Klimawandel und Hautkrebs: Warum Städte mehr Schatten brauchen

Stand: 23.07.2022, 17:41 Uhr

Angesichts des Klimawandels fordert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mehr Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Stadtplaner und Architekten sollen mehr Schattenplätze schaffen - als Vorbeugung gegen Hautkrebs.

Gegründet wurde das Bundesamt für Strahlenschutz als Reaktion auf den Reaktorunfall von Tschernobyl - doch der Schutz der Bevölkerung vor radioaktiver Strahlung ist nur eine ihrer Aufgaben. "Die Gesundheitsrisiken durch UV-Strahlung dürfen in der Klimakrise nicht unterschätzt werden", sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini am Samstag den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der Klimawandel habe Deutschland längst erreicht, erklärte Paulini weiter: "2022 ist im Begriff, eines der sonnigsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Auch die Anzahl der Sonnenscheinstunden nahm nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes im Mittel zwischen 1951 und 2021 um 132 Stunden zu."

Gleichzeitig steige die Belastung der Bevölkerung durch schädliche UV-Strahlung. Seit dem Jahr 2000 habe sich die Zahl derjenigen, die an Hautkrebs erkrankt sind, mehr als verdoppelt, so Paulini. Mit weit mehr als 200.000 neuen Fällen pro Jahr zählt Hautkrebs laut Robert Koch-Institut zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland.

Was können Stadtplaner und Architekten tun, um das Risiko für die Bevölkerung zu verringern? Und wie schützt man sich persönlich? Fragen und Antworten.

Warum ist zu viel UV-Strahlung schädlich?

Längere ungeschützte Aufenthalte in der Sonne, Sonnenbrände besonders in der Kindheit und Jugend erhöhen nachweislich die Gefahr, im Lauf des Lebens an Hautkrebs zu erkranken. Doch wie eine aktuelle Umfrage der Krankenkasse AOK zeigt, ist Gefahr durch UV-Strahlung längst nicht allen bewusst.

Weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent) meidet demnach lange Aufenthalte in der Sonne, nur rund ein Drittel (37 Prozent) meidet die besonders UV-intensive Mittagssonne. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) verwendet Sonnencreme allenfalls zu besonderen Gelegenheiten wie im Urlaub oder im Freibad.

Hautärzte fordern deshalb mehr Aufklärungskampagnen zu den Risiken von UV-Strahlung. Sonnenschutzmittel sollten unabhängig vom Hauttyp verwendet werden - und zwar mindestens mit Lichtschutzfaktor 30. Auch Kleidung schütze die Haut, doch nicht jeder Stoff sei gleich gut geeignet: Ein dünnes weißes Baumwoll-Shirt etwa entspricht maximal Lichtschutzfaktor 4. Besser geeignet seien Textilien mit UV-Schutz (UPF 30 und höher) oder dem Prüfsiegel UV Standard 801. Außerdem empfehlen Ärzte an Sommertagen einen Kopfschutz - zum Beispiel einen Hut mit breiter Krempe.

Wie können sich Städte vorbereiten?

Das BfS fordert von Kommunen, mehr "Schattenoasen" in Städten und Gemeinden zu schaffen. "Es ist wünschenswert, dass etwa Schulen und Freibäder, aber auch Kitas ihre Außenflächen mit Sonnensegeln oder anderen Schattenspendern versehen", sagte BfS-Präsidentin Paulini. Besonders wichtig seien ausreichend große Schattenzonen auf Spielplätzen.

Auf lange Sicht müssten auch mehr Flächen entsiegelt werden, heißt es weiter. Mehr Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern seien nicht nur gut für das Stadtklima, sondern spendeten auch Schatten. Bei einer Neugestaltung von Plätzen können sich Stadtplaner auch an der südeuropäischen Architektur orientieren: Arkaden und Kolonnaden, die man in vielen italienischen Städten findet, sind eine Möglichkeit, ganze Plätze und Straßenzüge vor der Sonneneinstrahlung zu schützen.

Sonnenschutz für Städte

Wie können sich Städte in Zukunft gegen zu starke UV-Strahlung schützen? Beispiele aus NRW, Deutschland und anderswo.

Ein Bürogebäude mit Grünfassade in Düsseldorf

Eine der größten Grünfassaden Europas ist mitten in Düsseldorf entstanden: Auf Dach und Schrägmauern der Geschäfts- und Büro-Anlage "Kö-Bogen 2" wachsen 30.000 junge Hainbuchen.

Eine der größten Grünfassaden Europas ist mitten in Düsseldorf entstanden: Auf Dach und Schrägmauern der Geschäfts- und Büro-Anlage "Kö-Bogen 2" wachsen 30.000 junge Hainbuchen.

Stadtbäume sind wohl der wichtigste Schattenspender in Großstädten. In Köln sorgen auch Anwohner dafür, dass sie bei Dürre nicht verdursten.

Sonnensegel wie hier in Leverkusen könnten auf größeren Plätzen für Schatten sorgen - ohne größeren Aufwand.

Dieser Berliner Dachgarten sieht nicht nur schön aus und verbessert das Klima. Auch Heizkosten werden durch die zusätzliche Dämmung gespart.

Frankfurt am Main ist besonders eng bebaut: Mit Urban-Gardening-Projekten wie hier im Stadtteil Gallus haben Freiwillige eine grüne Oase geschaffen - mitten im Asphalt-Dschungel.

Italienisches Flair versprühen die Kolonnaden am Prinzipalmarkt in Münster. An heißen Tagen sind sie auch ein schattiger und kühler Zufluchtsort.

Auch eine Option für deutsche Innenstädte? Auf der Expo 2020 in Dubai sorgten Schattenspender zwischen den Pavillons für Erleichterung bei Temperaturen weit über 40 Grad.

Was ist bei Neubauten zu beachten?

Bei der Planung neuer Gebäude sollte der Sonnenschutz eine wichtigere Rolle spielen als bisher: Dabei sollten Architekten auch das Umfeld des Gebäudes stärker in ihre Überlegungen einbeziehen. Insbesondere die Wahl der Baumaterialien spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie sollten möglichst wenig UV-Strahlung reflektieren. Auch begrünte Dächer oder Fassaden können zusätzlichen Schatten spenden und gleichzeitig den Hitzestau in Städten reduzieren.

Über dieses Thema berichten wir auch am Samstag ab 18.45 Uhr in der "Aktuellen Stunde" im WDR-Fernsehen.

Hitze und Dürre: Wie wir uns dem Klimawandel anpassen

Quarks Folge 22 24.09.2019 44:35 Min. UT DGS Verfügbar bis 24.09.2024 WDR

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