Bäume, Tänze, Feuer: Woher kommen die Bräuche zum 1. Mai?

Stand: 30.04.2022, 17:22 Uhr

Zum 1. Mai tanzen die Hexen ums Feuer. Im Rheinland schmücken Junggesellen Bäume für die Liebste, anderswo gibt es einen zentralen Baum. Zur Bedeutung der wichtigsten Maibräuche.

Vielerorts ist der "Tanz in den Mai" inzwischen wohl nichts weiter als eine Motto-Party im Lieblingsclub oder der Stammkneipe. Es gibt aber vor allem im Rheinland viele Gegenden, in denen die Bräuche zum 1. Mai noch traditioneller gelebt werden.

Und zwar so intensiv, dass die Polizei in Siegburg aktuell warnt: "Wer in den Wald geht und Bäume wild schlägt, macht sich des Diebstahls und der Sachbeschädigung schuldig." Zudem habe man bei allem Verständnis für die Brauchtümer die Verkehrssicherheit im Blick und warnt vor dem "Transport von alkoholisierten Personen auf dafür nicht vorgesehenen Ladeflächen".

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Der Maibaum im Ortszentrum

Comeback des Brauchtums: Maijungen tanzen wieder in den Mai

Die in Deutschland häufigste Form des Maibaums ist ein geschmückter Baumstaum, der zum 1. Mai an einem zentralen Ort der Stadt errichtet wird. Woher der Brauch genau kommt, ist nicht geklärt. Der Mönch Caesarius von Heisterbach hat erstmals 1224 das Aufstellen eines Maibaums in Aachen dokumentiert, beziehungsweise als heidnisches Ritual angeprangert.

Die Bäume gelten als Symbol des Frühlings, des neu erwachten Lebens und der Fruchtbarkeit. Seit dem 17. Jahrhundert wurde das "Maibaumstellen" Teil einer dörflichen Partnervermittlung. Dabei wurden die unverheirateten jungen Frauen des Ortes den Junggesellen für eine bestimmte Zeit als "Leihgabe" übergeben.

Endlich wieder Tanzen

Als Vorbilder gelten inzwischen aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht heidnisch-germanische Frühlingskulte, sondern Bräuche aus der spätmittelalterlichen Zeit. So wurden nach Angaben des Landschaftsverbands Rheinland am ersten Mai "Bäume als Zeichen der Tanzfreiheit" geschmückt und aufgestellt. Wie heutzutage noch war an Karfreitag Tanzen vor allem aus religiösen Gründen verpönt und verboten. Als dann endlich wieder getanzt werden durfte, wurde das mit dem geschmückten Baum öffentlich zelebriert.

Maibaum-Tradition in Cobbenrode

WDR 4 28.04.2022 02:17 Min. Verfügbar bis 28.04.2023 WDR 4


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Maibäume für Verliebte

Maibaum aufgestellt vor einer Haustür.

Nicht so häufig - und in Nordrhein-Westfalen vor allem im Rheinland verbreitet - ist das Schlagen und Schmücken einer Birke für die oder den Liebsten. Laut LVR wird von Jungen und Männern, teils auf eigener Faust, teils in der Gruppe, ein Birkenstamm vor das Haus der Geliebten gestellt und geschmückt. Üblich sind demnach zum Beispiel beschriftete Herzen und bunte Kreppbänder. Seit spätestens 2004 sei es zudem häufiger zu beobachten, dass mindestens in den Schaltjahren Frauen ihrem oder ihrer Geliebten ebenfalls einen Maibaum stellen oder ein Herz - zum Beispiel aus gefärbtem Reis - basteln.

Walpurgisnacht oder Tanz in den Mai

Eine als Hexe verkleidete Person im Gegenlicht eines Maifeuers

Die Nacht zum 1. Mai wird auch häufig als Walpurgisnacht bezeichnet und wird mit einem Fest verbunden, bei dem Hexen um ein Feuer tanzen. Der Name kommt von der in der katholischen Kirche als heilig verehrten Nonne Walburga, einer aus England stammenden und 779 oder 780 gestorbenen Heidenheimer Äbtissin. Ihre Gebeine wurden an einem 1. Mai nach Eichstätt gebracht.

Vertreibung der Winter-Dämonen

Der Gedenktag für Walburga und vorchristliche Frühjahrsbräuche haben sich wohl irgendwann verbunden. Das Hexenbrauchtum ist aus diesen Bräuchen zum Frühling entstanden, bei denen die Ankunft des Frühlings mit nächtlichen Freudenfeuern gefeiert wurde. Nach altem Volksglauben vertreiben in dieser Nacht die germanischen Götter Wotan und Freya die Winter-Dämonen und zeugen den Frühling.

Volkskundler: Walpurgisnacht hatte anfangs nichts mit Hexen zu tun

Populär wurde das Bild der Hexen, die zur Walpurgisnacht tanzen vor allem durch Goethes Faust Anfang des 19. Jahrhunderts. Auch die Volkskundler des LVR sind sich sicher, dass die Walpurgisnacht ursprünglich nichts mit Hexen zu tun hatte. Nach ihren Erkenntnissen wurde der 1. Mai seit dem 8. Jahrhundert als Tag der Waffenschau der Wehrfähigen begangen. Mit diesem Musterungstermin könnte das Recht zusammenhängen, vor dem Eintritt in den Militärdienst noch einmal ausgiebig "über die Stränge zu schlagen".

Maifeuer oder Hexenfeuer gegen böse Geister

Auch in NRW werden zur Walpurgisnacht sogenannte Hexenfeuer oder auch Maifeuer entzündet. Früher sollten damit böse Geister und Hexen vertrieben und Krankheiten abgewendet werden. In einigen Regionen werden aber auch Verliebte zusammengebracht, indem sie gemeinsam über das Feuer springen.

Der Maikönig und die Maikönigin

Was im Karneval der Prinz ist, ist bei einigen Maifeiern in NRW der Maikönig oder auch die Maikönigin. Sie haben die Aufgabe, das Maifest auszurichten. Und die Mai-Majestäten erhalten Bier oder Geld - aus der Versteigerung von Frauen, sogenannten Mailehen.

Versteigerung der Mailehen

Laut LVR sind die viele Bräuche stark männlich geprägt, zum Beispiel der Brauch der Versteigerung von Frauen. Dieser werde von Dorf zu Dorf unterschiedlich begangen. Allgemein ersteigern die im Verein tätigen Männer die Frauen des Dorfes für die Maifeierlichkeiten - ein Widerspruch der Frauen sei dabei nicht vorgesehen. "Die ersteigerten Frauen sind nicht anwesend und werden erst im Nachhinein informiert", schreibt der LVR.

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