Kommentar: Die Strafe für "Masken-Muffel" ist Unsinn

Eine Frau steht mit Mund- und Nasenschutz bedeckt in einer S-Bahn

Kommentar: Die Strafe für "Masken-Muffel" ist Unsinn

Von Daniela Junghans

Hart durchgreifen gegen "Masken-Muffel" im ÖPNV - wer in Zukunft ohne Maske Bahn fährt, muss 150€ zahlen. Klingt erstmal gut, ist aber Unsinn. Ein Kommentar.

Maske auf oder 150 Euro! Das klingt doch gut, oder? So einfach und verständlich. Nur: ist es auch richtig und sinnvoll? Ich glaube nicht! Und das aus mehreren Gründen:

Daniela Junghans

Daniela Junghans, WDR Landespolitik

Wer ein Verbot ausspricht, verbunden mit einer angedrohten Strafe, der muss dafür sorgen, dass ein Verstoß auch wirklich sanktioniert wird. Und wie soll das gehen im Fall der Bußgelder fürs Maske-weglassen im ÖPNV? Um das konsequent zu ahnden, müsste in jedem Bus, jeder Bahn ein Kontrolleur unterwegs sein: einer, der die Personalien von Fahrgästen ohne Maske aufschreibt, Bußgelder verteilt und am besten auch noch kontrolliert, ob der Betreffende vielleicht eine Ausnahmegenehmigung hat, also aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen muss.

Klingt immer noch einfach? Tja, nur darf der Kontrolleur gar keine Bußgelder verteilen. Das dürfen nur Vertreter des Staates. Sollen also demnächst Polizisten oder Ordnungsamts-Mitarbeiter bei jeder Kontrolle dabei sein? Ernsthaft?

Wann wird sanktioniert?

Und wenn wir das mal weiterdenken: Was soll denn genau sanktioniert werden? Nur das absichtliche Weglassen der Maske? Was ist mit der etwas tüddeligen älteren Dame, die die Maske zwar in ihrer Tasche trägt, aber vergessen hat, sie aufzusetzen? Was ist mit dem Familienpapa, dem sie beim Spielen mit dem Kind im Bus unter die Nase gerutscht ist? Was ist mit Menschen, die ihre Maske falsch herum aufgesetzt haben oder einen viel zu dünnen Stoff verwenden? Sollen die alle demnächst 150 Euro zahlen? Ohne Vorwarnung?

Kampagne für den ÖPNV startet

WDR 5 Westblick - aktuell 29.07.2020 05:13 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 WDR 5

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Zivilcourage statt Strafe

Nein, nicht jedes Problem lässt sich durch Sanktionen lösen. Meist ist das auch gar nicht nötig. Wenn ich in Düsseldorf mit der Straßenbahn fahre, dann trägt die große Mehrheit der Menschen eine Maske. Selbst die, denen man anmerkt, dass sie darauf wenig Lust haben, die schwitzen und die Haltestellen zählen, bis sie wieder aussteigen und besser atmen können. Und wer mal seine Maske nicht dabei oder unterm Kinn hängend vergessen hat, wird zumindest böse angeschaut, wenn nicht ziemlich deutlich von den Umstehenden ermahnt. Das sollte reichen, finde ich.

Und wenn sich jemand wirklich nachhaltig weigert, eine Maske zu tragen – ja dann können ihn die Kontrolleure problemlos an der nächsten Haltestelle vor die Tür setzen. Denn das dürfen sie – qua Hausrecht!

Stand: 05.08.2020, 17:42