Europawahl in NRW | sv

00:42 Min. Verfügbar bis 09.06.2026

Europawahl 2024: Deutschland hat gewählt

Stand: 09.06.2024, 18:03 Uhr

Heute wurde in Deutschland das EU-Parlament gewählt. Die Wahllokale sind nun geschlossen. Die Wahlurnen standen teilweise an ungewöhnlichen Orten. Die wichtigsten Infos im Überblick.

Europawahl ist alle fünf Jahre - heute ist es so weit: Die Wahlberechtigten in Deutschland haben das Europaparlament gewählt. Jede deutsche Staatsbürgerin und jeder deutsche Staatsbürger hatte eine Stimme. Denn anders als zum Beispiel bei einer Bundestagswahl werden bei der Europawahl keine Direktkandidaten gewählt. Die Wahllokale sind nun geschlossen.

In NRW zeichnet sich bislang hohe Wahlbeteiligung ab

In NRW deutet sich eine hohe Beteiligung an der Europawahl 2024 an. Bis 14 Uhr gaben in acht ausgewählten Kreisen und kreisfreien Städten im Durchschnitt knapp 45 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme ab, wie Landeswahlleiterin Monika Wißmann in Düsseldorf mitteilte. Im Vergleich zur Europawahl im Mai 2019 sei damit die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt tendenziell höher gewesen. 

Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst gibt zusammen mit Ehefrau Katharina  in einem Wahllokal in Rhede seine Stimme ab.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst im Wahllokal

In Rhede hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zusammen mit seiner Frau seine Stimme abgegeben. NRW profitiere von der EU mit vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen. Eine halbe Million Arbeitsplätze seien gefährdet, wenn die europäische Einigung Schaden nehme. "Diese Europawahl ist mehr als jemals zuvor eine Weichenstellung für unseren Kontinent, für die demokratische Zukunft auf diesem Kontinent. Wir haben fast acht Jahrzehnte Frieden in Freiheit durch die europäische Integration, durch die immer bessere und stärkere Zusammenarbeit der europäischen Völker", sagte der CDU-Politiker.

Wahl an ungewöhnlichen Orten

Teilweise standen die Urnen in NRW an eher ungewöhnlichen Orten. In Bottrop wurde zum Beispiel im Malakoff-Turm der ehemaligen Zeche Prosper II gewählt. In Köln diente ein Gartencenter als offizielles Wahllokal. Die Wähler machten ihr Kreuz zwischen Kübelpflanzen und Gartenmöbeln.

Schreckmomente in Essen und Bottrop

Einen kurzen Schreckmoment gab es am Wahltag in Essen: In einem Wahllokal in einem Pflegeheim waren Helfer am Morgen zunächst nicht an die Wahlurne gekommen. Die hatten sich in einem abgeschlossenen Raum befunden und niemand der Anwesenden hatte einen Schlüssel, bestätigte der Leiter des Wahlamtes. Wahlurne und Unterlagen seien schließlich nachgeliefert worden.

In Bottrop musste der Wahlraum in einer Kita ins Foyer verlegt werden, nachdem dort in der Nacht eingebrochen wurde. In der Nacht zu Sonntag war dort noch die Spurensicherung im Einsatz.

16-Jährige durften auch abstimmen

Erstmals durfen in Deutschland auch 16-Jährige abstimmen. Deshalb gab es etwa 65 Millionen Wahlberechtigte - 2019 waren es nur 61,5. In NRW waren insgesamt 13,8 Millionen Menschen wahlberechtigt, sagt das Landesinnenministerium. 1,1 Millionen von ihnen sind Erstwähler - 300.000 davon unter 18 Jahre.

Freiwillige sortieren Stimmabgaben

Freiwillige sortieren in Köln Stimmabgaben

Studien zufolge hatten Erstwähler ein großes Interesse an Europa. In der Eurobarometer-Umfrage des Europäischen Parlaments etwa gaben 91 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, dass die Teilnahme an den Europawahlen für sie wichtig sei. Insgesamt waren etwa 350 Millionen Bürgerinnen und EU-Bürger aus 27 EU-Ländern dazu aufgerufen, ein neues Europäisches Parlament zu wählen.

Deutschland stellt die meisten Abgeordneten

Deutschland ist das Land mit den meisten Wahlberechtigten in der EU. Es stellt als das bevölkerungsreichste Land auch die meisten Abgeordneten - 96. Insgesamt werden 720 Abgeordnete gewählt. Das sind weniger Politikerinnen und Politiker als bei der vergangenen Wahl - das hat aber mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU zu tun. Geredet wird im Europäischen Parlament übrigens in bis zu 24 Amts- und Arbeitssprachen.

34 Parteien auf dem Stimmzettel

Der Sitzungssaal des EU-Parlamentes in Straßburg

Ein riesiger Sitzungssaal: Das EU-Parlament

Der Bundeswahlausschuss hatte 35 Parteien und politische Vereinigungen zur Wahl zugelassen - 33 traten bundesweit an. Dazu kommt die CDU in allen Bundesländern außer Bayern und die CSU, die nur in Bayern antritt. In Deutschland standen also in jedem Bundesland jeweils 34 Parteien auf dem Stimmzettel.

Anders als bei Bundes- und Landtagswahlen gibt es in Deutschland für die Europawahl noch keine Sperrklausel, die sogenannte Fünf-Prozent-Hürde. Deshalb werden vermutlich auch kleinere Parteien Sitze im EU-Parlament erobern.

Das wichtigste Thema: Sicherung von Frieden

Das Thema, das bei der Wahlentscheidung der Menschen in Deutschland die größte Rolle spielt, ist laut der Umfrage "die Sicherung von Frieden". An zweiter Stelle folgt soziale Sicherheit (23 Prozent), an dritter Stelle mit 17 Prozent Zuwanderung. Das wichtigste Thema aus dem Jahr 2019 - Klima- und Umweltschutz - wird aktuell nur von 14 Prozent genannt. 13 Prozent sagen, dass das Thema Wirtschaftswachstum für ihre Wahlentscheidung die größte Rolle spiele.

Im Vorfeld der Wahl gab es viele Kampagnen, die auf die Bedeutung der Wahl für Europa und Demokratie aufmerksam machen wollten. Der überparteiliche Wahlaufruf des Europäischen Parlaments hatte das Motto:

"Nutze deine Stimme. Sonst entscheiden andere für dich." Europäische Parlament

Wen wählen? Der Wahl-O-Mat hilft

Wer noch nicht weiß, wen er wählen soll, kann den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung nutzen. Dort gibt es 38 Fragen aus verschiedenen Politik-Bereichen. So ist es möglich, die eigenen Positionen mit denen der Parteien abzugleichen. Der Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, Thomas Krüger, sagte am Samstag im rbb24 Inforadio, es hätten schon mehr als 12 Millionen Nutzer den Wahl-O-mat genutzt. "Das ist ein erstaunlicher Anstieg gegenüber den letzten Europawahlen, wo wir knapp 10 Millionen Nutzungen hatten."

Wahlzettel verloren - was tun?

Wahlberechtigte, die ihre Wahlbenachrichtigung verlegt oder verloren haben, können trotzdem heute, am 9. Juni 2024, wählen. Wie die Bundeswahlleiterin mitteilt, müssen sie dafür im Wählerverzeichnis ihres Wahlbezirks eingetragen sein. Wurde eine Wahlbenachrichtigung zugestellt, ist dies der Fall. Im zuständigen Wahlraum müssen sich die Wahlberechtigten mit ihrem Personalausweis oder Reisepass ausweisen. Auch das ist zwischen 8 und 18 Uhr heute am Wahlsonntag möglich.

Wann gibt es Ergebnisse zur Europawahl?

Wenn die Wahllokale schließen, wird es spannend: Punkt 18 Uhr wird zunächst die Prognose für Deutschland veröffentlicht, die auf Befragung von Wählern nach dem Urnengang beruht. Der WDR veröffentlicht zudem eine Prognose für NRW. Wenig später werden die ersten Hochrechnungen für Deutschland und NRW erwartet. Je mehr Stimmen im Laufe des Abends ausgewertet sind, desto präziser werden die Hochrechnungen.

Vorläufige Ergebnisse dürfen erst dann bekannt gemacht werden, wenn in allen EU-Staaten die Wahllokale geschlossen sind. Die letzten Wahllokale schließen um 23 Uhr in Italien. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird voraussichtlich in den frühen Morgenstunden am Montag (10. Juni) bekannt gegeben.

Die EU-Wahl im WDR

Der WDR begleitet die Europawahl am 9. Juni im Netz, in den sozialen Netzwerke, im Hörfunk und Fernsehen. Es gibt Hochrechnungen, Analysen, Berichte, Interviews und natürlich auch Ergebnisse - und zwar unter anderem hier:

Online:

WDR-Fernsehen:

  • Aktuelle Stunde ab 18.45 Uhr
  • WDR extra zur Wahl 21.50 Uhr - 22.20 Uhr

Radio:

  • WDR 5: ARD Wahl aktuell — Europa hat gewählt, 17.55 Uhr - 22 Uhr
  • WDR 2: Europa hat gewählt, ab 20 Uhr

ARD Fernsehen:

  • Europawahl 2024, 17:30 Uhr - 20 Uhr
  • Das Erste: Europawahl 2024, 23.20 Uhr - 00.20 Uhr

Unsere Quellen:

  • Informationen der Bundeswahlleiterin
  • Informationen des Landesinnenministeriums NRW
  • Website zur Europawahl 2024 des Europäischen Parlaments
  • FAQ zur Europawahl 2024 - Bundesregierung.de
  • Information der Nachrichtenagenturen dpa, reuters und AFP