Chronik: Opel in Bochum

Ein Schild mit der Aufschrift Und Du? liegt vor Beginn einer Belegschaftsversammlung vor der Veranstaltungshalle

Vom Ende eines Hoffnungsträgers

Chronik: Opel in Bochum

Seit Jahren steckt der Autobauer Opel in der Krise. Nun steht fest, dass nach 2016 keine Autos mehr in Bochum vom Band rollen werden. Die Chronik eines langsamen Niedergangs.

1962: Der Autokonzern galt als Hoffnungsträger: Als am 10. Oktober die Adam Opel AG ein stillgelegtes Zechengelände in Bochum übernimmt, hoffen die Menschen im Ruhrgebiet auf Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung - den Niedergang des Bergbaus spüren die Menschen nur zu deutlich.

Opel Kadett Modell 1962

Rund 2.500 der 11.600 Arbeiter in den Opel-Werken stammen 1964 aus dem Bergbau. Zunächst wird nur der Opel Kadett A in Bochum gebaut. Die Autos aus Bochum entwickeln sich zum Erfolgsmodell: In den 1970er Jahren beschäftigt der Autokonzern rund 20.000 Mitarbeiter in den drei Bochumer Werken.

1980: Der Autobauer schreibt erstmals rote Zahlen, immer wieder stehen die Bänder still. Ende der 1990er Jahre sind nur noch 11.000 Mitarbeiter bei Opel in Bochum beschäftigt.

2004: Der amerikanische Konzern General Motors (GM) hält seit 1929 die Aktienmehrheit der Opel AG. 2004 droht GM erstmals damit, das Bochumer Werk zu schließen. Ein harter Kampf um Standorte und Arbeitsplätze beginnt. Inzwischen gibt es in Bochum nur noch knapp 3.200 Opelaner.

November 2008: Die weltweite Wirtschaftskrise bringt auch die Autobauer in finanzielle Schwierigkeiten. Als erster deutscher Hersteller fordert Opel Unterstützung von der Bundesregierung, eine Milliardenbürgschaft steht im Raum.

Februar 2009: Opel-Beschäftigte demonstrieren vor der Konzernzentrale in Rüsselsheim für eine Trennung vom ungeliebten GM-Konzern.

März 2009: Bundeskanzlerin Angela Merkel sichert dem Unternehmen staatliche Hilfen zu, einen Einstieg des Staates lehnt sie ab.

April/Mai 2009: Mehrere internationale Firmen bekunden Interesse an einer Opel-Übernahme.

30. Mai 2009: Am Ende der Verhandlungen im Kanzleramt ist der kanadisch-österreichische Hersteller Magna wahrscheinlichster Interessent. Der Staat müsste für mindestens 4,5 Milliarden Euro bürgen, der Weg für den 1,5 Milliarden-Euro-Überbrückungskredit ist frei, Opel scheint gerettet und soll aus dem GM-Verband herausgelöst werden.

In den kommenden Wochen und Monaten nimmt das Geschacher um Opel seinen Lauf. Mehrere Investoren verhandeln weiter mit dem Mutterkonzern GM, eine mögliche Übernahme durch Magna mit Hilfen der Bundesregierung ruft auch die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes auf den Plan.

Juli 2009: Dank der Abwrackprämie boomt der Opel-Absatz.

Oktober 2009: In den Medien kursieren Gerüchte, GM wolle sein europäisches Geschäft doch nicht an Magna verkaufen.

3. November 2009: Die Opel-Arbeitnehmer stimmen für die Übernahme durch Magna, der Betriebsrat stimmt Beiträgen der Beschäftigten zu Kostensenkungen über jährlich 265 Millionen Euro zu. Am gleichen Tag spricht sich der Verwaltungsrat von GM gegen den Verkauf von Opel aus. GM will Opel in Eigenregie restrukturieren, 10.000 Jobs sollen gestrichen werden. In Bochum sind viele Mitarbeiter enttäuscht. Das Bangen in Bochum beginnt erneut.

25. November 2009: GM kündigt an, dass in Bochum 1.800 Stellen gestrichen werden. Das sind 400 weniger als befürchtet. Die Produktion wird gedrosselt, dennoch ist der Betriebsrat zunächst erleichtert.

2010: GM stellt einen Antrag auf Staatshilfen, bei denen auch das Land NRW für 150 Millionen Euro geradestehen müsste.

Juni 2010: GM zieht den Antrag auf Bürgschaften zurück; der amerikanische Mutterkonzern will die Opel-Sanierung selbst stemmen. Die Entscheidung überrascht viele in NRW.

2011: Bei General Motors laufen die Geschäfte endlich wieder gut, Opel schreibt weiter rote Zahlen. Im April wird Karl-Friedrich Stracke neuer Chef an der Opel-Spitze und löst Nick Reilly ab.

Mai 2012: Opel in Rüsselsheim verliert die Produktion des Opel Astra, die Produktion wird ins Ausland verlagert. Das löst auch in Bochum Unsicherheit aus. Es wird befürchtet, dass die Produktion des Zafira nun nach Rüsselsheim, in ein wesentlich moderneres Werk, verlegt wird. Stracke gibt auch bekannt, dass die Zukunft des Bochumer Werkes nur bis 2016 gesichert sei. Unter den Arbeitern macht sich Resignation breit.

Juni 2012: Bei einer Betriebsversammlung in Bochum kommt es zum Eklat: Der Betriebsrat fordert eine Standortgarantie für Bochum über 2016 hinaus, die Konzernspitze signalisiert, dass es eine solche Zusicherung nicht geben werde. Daraufhin verlassen die 2.000 versammelten Opelaner geschlossen den Saal.

Juli 2012: Stracke tritt zurück, Thomas Sedran wird sein Nachfolger.

Oktober 2012: Bochum feiert das 50-jährige Werksbestehen. Doch die Feier wird verschoben, weil wegen eines Großauftrages auch an allen Samstagen Sonderschichten geschoben werden müssen.

10. Dezember 2012: Opel-Chef Sedran verkündet das Aus für die Autoproduktion in Bochum für 2016. Der Konzern, so heißt es, wolle aber in der Stadt präsent bleiben: Das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten und möglicherweise ausgebaut werden.

Stand: 10.12.2012, 13:58