Welt-Kleinwuchsspiele in Köln: "Hier haben wir Sport auf Augenhöhe"

Stand: 28.07.2023, 17:08 Uhr

Am Freitag haben in Köln die World Dwarf Games 2023 begonnen. Bei den Welt-Kleinwuchsspielen startet auch Hannah Danziger. Die deutsche Athletin tritt gleich in sechs Disziplinen an.

Im Foyer der Deutschen Sporthochschule ist es wuselig. Überall laufen Athleten und Betreuer herum, man hört ein Mischmasch aus Deutsch, Englisch und Französisch. Kurz vor Beginn der World Dwarf Games sind auch die letzten Teilnehmenden in Köln angekommen. Jetzt heißt es: anmelden, offene Fragen klären, erste Kontakte knüpfen.

Mittendrin im Getümmel steht Hannah Danziger. Als "Chef de Mission" der deutschen Mannschaft hat sie gerade besonders viel zu tun. Die 22-Jährige ist nicht nur erste Ansprechpartnerin für das eigene Team, sondern auch für die "Chefs de Mission" der anderen Länder und arbeitet im Organisationsteam.

Als wäre das nicht genug, tritt sie als Athletin auch noch in sechs Disziplinen an: Fußball, Basketball, Badminton-Doppel, Boccia-Doppel, Diskus und Speerwerfen. Für sie sind es die ersten World Dwarf Games.

WDR: Wie bereitet man sich eigentlich auf sechs unterschiedliche Sportarten vor?

Hannah Danziger: 100 Prozent auf alles vorbereiten kann ich mich nicht. Für Fußball hatten wir ein Trainingslager im Juni. Basketball spiele ich mit meinem Bruder, Badminton mit meiner Schwester. Speerwurf und Diskus habe ich auf anderen Wettkämpfen im Kleinwuchs-Sport ausprobiert. Boccia werde ich jetzt einfach mal testen. (lacht)

WDR: Bei dir steht die Medaillenjagd also nicht im Vordergrund?

Danziger: Genau. Für mich ist es eher wichtig, das Internationale mitzuerleben und viele neue Leute kennenzulernen. Ich möchte vor allem Spaß haben. Aber natürlich spielt der Sport auch eine wichtige Rolle, in den Teamsportarten werde ich besonders Gas geben. Vielleicht holen wir ja mit der Frauen-Fußballmannschaft eine Medaille.

WDR: Und wie sieht es im Rest des Teams aus?

Danziger: Unsere Männer-Fußballmannschaft und unser Volleyball-Team haben gute Chancen auf eine Medaille. In den Einzelwettbewerben sind Furkan Altun (tritt unter anderem im Fußball und in der Leichtathletik an, Anm. d. Red.), Jonathan Vaupel (unter anderem Schwimmen und Leichtathletik) und Mathilda Quanz (unter anderem Basketball und Volleyball) vorne dabei.

Team Deutschland bei den WDG 2017

Team Deutschland bei den World Dwarf Games 2017 in Kanada

WDR: Bei den World Dwarf Games gibt es Wettbewerbe mit ganz unterschiedlichen Leistungsniveaus, es nehmen sehr junge und ältere Athleten teil. Wie wichtig ist der Inklusionsgedanke?

Danziger: Sehr wichtig. Hier können wir uns in unserer Leistungsklasse auf vergleichbarer Basis miteinander messen. Im Alltag, zum Beispiel im Sportunterricht, haben kleinwüchsige Menschen diese Möglichkeit oft nicht. Noch dazu haben wir hier eine super Atmosphäre und man lernt Menschen aus der ganzen Welt kennen.

WDR: Warum heißen die Wettkämpfe eigentlich World Dwarf Games? Im Deutschen würde man sie doch nie als "Welt-Zwergenspiele" bezeichnen...

Danziger: Tatsächlich sprechen wir im Deutschen von "Welt-Kleinwuchsspielen". "Dwarfism" ("Kleinwuchs") ist im Englischen aber ein gängiger Begriff.

WDR: Welche Bedeutung haben die World Dwarf Games als Event?

Danziger: Hier können wir Sport auf Augenhöhe betreiben. Das Sportliche und das Soziale kommen super zusammen. Und so große Spiele gibt es für kleinwüchsige Menschen sonst nirgendwo.

Frauen-Fußballmatch zwischen Deutschland und den USA

Zu den World Dwarf Games reisen sogar Teams aus den USA und Australien an

WDR: Und wie wichtig sind die Wettkämpfe, um mehr Präsenz für das Thema Kleinwüchsigkeit in der Öffentlichkeit zu schaffen?

Danziger: Es wäre schon gut, wenn in die Öffentlichkeit getragen wird, dass die Athleten hier guten Sport machen und auch viele paralympische Leute dabei sind. Dass gleichzeitig aber auch Menschen wie ich teilnehmen können, die es aus Spaß machen und für das Event und die Erfahrung mitkommen. Jeder nimmt hier viel mit.

Das Interview führte Martin Henning

Über das Thema berichteten wir am 28.07.2023 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.

Welt-Kleinwuchsspiele in Köln: "Hier haben wir Sport auf Augenhöhe"

00:38 Min. Verfügbar bis 28.07.2025