Obdachlose

Sommerhilfe des Landes für Obdachlose läuft an

Stand: 13.07.2022, 15:06 Uhr

Erstmals gibt es in diesem Jahr 250.000 Euro vom Land zum Schutz von Obdachlosen vor der Hitze. Damit können Sonnensegel, Trinkflaschen und Sonnenschutzmittel finanziert werden.

Von Sabine Tenta

"Nicht nur im Winter, sondern auch bei sommerlicher Hitze sind Menschen, die auf der Straße leben, besonders gefährdet", sagte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. Häufig sei die gesundheitliche Verfassung der Obdachlosen ohnehin schlecht, extreme Temperaturen könnten da lebensbedrohlich werden. "Neben den Kältehilfen, die wir seit Jahren im Winter finanzieren, unterstützen wir deshalb die Hilfsorganisationen auch in diesem Sommer unbürokratisch“, so Laumann.

Schnelle Hilfe vor der Hitzewelle

Konkret stellt das Land 250.000 Euro zur Verfügung. Nach Auskunft des Sozialministeriums haben bereits 90 Träger der Wohnungslosenhilfe Mittel beim Land beantragt, die Antragsfrist dazu endete am 4. Juli. Laumann sagte zu, dass die Gelder nun "sehr kurzfristig" gezahlt würden.

Konkret verteilt werden die Gelder vom Koordinator der Winterhilfe, Andreas Sellner. Der Caritasmitarbeiter verfügt über die Kontakte zu den örtlichen Verbänden, Initiativen und Organisationen - ein landesweites Netzwerk der Obdachlosenhilfe. Mit der Mittelzusage können die örtlichen Träger bereits einkaufen, sodass die Bedürftigen für die kommende Woche drohende Hitzewelle versorgt sein können.

Das brauchen Obdachlose im Sommer

Andreas Sellner schildert im Gespräch mit dem WDR, was nun am dringendsten benötigt wird: "Alles, was verschattet, also Sonnensegel oder auch Zelte, die besonders hitzeabweisend sind. Dann natürlich kalte Getränke, Obst und Sonnenschutzmittel." Auch Thermoskannen zum Kühlen der Getränke seien hilfreich.

Beim Verteilen der Hilfsgüter greift man auf die bewährte Struktur der Kältehilfe zurück. Laut Sellner ist es ein Mix aus aufsuchender Hilfe, bei der Mitarbeitende der Organisation zu den Obdachlosen gehen, und der Ausgabe über bekannte Anlaufstellen. Zudem würden Gutscheine für den Einzelhandel verteilt, damit sich Betroffene eigenständig mit kalten Getränken versorgen können.

Bochum: Wie funktioniert das Hitzekonzept für Obdachlose?

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.06.2022 06:43 Min. Verfügbar bis 17.06.2023 WDR 5


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BAG Wohnungslosenhilfe: Shopping-Malls und Bahnhöfe für Obdachlose öffnen

Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. sagte dem WDR, eine ähnliche, vom Land koordinierte Sommerhilfe für Obdachlose kenne sie aus anderen Bundesländern nicht. Die Hilfen würden ansonsten eher von einzelnen Trägern geleistet. Insbesondere seit dem heißen Sommer 2018 sei das Problem verstärkt ins Bewusstsein gerückt.

Rosenke fordert, dass die Kommunen grundsätzlich auf eine Infrastruktur achten, die auch Obdachlosen zugutekommt. Dazu gehörten öffentliche Trinkbrunnen, Sitzplätze im Schatten, aber auch der Zugang zu klimatisierten Räumen wie Shopping-Malls, Bahnhöfen oder auch Verwaltungsgebäuden. "Die Kommunen müssen auch tagsüber Aufenthaltsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, nicht nur nachts", so Rosenke.

Über 5.000 Obdachlose in NRW

Groben Schätzungen zufolge sind in NRW 5.300 Menschen obdachlos. Insgesamt 11.000 sind nach Angaben des Sozialministeriums ohne eigene Wohnung. Wer obdachlos ist, lebt auf der Straße oder in Behelfsunterkünften. Wohnungslose hingegen haben keinen vertraglich abgesicherten Wohnraum. Sie leben in Heimen, Notunterkünften, Frauenhäusern oder sind vorübergehend bei Freunden oder Verwandten untergekommen.

Laumann: Anrecht auf Unterkunft

Sozialminister Laumann verwies auch darauf, dass in Deutschland niemand unter freiem Himmel leben müsse: "Die Kommunen sind verpflichtet, wohnungslosen Menschen eine Unterkunft anzubieten. Dennoch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass manche obdachlose Menschen diese Angebote nicht annehmen."

Mit der Landesinitiative "Endlich ein Zuhause" unterstützt das Land seit Juni 2019 Kommunen und freie Träger bei ihrer Aufgabe, sich um Wohnungslose zu kümmern. Die Mittel sind laut Ministerium von 1,85 Millionen Euro im Jahr 2018 auf rund 14 Millionen Euro im Jahr 2022 aufgestockt worden.