Noch keine Selbst-Tests an Schulen: So will Ministerin Gebauer das ändern

Noch keine Selbst-Tests an Schulen: So will Ministerin Gebauer das ändern

Der Unterricht für alle Schüler hat begonnen - die Selbsttestung noch nicht. Woher sollen die Tests kommen, wie sollen sie gemacht werden? Aus dem Schulministerium gab es heute Infos.

Nach langer Pause wegen Corona hat am Montag der Wechselunterricht für alle an den NRW-Schulen begonnen. Für viele ist das ein Grund zur Sorge: Die Inzidenzen steigen. Und es fehlen die Selbst-Tests, die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im Gegenzug für den Start als Sicherheit gegen eine Infektion mit Covid-19 zugesagt hatte.

Am Freitagabend hieß es aus ihrem Ministerium, die Tests kommen am Dienstag. Nun heißt es, am Dienstag wird damit begonnen, die Test-Kits an die Schulen zu verschicken.

Nur ein Test bis zu den Osterferien

Die Ministerin hat am Montagmittag eine Schulmail verschickt, in der die Maßnahmen erklärt sind. Allerdings sollen die Selbst-Tests demnach erst ab Dienstag an die Schulen verschickt werden. Es könne bis Anfang nächster Woche dauern, bis alle Schulen ihre Test-Kits erhalten hätten, räumte Schul-Staatssekretär Mathias Richter am Montag auf einer Pressekonferenz ein.

Bis zu den Osterferien sollen alle Schülerinnen und Schüler jeweils nur einen Test bekommen - und zwar in der Woche, in der sie zum Präsenzunterricht erscheinen.

Das Land habe 1,8 Millionen Tests für die Schulen "kurzfristig" beschafft. "Darüber hinaus ist es der Landesregierung in den vergangenen Tagen gelungen, die vertraglichen und haushaltsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um weitere Selbsttests zu beziehen", erklärte Richter.

Ob die Tests wirklich ausreichen, um jeden Schüler an weiterführenden Schulen in NRW in den kommenden Wochen mindestens einmal zu testen, ist unklar. Im Schuljahr 2020/2021 gibt es nach nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts rund 2,49 Millionen Schüler und Schülerinnen an allen NRW-Schulen. Allerdings bemühe sich das Land bereits um Nachschub, hieß es am Montag.

Was tun, wenn der Test positiv ist?

Die Schüler führen den Test zu Unterrichtsbeginn selbst unter der Anleitung des Schulpersonals durch. Fällt der Test positiv aus, muss die Schulleitung Eltern oder Ausbildungsbetriebe informieren und die Betroffenen nach Hause schicken. Ob sie abgeholt werden, entscheidet die Schulleitung - im Bus sollen sie auf keinen Fall nach Hause fahren.

Keine Meldung an Behörden, aber ein PCR-Test

Dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss das Ergebnis aber nicht, heißt es ausdrücklich in der Schulmail. Es gebe auch keinen Grund, die Klasse oder sogar die Schule in dem Fall in Quarantäne zu schicken. Trotzdem muss das positive Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Wer sich nicht testen will, muss das übrigens nicht tun. Die Selbst-Tests bleiben freiwillig, den Test-Verweigerern drohen keine rechtlichen Konsequenzen .

Eltern wollen Unterricht boykottieren

Die Opposition hatte die Schulöffnungen ohne flächendeckende Tests als "verantwortungslos" bezeichnet, einige Eltern wollten ihre Kinder vom Präsenzunterricht abmelden.

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Sorge wegen steigender Inzidenzen

Auch die steigenden Inzidenzen machten den Verantwortlichen Sorgen. In Düren, Lüdenscheid, Halver und Iserlohn hatten die Bürgermeister Bedenken, den Wechselunterricht in weiterführenden Schulen ab Montag starten zu lassen und haben sich mit einem Schreiben an die Schulministerin gewandt.

In dem Brief äußern sie ihre Sorge darüber, dass in ihren Städten trotz hoher Inzidenzen bei einem Wert um 150 alle Schulformen und -klassen geöffnet werden. "Wir können uns nicht vorstellen, dass das bei den hohen Inzidenz-Zahlen nicht in einer Katastrophe endet", meint auch Paula Schöller, Schülerin aus Düren.

Möglichkeit "schulscharfer" Maßnahmen

"Wir müssen uns das weitere Infektionsgeschehen anschauen", und dann gegebenenfalls über weitere Maßnahmen neu reden, sagte Staatssekretär Richter. Es gebe auch die Möglichkeit, bestimmte Beschlüsse "für einzelne Kreise oder Städte zu treffen", ebenso "schulscharfe" Maßnahmen, die bei Bedarf durch die örtlichen Gesundheitsämter angeordnet werden könnten.

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Bergisch Gladbach nutzt Tests aus Lagerbeständen

Lieferung der Selbsttests Bergisch Gladbach

Die Lieferung der Selbsttests für Bergisch Gladbacher Schulen

Manche Schulen hatten schon am Montag eigenständig zu testen begonnen. Das hatte auch die Stadt Bergisch Gladbach vor: Bürgermeister Frank Stein sagte, dass 17.000 Spucktests für Schüler, Lehrer, OGS-Mitarbeiter und sonstiges Personal aller 34 städtischen Schulen - einschließlich der Grundschulen - zur Verfügung stehen. Die Schnelltests in Bergisch Gladbach kommen aus dem Lagerbestand der Stadt und waren eigentlich für spätere Testungen von Verwaltungsmitarbeitern vorgesehen.

Gewerkschaft: Schulen haben noch viele Fragen

Maike Finnern, die Vorsitzende der Gewerkschaft GEW berichtet, die Verunsicherung an den Schulen sei groß: "In einigen Firmen sind Schulungsmobile vorbeigekommen und haben den Beschäftigten gezeigt, was bei den Tests wichtig ist." Lehrer und Lehrerinnen hätten solche Schulungen noch nicht bekommen, wüssten nicht, wie sie eine ganze Schulklasse beim Test beaufsichtigen sollen und was passiert, wenn ein Test positiv ausfällt.

Fraglich ist, wie viele Schüler und Schülerinnen sich tatsächlich selbst testen werden, solange die Tests nur freiwillig sind: In vielen Pflegeheimen wurden freiwillige Tests von Besuchern nicht gut angenommen, bis sie vielerorts Pflicht wurden.

Stand: 16.03.2021, 10:36