"Dynalive" Modellvorhaben in Bonner LVR-Klinik

Lokalzeit aus Bonn 16.02.2024 Verfügbar bis 16.02.2026 WDR Von Jörg Stolpe

Bonn: Neue Wege zur psychischen Gesundheit

Stand: 25.02.2024, 09:00 Uhr

Die LVR-Klinik in Bonn bietet ihren Patienten jetzt flexiblere und individuellere Therapiemöglichkeiten an. Im Fokus steht dabei die Lebenssituation der Patienten. So können Menschen mit psychischen Erkrankungen auch zuhause therapiert werden.

Von Jörg Stolpe

Roswitha Kuriata schaut in den Kühlschrank von Gerlinde Schirmer. Ist alles da, was man im Alltag braucht? Aufschnitt, Käse, Butter, Getränke?

Der Kühlschrank ist gefüllt. Für Kuriata ist das ein gutes Zeichen. Ihre Patientin kommt alleine zuhause zurecht, obwohl sie schon lange wegen Depressionen in Behandlung ist. Dann kontrolliert Kuriata noch, ob Frau Schirmer genügend Medikamente vorrätig hat und ob sie die auch nimmt.  

Flexibel und individuell abgestimmt

Gruppentherapie in Stuhlkreis mit Oberärztin am Whiteboard

Gruppentherapie in Stuhlkreis

Roswitha Kuriata arbeitet als Pflegerin für die Bonner Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Sie ist auf psychische Erkrankungen spezialisiert und hat 30 Jahre lang auf Station gearbeitet. Jetzt besucht sie regelmäßig ihre Patienten zuhause. Möglich ist das, weil die LVR-Klinik ein neues Behandlungsmodell eingeführt hat. Unter den Namen DynaLive (Dynamische, lebensnahe, integrierte Versorgung) verspricht die Klinik eine möglichst flexible und individuell abgestimmte Therapie.

Für Gerlinde Schirmer war es zum Beispiel undenkbar, für einen stationären Aufenthalt ihre Katzen alleine zu lassen. Also war sie erst in der Tagesklinik und bekommt jetzt zuhause Besuch von Pflegerinnen oder Therapeuten.

Andere Patienten wollen lieber ambulant behandelt werden oder gehen freiwillig auf eine Station. "Wir können jetzt viel besser auf die aktuelle Lebenssituation der Patienten reagieren", erklärt Kuriata die Vorteile von Dynalive.

Trotz Therapie zur Arbeit gehen

Gespräch in wohnlicher Athmosphäre mit älterer Patientin

Gespräch in wohnlicher Athmosphäre

So können etwa Suchtpatienten weiter zur Arbeit gehen, ohne dass der Arbeitgeber von der Therapie erfährt. Welche Therapieform gerade die Passendste ist, entscheiden Ärzte, Pflegepersonal und Patienten gemeinsam.

Dabei hat das Pflegepersonal eine Schlüsselrolle. Sie haben den intensivsten Kontakt zu den Patienten. "Das heißt zwar mehr Verantwortung für uns, aber dafür können wir unser Wissen auch bestmöglich einbringen", meint Roswitha Kuriata.

Ein Modell für andere Kliniken

Die Bonner LVR-Klinik hat mit DynaLive eine Vorreiterrolle eingenommen. Immer mehr Kliniken für psychiatrische Erkrankungen führen ähnliche Modelle ein.

Aber ist die Versorgung zuhause genauso gut wie auf einer Station? "Für mich passt es sehr gut", meint Gerlinde Schirmer. "Und wenn es mir mal schlechter geht, kann ich Frau Kuriata jederzeit anrufen. Dann kommt sie sofort vorbei.