Internationaler Karlspreis für Selenskyj und das ukrainische Volk

Stand: 16.12.2022, 19:03 Uhr

Der Internationale Karlspreis zu Aachen geht im nächsten Jahr an den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und an das ukrainische Volk. Das hat das Karlspreisdirektorium am Freitag bekanntgegeben. 

In seiner Begründung sagt das Karlspreisdirektorium, der brutale russische Angriffskrieg richte sich gegen Freiheit und Demokratie. Das ukrainische Volk verteidige nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger, sondern auch Europa und europäische Werte. Das verdiene größte Anerkennung. 

Selenskyj als „Aufrüttler“ und „Vorbild“

Mehrere Personen sitzen an einem weißem Pult mit Mikrofonen. Hinter ihnen eine Wand mit gelber Silhouette von Aachen und einem Bildschirm, auf dem ein Mann vor eine Ukraine-Flagge zu sehen ist.

Pressekonferenz zum Karlspreis mit ukrainischem Botschafter Oleksii Makeiev

Selenskyj, so das Karlspreisdirektorium, sei Halt und Vorbild für sein Volk, aber auch für alle Europäer, die sich auf europäische Ideale besinnen. Der studierte Jurist, ehemalige Schauspieler und Vater zweier Kinder stehe gegen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und für das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil der europäischen Völkerfamilie ist. Für den Karlspreis und die vielen Menschen aus der Ukraine in Aachen bedeute der Preis sehr viel, "da er den anhaltenden Freiheitskampf in den Mittelpunkt rückt", sagte Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen bei der Bekanntgabe.

„Ukraine ist Teil Europas“

Das Karlspreisdirektorium will mit der Auszeichnung unterstreichen, dass die Ukraine, wie es in der Begründung heißt, „Teil Europas ist und die Bevölkerung und ihre Regierungsvertreter, an der Spitze Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Werte vertreten und deshalb die Ermutigung verdienen, rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen.“ Ursula von der Leyen habe ihn zu Recht mit den Worten charakterisiert: „Sie sind einer von uns. Wir wollen Sie drin haben.“

Internationaler Karlspreis für Selenskyj und das ukrainische Volk

03:20 Min. Verfügbar bis 16.12.2023


Dass die Wahl für den Karlspreis 2023 auf Selenskyj gefallen ist, kommt nicht ganz überraschend. Eine Gruppe von rund 140 Europa-Parlamentariern hatte bereits im vergangenen Frühjahr einen Sonderkarlspreis für Selenskyj und das ukrainische Volk vorgeschlagen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst gratulierte mit den Worten, der Karlspreis 2023 sei "ein klares Signal in Zeiten des Krieges. Mit dem Karlspreis macht das demokratische Europa deutlich: Wir stehen an Eurer Seite!".

Ukrainischer Botschafter war zugeschaltet

Per Video zugeschaltet war heute bei der Bekanntgabe des Preisträgers in Aachen auch der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev. Er sagte, die Auszeichnung sei ein wichtiges Zeichen der Unterstützung und der Solidarität. "Die Entscheidung, den Karlspreis an Selenskij und das ukrainische Volk zu verleihen,  ermutigt uns in unserem Kampf um demokratische und europäische Werte. Wir müssen leider feststellen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt , er muss erkämpft werden", so Makeiev. 

Die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen dankte dem Botschafter und dem ukrainischen Volk, welches für Europa so viel Leid und Schmerz auf sich nehme.

Verleihung an Christi Himmelfahrt 

Der Aachener Karlspreis soll – wenn möglich – wieder im Mai am Himmelfahrtstag verliehen werden, sagte die Aachener Oberbürgermeisterin. "Nun sind wir immer noch im Krieg und müssen schauen, wie wir diese Verleihung in die Kriegssituation einbetten und das werden wir eng abstimmen mit den Verantwortlichen in der Ukraine", so Keupen. Sowohl das Format der Veranstaltung als auch der Zeitpunkt hänge von der dann vorliegenden Kriegslage und den entsprechenden Sicherheitskonzeptionen ab, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden. Er gehe aber davon aus, dass die Planungen in den ersten Wochen des neuen Jahres konkretisiert werden könnten.

Karlspreisverleihung seit 1950

Mit dem Karlspreis werden seit 1950 Personen und Institutionen gewürdigt, die sich in besonderem Maße um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Dieses Jahr waren die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja, Veronika Tsepkalo und Maria Kolesnikowa ausgezeichnet worden für ihren mutigen Einsatz gegen brutale staatliche Willkür, Folter und Unterdrückung und für Demokratie und Menschenrechte. 

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