metall halten

Wichtig ist auch, bei Gewitter Abstand zu Metall zu halten. Zwar ziehen Fahrräder, Mobiltelefone, Skistöcke oder Geländer den Blitz nicht an - wenn er aber dort einschlägt, leiten Metallgegenstände den Strom besonders gut weiter. Und das kann zu starken Verbrennungen führen.

Hüpfen statt Wegrennen

Vor einem Gewitter wegzurennen birgt erhebliche Gefahr. Auch wenn der Blitz mehrere Meter entfernt in den Bogen einschlägt, droht durch die sogenannte Schrittspannung Lebensgefahr. Von der Einschlagstelle aus breitet sich die Spannung kreisförmig aus und verliert dabei an Stärke. Stehen die Füße, wenn man gerade einen Schritt macht, auseinander, besteht zwischen ihnen ein Spannungsunterschied und der Strom kann durch den Körper fließen. Deshalb raten Experten, sich mit geschlossenen Beinen hüpfend aus dem Zentrum eines Gewitters zu entfernen.

Gefahr in Gewässern

Schutz vor einem Gewitter in Gewässern zu suchen, ist ebenfalls keine gute Idee. Auch hier herrscht von der Einschlagstelle des Blitzes aus ein starker Spannungsabfall. Ein im Wasser langgestreckter Körper weist starke Spannungsunterschiede auf, so dass der Strom durchfließen und zu schweren Verbrennungen oder zum Herzstillstand führen kann.

Sport ist Mord - zumindest bei Gewitter

Neben Schwimmen gibt es weitere Sportarten, denen man bei Gewitter unbedingt nicht nachgehen sollte. Beim Reiten sitzt man buchstäblich auf dem hohen Ross sehr exponiert für den Blitz. Außerdem hat das Pferd eine sehr große Schrittspannung. Statistisch gesehen ist allerdings Golfen, zumindest in den USA, die gefährlichste Sportart bei Blitz und Donner. Etwa jeder fünfte Blitztote in den Staaten hat den Schläger geschwungen und dabei einen Einschlag kassiert.

Schutz bieten Gebäude und Autos

Am besten geschützt ist man in einem Gebäude mit Blitzableitern. Man sollte sich aber vor Leitungen in Acht nehmen und auch nicht duschen. Im Freien ist auch das Auto sicher: Es bildet einen sogenannten "Faradayschen Käfig", in dem der Strom durch die Metallkarosserie in den Boden fließt, ohne die Insassen zu verletzen - vorausgesetzt, man hält die Fenster geschlossen und lässt nicht etwa einen Arm heraushängen.

Überlebenschancen, wenn einen der Blitz trifft

Die Chance, einen unmittelbaren Blitzschlag relativ unbeschadet zu überstehen, ist gar nicht so schlecht - paradoxerweise wegen der enormen Stromstärke des Blitzes. Über den Widerstand des Körpers wird eine so hohe Spannung aufgebaut, dass der Blitz den Abstand zum Boden überbrücken kann und nur über die Körperhülle rast - die Haut ist dabei ein besonders guter elektrischer Leiter.

Quellen:

  • Wissenschaftsredaktion des WDR