Bonn und Bornheim kämpfen um neues Wohngeld

02:41 Min. Verfügbar bis 26.01.2024

Bonn und Bornheim kämpfen mit Wohngeld-Anträgen

Stand: 25.01.2023, 08:53 Uhr

Fehlende Software, zu wenig Sachbearbeiter, kaum Vorlauf: Das neue Wohngeld bringt die Kommunen an ihre Grenzen. Leidtragende sind die Antragsteller.

Von Sebastian Tittelbach

Die Stadt Bonn hat sich so gut es geht auf den Ansturm eingerichtet. Im Foyer des Stadthauses liegt hinter Stellwänden  das provisorische Wohngeld-Center. Abteilungsleiterin Bettina Ueding zeigt die Hotline und die Plätze für Antragsteller, die persönlich vorbeikommen. Uedings Bilanz nach den ersten beiden Wochen: 500 Anrufe und 120 persönliche Gespräche wurden hier bearbeitet. Sie rechnet in Bonn mit 11.500 Neuanträgen für das Wohngeld: "Hier rufen Bürgerinnen und Bürger an, die durchaus in finanziellen Schwierigkeiten sind und die ganz große Hoffnungen in das 'Wohngeld Plus' setzen."

Bonn braucht 32 neue Mitarbeiter für die Wohngeld-Anträge

Wohngeld wird als Zuschuss an Haushalte gezahlt, deren Einkommen knapp über der Grundsicherungsgrenze liegt. Mit der Wohngeldreform verdoppelte sich zum Jahreswechsel laut Bundesregierung der durchschnittliche Zuschuss von rund 180 Euro pro Monat auf nun 370 Euro. Gleichzeitig haben dreimal so viele Menschen wie bisher Anspruch auf Unterstützung.

Doch die Kommunen hatten kaum Zeit, sich darauf einzustellen. Die Bonner Stadtverwaltung benötigt 32 Mitarbeiter zusätzlich. Bis die gefunden sind, werden Monate vergehen, schätzt der Vorsitzende des Bonner Sozialausschusses, Peter Kox (SPD): "Die Stellen zu schaffen, ist das eine, die Stellen zu besetzen, ist das andere. Außerdem haben wir eine hochkomplexe Materie vor uns, da müssen die Menschen auch erstmal angelernt werden."

Software nicht fertig - Kommunen nutzen Onlinerechner

Man sieht eine Frau, die an einem Schreibtisch sitzt.

Sachbearbeiterinnen in Bornheim ärgern sich darüber, dass die Software für die Wohngeld-Anträge nicht fertig ist.

Zum Personalmangel kommen erhebliche technische Probleme. Bei der Stadt Bornheim ärgern sich die Sachbearbeiterinnen, weil das Land die notwendige Software noch nicht geliefert hat. Für die Berechnung des Wohngelds behelfen sie sich wie andere Kommunen auch mit einem Onlinerechner des Heimatministeriums. Doch der zeigt wegen Überlastung regelmäßig eine Fehlermeldung an: "Bitte versuchen Sie es am nächsten Tag erneut." Oft sind die eingegebenen Daten dann weg. Wegen solcher Probleme sind alle Bescheide vorläufig, so dass sie noch einmal bearbeitet werden müssen, wenn die richtige Software funktioniert.

Wohngeld trotzdem früh beantragen

Am Sinn den neuen Wohngelds zweifelt die Bornheimer Beigeordnete Alice von Bülow (SPD) nicht. Doch Bund und Land ließen die Kommunen erneut im Stich: "Ich muss nur die Themen Kita-Plätze, OGS-Plätze und Flüchtlinge ansprechen, da erleben wir im Grunde dasselbe, dass die Situation der Kommunen nicht gesehen wird.

In Bonn rechnet man damit, dass sich die Bearbeitung des Wohngelds erst im Sommer einspielen wird. Beantragen sollte man es trotzdem so schnell wie möglich, heißt es von der Stadtverwaltung, denn das "Wohngeld Plus" wird nicht rückwirkend ausgezahlt. Wer sich erst im Februar meldet, bekommt für Januar keine Unterstützung. Anders sieht es für Haushalte aus, die bereits Wohngeld beziehen. Sie bekommen den höheren Zuschuss automatisch ausgezahlt. Ein neuer Antrag ist dann erst nach Ablauf des laufenden Bewilligungszeitraums nötig.

Über dieses Thema haben wir am 25. Januar 2023 im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Bonn, 19:30 Uhr berichtet.