"Impf-Vordrängler" sorgen für Ärger

Symbolbild: Corona-Impfung, Einwegspritze mit Injektionsflüssigkeit, im Hintergrund Mundschutz

"Impf-Vordrängler" sorgen für Ärger

Derzeit sollen in NRW eigentlich die über 80-Jährigen und Rettungs- und Pflegekräfte geimpft werden. Dennoch werden teils auch Personen geimpft, die eigentlich noch nicht dran sind, etwa Bürgermeister.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass bei den Einsätzen der Impfteams Impfdosen übrig bleiben, sagt Propser Rodewyk von der kassenärztlichen Vereinigung in Dortmund: "Die Heime melden drei, vier Tage vor dem Termin die Zahl der Impfungen. Dann kann es aber sein, dass ein Patient verstirbt, dass einer ins Krankenhaus kommt oder es sich doch anders überlegt. Genauso bei den Mitarbeitern. Dadurch kann es zu Überständen kommen."

Impfreste sind normal

Zwei bis vier nicht verimpfte Impfdosen, das sei ganz normal, so Rodewyk. Hin und wieder würden aber auch ganze Fläschchen übrig bleiben. Dann müssen die Ärzte zusehen, den Impfstoff anderweitig zu verwenden. Denn einmal verdünnt und aufgetaut ist der Impfstoff von Biontech maximal sechs Stunden haltbar. Danach darf er nicht mehr verimpft werden, weil nicht gewährleistet werden kann, dass er noch wirkt.

Die Impfteams haben deswegen immer eine Liste möglicher Ersatzimpfkandidaten dabei, so Rodewyk: "Dann ruft man den Rettungsdienst an und sagt, es sollen zehn Leute kommen. Oder man hat sich mit Pflegediensten kurzgeschlossen, die auch in der obersten Prioritätsstufe stehen und ruft die dann an."

Nicht überall wurde nach Priorität geimpft

Doch nicht in allen Fällen wurde übrig gebliebener Impfstoff offenbar strikt nach der Prioritätenliste verimpft. In Hennef und Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis zum Beispiel wurde jeweils der Bürgermeister geimpft, dazu weitere Personen, die nicht zur Kategorie eins gehören.

Der Hennefer Bürgermeister Mario Dahm (SPD) ist erst 31 und verteidigt seine Impfung: "Es waren 28 Impfdosen übrig. Die kassenärztliche Vereinigung hat uns dann gebeten, Leute zum Impfen zu schicken. Wir mussten hier vor Ort sehr kurzfristig entscheiden, damit der Impfstoff nicht weggeschmissen wird."

Anzeige gegen Hennefer Bürgermeister

Der Siegburger Orthopäde Frank Schmähling hat sich maßlos über diese Entscheidung geärgert und Anzeige gegen Mario Dahm erstattet, wegen unterlassener Hilfeleistung: "Weil er ganz einfach hätte sagen können, die übrig gebliebenen Impfdosen geben wir in das 200 Meter weiter weg gelegene Seniorenheim." Allerdings darf der Impfstoff, wenn er verdünnt wurde, nicht mehr transportiert werden.

Das Problem könnte genauso auch mit dem Moderna-Impfstoff auftreten, der aktuell lediglich in den Kliniken verimpft wird, glaubt der Immunologe Carsten Watzl von der TU Dortmund: "Auch der ist nur sechs Stunden haltbar. Und in einer Flasche sind zehn Dosen enthalten. Da kann es natürlich auch sein, dass etwas übrig bleibt."

Stand: 28.01.2021, 18:55

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