Fahrradfahrer fahren an abgestorbene Fichten im Harz vorbei. Hitze, Trockenheit, Stuerme, Borkenkaefer und der Klimawandel haben die deutschen Waelder stark beschaedigt.

Braune Wiesen, tote Bäume: Die Trockenheit setzt der Natur heftig zu

Stand: 18.07.2022, 12:34 Uhr

Es ist trocken und heiß in NRW - und die Folgen davon bereits sichtbar: Bäche sind ausgetrocknet, Wiesen braun. Was bedeuten die Temperaturen für unsere Wälder, Ernten und Wasser-Reserven?

Von Claudia Wiggenbröker

Es wird heiß in NRW: Die Temperaturen können diese Woche auf bis zu 40 Grad steigen. Gleichzeitig ist es viel zu trocken - und die Folgen davon sind bereits sichtbar: Wiesen sind braun, Bäche ausgetrocknet. Bäume leiden, die Waldbrandgefahr ist hoch. Und Bauern fürchten um ihre Ernte.

Bauern sorgen sich um Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln

Für die Landwirtschaft ist die andauernde Trockenheit ein Problem. Die Bauernverbände im Rheinland und Westfalen-Lippe machen sich vor allem Sorgen um den Mais, die Zuckerrüben und Kartoffeln - falls nicht mehr Regen fällt. Vor allem der Mais sei wichtig für die Landwirte, für Biogasanlagen und für Rinder- und Schweinefutter.

Immerhin: Mit der Getreideernte ist man zufrieden. Die Wintergerste habe dem Trockenheits- und Hitzestress getrotzt.

Böden vor allem in der Tiefe trocken

Für die Pflanzen bedeutet Wassermangel in der Regel akuten Stress. Besonders Bäume mit ihren tiefen Wurzeln leiden: Sie ziehen ihr Wasser aus bis zu 1,80 Metern Tiefe. Doch je tiefer die Erdschicht, desto trockener wird es. Das macht den NRW-Wäldern zu schaffen.

Seit 2018 sind durch Dürre, Sturmschäden und Borkenkäferbefall mehr als ein Zehntel der Bäume abgestorben, sagt der Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, Friedrich Louen.

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Das hat auch Nachteile für unsere Anpassung an den Klimawandel. Denn Pflanzen, insbesondere großen Bäume, nehmen Kohlenstoff als CO2 aus der Atmosphäre auf und binden ihn langfristig. Sterben die Bäume und Wälder aber ab, können sie diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Und: Sie setzen sogar zusätzlich Kohlenstoff frei, wenn sie verrotten.

Louen sagt: Für die Akutversorgung der Bäume und für das Auffüllen der Wasserreserven im Wald sei man dankbar "für jeden Tropfen Wasser, der nicht als Starkregen herunterkommt".

Höhere Temperaturen: "Es gibt Grenzen der Anpassung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 16.07.2022 07:03 Min. Verfügbar bis 16.07.2023 WDR 5


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Gewitter helfen kaum gegen Trockenheit

Denn kräftige Gewitter, wie im Mai, helfen den Wäldern wenig. Sie sorgen für Überschwemmungen - aber nicht für Grundwasser, welches durch das Versickern von Niederschlägen im Boden gebildet wird.

Die Böden können Wasser besser aufnehmen, wenn es langsam, wie bei einem leichten, kontinuierlichen Regen darauf tröpfelt. Bei Starkregen kommt das Wasser dagegen abrupt und in hoher Dosis auf dem Boden an. Deshalb kann es schlechter versickern. Der Wasserforscher Andreas Hartmann zieht hier den Vergleich zu einem Schwamm: "Der kann auch nur begrenzt Wasser auf einmal speichern."

Statt zu versickern, fließt das Wasser über Bäche und Flüsse ab – also dorthin, wo es weder Pflanzen noch der Grundwassererneuerung etwas nützt. Im Extremfall sorgt der Regen noch für Überflutungen. Um die Grundwasserspeicher zu erneuern, müsste es "wigentlich müsste es mehrere Jahre in Folge regnen", sagt Hartmann. "Und zwar gleichmäßig und zum richtigen Zeitpunkt." Denn fällt der Regen im heißen Sommer, verdunstet er oftmals, bevor er versickern kann.

NRW-Regionen verbieten Wasserentnahme aus Teichen

Durch den niedrigen Wasserstand ist das Ufer des Rheines erweitert.

Eine Aufnahme des Rheins Mitte Juli

Besonders eng wird es, wenn in besonders trockenen Phasen Wasser aus Flüssen oder Teichen entnommen wird. Einige NRW-Regionen, beispielsweise der Kreis Borken, haben das bereits verboten. Verstöße können teuer werden: Bis zu 50.000 Euro drohen, wenn jemand mehrfach erwischt wird. Auch wenn die Verantwortlichen des Kreises wissen, dass ein Wasser-Entnahmeverbot für die Landwirtschaft ein harter Einschnitt ist.

Zwar gebe es in Deutschland große Reserven an Grundwasser, sagt Wasserforscher Hartmann. "Aber wenn wir uns daran bedienen, geht das auf Kosten zukünftiger Generationen. Generationen, die bereits geboren sind." Er mahnt, dass das Grundwasserproblem neben dem Klima ein weiterer Generationenkonflikt ist.

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Haben wir denn genug Trinkwasser für den Sommer?

Die Trinkwasserversorgung für den Sommer ist in NRW trotz der anhaltenden Hitze gesichert. Die Füllstände der Talsperren seien ausreichend, sagt die Geschäftsführerin der NRW-Wasserwirtschaftsverbände, Jennifer Schäfer-Sack. Dass die meisten Talsperren derzeit deutlich mehr Wasser abgäben als zufließe, sei jahreszeitlich bedingt und normal. Dennoch gelte, dass mit Trinkwasser sparsam umgegangen werden solle.

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