Einbrecher beim Aufbrechen einer Tür

Zahl der Wohnungseinbrüche erstmals wieder gestiegen

Stand: 12.08.2022, 17:59 Uhr

Wohnungseinbrüche waren viele Jahre ein Dauerproblem in NRW. In der Pandemie sank die Zahl der Vorfälle auf ein historisches Tief. Jetzt steigt sie wieder an. Ist die Landesregierung gewappnet?

Erstmals seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW wieder deutlich angestiegen. Das geht aus Angaben des Landeskriminalamts (LKA) von Freitag hervor. Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Zahl der Einbrüche insgesamt von knapp 28.000 im entsprechenden Vorjahreszeitraum auf jetzt 32.270.

Ein Grund für den Anstieg könnte laut LKA sein, dass nicht mehr so viele Menschen im Homeoffice arbeiten oder aus Schutz vor Corona zuhause bleiben. Für Einbrecher steigen dadurch die Erfolgschancen wieder.

Das sei aber nur eine Idee, betont das LKA. Immerhin liege die aktuelle Zahl trotz des Anstiegs noch unterhalb des Niveaus des ersten Halbjahres 2020, als 14.360 Fälle registriert wurden. Außerdem seien die Einbruchszahlen im Vergleichsjahr 2021 auf einem Rekordtief gewesen.

NRW: Einst "Einbruchsland Nr.1"

"Einbruchsland Nr.1" - dieser Titel schien jahrelang unlösbar an Nordrhein-Westfalen zu kleben. Knapp 62.400 Fälle waren es im Jahr 2015, das Problem war in der Landespolitik allgegenwärtig.

Viele Male wies der damalige Innenminister Ralf Jäger (SPD) auf für Täter günstigen Bedingungen in NRW hin, die gleichzeitig eine Bekämpfung erschwerten: Durch das dichte Straßen- und Autobahnnetz sei es für Täterbanden leicht, schnell mit der Beute ins Ausland zu entkommen. Immer wieder fand die Polizei bei stichprobeartigen Fahrzeugkontrollen auf Autobahnen Diebesgut.

2016 schloss NRW daher eine "Sicherheitskooperation" mit den kriminalpolizeilichen Zentralstellen Belgiens und der Niederlande. Sie bestehe weiterhin, sagt ein LKA-Sprecher auf Nachfrage, es gebe "Aktionstage" mit grenzüberschreitenden Kontrolleinsätzen "zur gezielten Bekämpfung der Bandenkriminalität und mobil agierenden Tätergruppen". Die Bekämpfung der Einbruchkriminalität sei nach wie vor "ein kriminalstrategischer Schwerpunkt" der Landesregierung.

Comeback der Einbrecher: Wie reagiert die Landesregierung?

Wie sehr das Thema nach zweieinhalb Jahren Ruhe während der Pandemie in den Hintergrund gerückt ist, zeigt der Koalitionsvertrag der neuen schwarz-grünen Landesregierung. Was einst Wahlkampfthema gewesen wäre, findet selbst im langen Kapitel zur Sicherheit in NRW keinerlei Erwähnung.

Wird die Landesregierung das Thema Einbruchsbekämpfung jetzt wieder verstärkt in den Fokus nehmen? Auf Nachfrage antwortet das Innenministerium am Freitag allgemein. Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls sei "nach wie vor ein kriminalstrategischer Schwerpunkt der Polizei Nordrhein-Westfalen, da jede einzelne Straftat für die Betroffenen eine erhebliche Belastung bedeutet". Die Polizei NRW setze ihr "langfristiges Gesamtkonzept von Handlungsempfehlungen und Initiativen zu Verhütung, Erforschung und Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls seit Jahren um" und führe die polizeilichen Aktivitäten mit Nachdruck auch in diesem Deliktsbereich fort.

Informationskampagnen laufen weiter

Das Schild vom Landeskriminalamt NRW vor dem Gebäudeeingang

Ein LKA-Sprecher erläuterte das Standardprogramm: Die Polizei NRW setze ihr langfristiges Gesamtkonzept zur Einbruchverhütung fort und werde "dies auch zukünftig machen". Dazu gehörten auch Aufklärungskampagnen wie "Riegel vor! Sicher ist sicherer", die "auch im Jahr 2022 an die Bevölkerung transportiert" würde.

Verbunden damit ist das Angebot, sich von der Polizei kostenlos zum Einbruchschutz beraten zu lassen. Auf der Internetseite der Polizei NRW finde jeder die nächstgelegene polizeiliche Beratungsstelle.

Kreispolizeibehörden würden auch weiterhin "präventive und repressive Maßnahmen nach eigener Beurteilung der Lage" durchführen und so auf Fallzahlenveränderungen reagieren.

Landesweiter Aktionstag

Für das Wochenende vom 28. bis 30. Oktober seien landesweite Aktionen geplant. Kreispolizeibehörden sollen dann zum Beispiel an Informationsstände in Einkaufspassagen Beratung anbieten. Auf einer Infoseite im Netz finden Interessierte Informationen zur Sicherung gegen Wohnungseinbruch, Wertgegenstandslisten für Versicherungen und andere hilfreiche Tipps.

Weiterhin berechne das LKA regelmäßig Kriminalitätsprognosen zu Wohnungseinbrüchen, Diebstahl aus Kraftfahrzeugen und Einbruchdiebstahl aus Gewerbeobjekten und stelle sie den Polizeibehörden zur Verfügung. Daraus ergebe sich auch, in welchen Wohnquartieren der Polizeibezirke die Einbruchwahrscheinlichkeit erhöht ist.