Seit Mittwoch lebt Deutschland auf Pump

Stand: 04.05.2022, 17:47 Uhr

Der 4. Mai 2022 ist in Deutschland Erdüberlastungstag. Bedeutet: Was die natürlichen Ressourcen angeht, leben wir in Deutschland ab jetzt auf Kosten des Planeten. Wir gehören damit im internationalen Vergleich zu den größten Klimakillern.

Berechnet wird der "Earth Overshoot Day" von der Footprint Data Foundation, der York University und dem Global Footprint Network. Sie ermitteln die Erdüberlastungstage einzelner Länder und den Termin für den gesamten Planeten - der ist am 29. Juli. Dabei berücksichtigen sie, wie viel an natürlichen Rohstoffen die Natur hergibt und in welcher Zeit die Menschen diese verbrauchen. In diese Rechnung fließt auch mit ein, wie viel Müll und Abgase jährlich produziert werden und wie viel Waldfläche benötigt wird, um den CO2-Ausstoß abzubauen.

Das Ergebnis ist bitter: Um den Ressourcenbedarf weltweit nachhaltig zu decken, wären 1,7 Planeten nötig. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären es sogar 2,9 Erden. Vor 35 Jahren war das deutsche Umweltkonto noch fast ausgeglichen, damals war der Überlastungstag am 19. Dezember.

Ländervergleich: besser als USA, schlechter als China

Generell stehen die Industrienationen schlechter da als ärmere Länder. Das liegt vor allem am CO2-Ausstoss. Auf den traurigen Spitzenplätzen liegen Katar und Luxemburg. Sie haben schon im Februar das Maß überschritten. Die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kanada hatten ihren Erdüberlastungstag kurz danach im März.

Am besten machen es die Jamaikaner. Sie haben die natürlichen Ressourcen erst am 20. Dezember verbraucht. Besser als Deutschland geht auch China mit seinen Ressourcen um, zumindest in Sachen "Earth Overshoot Day": China stößt weltweit die meisten CO2-Emmissionen aus und hält dennoch einen Monat länger durch als Deutschland. In China ist E-Mobilität in großen Städten zum Beispiel bereits Standard und erneuerbare Energien werden mittlerweile stark gefördert.

Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks

Umweltverbände weltweit fordern vor allem von der Politik konkrete Vorgaben zum Schutz der Ressourcen. Dafür braucht es auch bessere internationale Verabredungen und Kooperationen. Die Industrie muss sich umstellen und nachhaltiger werden, Verkehrs- und Energiewende müssen schneller kommen. Nachhaltigkeit in Mobilität, Ernährung und Energie müssen der neue Standard werden.

Aber auch im Privaten können alle ihren Beitrag leisten. Dass weniger Verbrauch viel bringt, zeigt die Abrechnung vom Jahr 2020. Im weltweiten Corona-Lockdown hat die Industrie weniger produziert, es gab weniger Verkehr in der Luft und auf den Straßen, und die meisten Menschen haben im Lockdown weniger konsumiert. Insgesamt hat Deutschland dadurch natürliche Ressourcen von gut einem kompletten Monat gespart.

Über den Erdüberlastungstag berichten wir im WDR Fernsehen in der Aktuellen Stunde am 4. Mai 2022.

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