Demo in Lützerath: So verlief der Samstag

Stand: 15.01.2023, 11:15 Uhr

Viele Tausend Demonstrierende protestierten am Samstag in Lützerath gegen den Braunkohleabbau, darunter auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Dabei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

"Auf nach Lützerath!": Unter diesem Motto stand eine Großdemonstration, die heute in der Nähe des Braunkohletagebaus Garzweiler stattffand. Die Demonstranten hatten sich mittags von Keyenberg aus auf den Weg gemacht. Der Marsch endete in der Nähe von Lützerath, wo es eine Kundgebung gab.

Wie viele Menschen genau vor Ort waren, ist schwer abzuschätzen. Die Polizei ging ursprünglich von 8.000 Teilnehmern aus. Diese Zahl war offenbar deutlich zu niedrig gegriffen, räumte Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach schon am Vormittag ein. Am Abend sprach die Polizei von 15.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 35.000.

Polizei setzt Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke ein

Auseinandersetzungen bei der Demonstration in Lützerath

Am Nachmittag wurden laut Polizeiangaben immer wieder Absperrungen durchbrochen. "Einige Personen" seien in den Tagebau eingedrungen, andere würden versuchen, nach Lützerath vorzudringen. Laut Polizei sei Pyrotechnik in Richtung der Einsatzkräfte geflogen. Die Polizei setzte Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein, um Demonstranten daran zu hindern, die abgesperrten Bereiche zu betreten.

WDR-Reporter berichteten von einer Gruppe von mehreren hundert Menschen, die sich früh vom Gros der Demonstranten abgesondert und in Richtung Lützerath und Abbruchkante aufgemacht hätten.

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Eindrücke von den Protesten in Lützerath

Seit Mittwoch wird Lützerath geräumt. Dagegen gibt es viele Proteste und Demonstrationen. Unsere Bildergalerie.

Ausschreitungen bei der Demonstration in Lützerath

Die größte Demo gab's am vergangenen Samstag. Mit einem großen Aufgebot wollte die Polizei verhindern, dass Teilnehmer der Demonstration in die abgesperrten Bereiche nach Lützerath oder zum Tagebau vordringen.

Die größte Demo gab's am vergangenen Samstag. Mit einem großen Aufgebot wollte die Polizei verhindern, dass Teilnehmer der Demonstration in die abgesperrten Bereiche nach Lützerath oder zum Tagebau vordringen.

Zunächst blieb das Geschehen friedlich, später setzte die Polizei Schlagstöcke ein, um Demonstranten, die die Absperrungen durchbrechen wollten, zurückzudrängen.

Auch ein Wasserwerfer wurde aufgefahren.

Bis in den Abend blieb die Situation unübersichtlich. Immer wieder versuchten Personen, zur Abbruchkante des Tagebaus zu gelangen. Da der Boden dort abzurutschen droht, sei es lebensgefährlich, den Bereich zu betreten.

Dennoch schafften es viele Menschen bis zur Kante.

Teilweise standen diese gefährlich nahe am Abgrund. Aufgrund des vielen Regens würde das Erdreich an dieser Stelle immer wieder abrutschen, warnten Polizei und die Leitstelle des Kreis Heinsberg.

Die Polizei forderte Verstärkung an, um die gesperrten Bereiche zu sichern.

Neben der deutschen Fridays-For-Future-Sprecherin Luisa Neubauer war auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg in Lützerath vor Ort.

Bei einer Rede forderte Thunberg die Demonstranten dazu auf, Lützerath nicht aufzugeben: "Solange die Kohle noch in der Erde ist, ist dieser Kampf nicht zu Ende."

Am Sonntag nahm Thunberg an einer Spontan-Demo teil. Sie tanzte und sang mit anderen Aktivisten.

Zudem setzte sie sich kurzzeitig auf einen Wall an der Tagebaukante. Als sie der Aufforderung der Polizei, dort wegzugehen, nicht nachkam, trugen sie die Beamten weg.

Seit dem frühen Montagmorgen hatten Aktivisten zudem einen Bagger in Hambach besetzt. Gegen Mittag verließen sie ihn freiwillig.

Gut vier Kilometer Luftlinie von Lützerath entfernt seilten sich am Montagmorgen außerdem fünf Klimaaktivisten - darunter zwei im Rollstuhl - von einer Autobahnbrücke ab.

Außerdem waren noch zwei Aktivisten in einem Tunnel unter Lützerath. Einsatzkräfte bereiteten sich darauf vor, sie dort rauszuholen.

Gegen Mittag haben sie den Tunnel dann nach mehreren Tagen freiwillig verlassen. Der Energiekonzern RWE zeigte sich erleichtert. Eine „lebensbedrohliche Situation“ sei beendet worden.

"Tausend Dank für euren lebensgefährlichen Einsatz gegen die Braunkohle & Kapitalismus", schrieben Aktivisten beim Twitter-Account des "Aktionsticker Lützerath".

Seit Freitag ist das Hüttendorf in Lützerath abgerissen. Mit der Räumung von Lützerath wurde am Mittwoch begonnen.

Klimaschützer hingen in sogenannten Tripods. Im Vordergrund sind von den Aktivisten errichtete Straßensperren zu sehen.

Das "Lützerath"-Ortsschild wurde schon einmal entfernt.

Einsatzkräfte trafen auf Klimaschützer. Dabei kam es zu Tumulten.

Bei der Räumung war auch die Reiterstaffel im Einsatz.

Die Polizei stand vor einer von Klimaschützern aufgebauten Barrikade.

Aktivisten saßen auf einer selbsterrichteten Plattform auf hohen Bäumen. Auf dieser stand BURN (engl. "Brenn") mit dem Bild eines brennenden Schaufelradbaggers.

Mit halb eingegrabenen Gaskanistern sollten die Wagen der Polizei aufgehalten werden.

Das Polizei-Aufgebot war enorm. Es waren mehr Polizisten als Aktivisten vor Ort.

Ein Arbeiter trug ein Bild aus einem besetzten Bauernhof in Lützerath.

Ein bisschen wie ein Stillleben: Aktivisten wurden von der Polizei bewacht.

In Rettungsdecken gehüllt warteten die Aktivisten auf das, was da kam.

Leise Töne: Ein Mann protestierte, indem er sich ans Klavier setzte und Musik machte.

Polizisten trugen einen Demonstranten weg.

Demonstrierende wählten Orte in großer Höhe für ihren Protest.

Auch der Aufenthalt auf Hausdächern sollte die Räumung erschweren.

Der Eingang zum Protestcamp in Lützerath wurde von Polizisten gesichert.

Einige Aktivisten vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen...

... oder mit Lesen.

Die meisten verfolgten und reagierten aber auf die Aktionen der Polizei - wie diese Aktivistin, die das Geschehen aus dem Stall eines besetzten Bauernhofs heraus beobachtete.

Demonstranten an Abbruchkante: Kreis Heinsberg befürchtet "Lebensgefahr"

Die Demonstranten stehen an der Abbruchkante von Garzweiler 2.

Die Leitstelle des Kreises Heinsberg forderte Demonstranten mittels einer Gefahrenmitteilung auf, sich von der Abbruchkante zu entfernen. "Bei Aufenthalt an der Abbruchkante des Tagebaus im Bereich Erkelenz-Lützerath besteht akute Lebensgefahr. Verlassen Sie umgehend den betroffenen Bereich." Wie viele Personen sich an der Abbruchkante befanden, war unklar. Aktivisten von "Ende Gelände Bremen" sprachen von "Tausenden Menschen". Am Abend wurde die Warnung wieder aufgehoben.

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Lage beruhigt sich nach Sonnenuntergang

Polizei in Lützerath

Nach der Aufforderung der Polizei, den unmittelbaren Bereich um das Dorf und die Abbruchkante zu verlassen, zogen sich viele Demonstranten zurück. Die Lage hätte sich bei Einbruch der Dunkelheit am frühen Samstagabend beruhigt, berichteten WDR-Reporter, viele Demonstranten seien nach Hause aufgebrochen. Die übrigen Menschen, die zunächst in dem abgesperrten Bereich geblieben waren, wurden von einer breiten Polizeikette auf dem Acker zurückgeschoben.

Unsere Reporterinnen und Reporter sind in Lützerath und Umgebung unterwegs und berichten im Live-Ticker ebenso wie der WDR Newsroom über die aktuellen Entwicklungen:

Rund um den Versammlungsort staute sich bereits am Mittag der Verkehr auf den Straßen. Um Keyenberg und an der Autobahnabfahrt Mönchengladbach-Wanlo gab es größere Staus. Auch die Bahn warnte über Twitter vor volleren Zügen und Verspätungen.

Anreise aus Österreich

Zelte in Keyenberg

Zelte einiger Demonstranten in Keyenberg

Die Aktivisten kommen nicht nur aus Deutschland zur Demo. So wie Aktivist Gerhard, der mit einem Freund im Zelt auf dem Spielplatz in Keyenberg übernachtet. "Das ist eine der größten und wirkungsvollsten Demos, da nehm ich achteinhalb Stunden Fahrt aus Österreich in Kauf", sagt er dem WDR.

Greta Thunberg kritisiert Grüne und vergleicht Tagebau mit "Mordor"

Greta Thunberg bei der Demonstration in Lützerath

Neben der deutschen Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer war auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg vor Ort. Sie sprach bei in einer Rede an die Demonstranten davon, das Dorf Lützerath nicht aufzugeben. "Lützerath ist noch da, und solange die Kohle noch in der Erde ist, ist dieser Kampf nicht zu Ende", sagte die 20-Jährige.

Bereits vor ihrer Rede kritisierte sie in einem Interview die deutschen Grünen wegen ihrer Unterstützung für den Abriss von Lützerath. Konzerne wie RWE müsse man eigentlich dafür zur Rechenschaft ziehen, wie sie mit Menschen umgingen, sagte sie. Sie verglich die Gegend im Braunkohlerevier mit "Mordor", dem Reich des Bösen im Roman "Herr der Ringe".

70 verletzte Polizisten

Nach Angaben der Polizei vom Sonntag sind im Zuge der Räumung insgesamt mehr als 70 Polizisten verletzt worden. Die meisten davon seien am Samstag bei den Protestaktionen verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Verletzungen gingen aber nur zum Teil auf Gewalt durch Demonstranten zurück. Teilweise seien die Beamten zum Beispiel auch im schlammigen Boden umgeknickt. Auch Demonstranten seien verletzt worden. Wie viele es seien, wisse man nicht. Seit Beginn der Räumung seien etwa 150 Strafverfahren - etwa wegen Widerstands gegen Polizeibeamte, Körperverletzung und Landfriedensbruchs - eingeleitet worden.

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