Globuli, die aus einer Flasche kullern.

Homöopathie: Lauterbach will Förderung durch Krankenkassen streichen

Stand: 06.10.2022, 16:35 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will, dass gesetzliche Krankenkassen homöopathische Behandlungen nicht mehr erstatten. Grund: Keine Belege für ihre Wirksamkeit.

"Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz", sagte Lauterbach dem "Spiegel" am Donnerstag. "Deshalb werden wir prüfen, ob die Homöopathie als Satzungsleistung gestrichen werden kann.

Karl Lauterbach

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Die Krankenkassen bieten über ihre gesetzlichen Regelleistungen hinaus sogenannte Satzungsleistungen an, mit denen sie um Kunden werben. Dazu zählen bei vielen Kassen auch homöopathische Arzneimittel. Die Satzungsleistungen werden durch die Beiträge aller Kunden bezahlt. Weil es nach wie vor keine anerkannten, wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit gibt, ist die Finanzierung der Mittel hoch umstritten.

Weniger Verschreibungen seit 2020

Das Bundesgesundheitsministerium verweist in diesem Zusammenhang auf den Trend der vergangenen Jahre: Laut Daten des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie seien sowohl die Verordnungen als auch die Umsätze für homöopathische Präparate in der gesetzlichen Krankenversicherung rückläufig. Während die Kassen 2019 noch knapp neun Millionen Euro für homöopathische Leistungen wie Anamnese und Arzneimittel ausgaben, waren es 2020 nur noch 6,7 Millionen Euro.

Lauterbach hatte dieses Fördersystem als Bundestagsabgeordneter wiederholt scharf kritisiert. Bereits 2019 hatte er gefordert, den Krankenkassen die Mitfinanzierung von Homöopathie zu verbieten.

Mit Widerstand ist aus den Reihen der Grünen zu rechnen, die in Sachen Homöopathie zerstritten sind. Aus der FDP kommen dagegen gleichfalls Forderungen, homöopathische Mittel künftig nicht mehr von den gesetzlichen Kassen bezahlen zu lassen.

Homöopathie

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Die Homöopathie beruht auf einer Idee des Arztes Samuel Hahnemann aus dem Jahr 1796. Hahnemann glaubte an das sogenannte "Ähnlichkeitsprinzip": Ihm zufolge sollten Krankheiten mit extrem niedrig dosierten Wirkstoffen behandelt werden, die in höherer Konzentration bei Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen wie die Krankheit selbst.

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Zahlreiche Studien haben sich bereits mit einer möglichen Wirkung der homöopathischen Mittel beschäftigt. Und auch wenn vereinzelt positive Effekte entdeckt wurden, ist die Studienlage insgesamt eindeutig. Bereits 1997 kam eine ausführliche Metastudie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Lancet", zu dem Ergebnis, dass es keine Hinweise für die Wirksamkeit von Homöopathie bei körperlichen Beschwerden gibt.

Hochemotionale Diskussion

Die Diskussion um Wirksamkeit oder Nicht-Wirksamkeit der Homöopathie ist dennoch nie verstummt. "Wer heilt, hat Recht", sagen Anhänger dieser Medizinphilosophie und verweisen auf angeblich zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen sollen. Gegner erklären solche Ergebnisse mit methodischen Fehlern und dem Placebo-Effekt.

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