Opel Bochum wird ab 2016 keine Autos mehr bauen

Stilllegung der Produktion

Opel Bochum wird ab 2016 keine Autos mehr bauen

2016 ist für Opel Schluss in Bochum. Der amerikanische Mutterkonzern General Motors hat das Aus des Standorts entschieden. Niederlassungschef Thomas Sedran verkündete das Ende am Montagmorgen (10.12.2012) in nur 40 Sekunden. Bei seinem Abgang kam es zu einem Handgemenge.

"2016 endet die Fertigung kompletter Fahrzeuge in Bochum", sagte Opel-Interimschef Thomas Sedran am Montag (10.12.2012). Damit reagiert der Autobauer auf hohe Verluste durch den Absatzeinbruch in Europa und baut teure Überkapazitäten ab. In dem 50 Jahre alten Werk könnten bis zu 3.000 Stellen wegfallen.

Ein Schild mit der Aufschrift Und Du? liegt vor Beginn einer Belegschaftsversammlung vor der Veranstaltungshalle

Belegschaftsversammlung Opel

Das bedeute aber nicht das Aus für den Standort im Ruhrgebiet, betonte Sedran: "Opel bleibt auch zukünftig in Bochum präsent. Nicht nur mit dem Logistikzentrum, auch mit einer im Detail noch festzulegenden Komponentenfertigung." Das Warenverteilzentrum mit derzeit 430 Mitarbeitern solle erhalten werden und möglicherweise künftig mehr Menschen beschäftigen: "Wir haben Ideen, wie wir es ausbauen können." Ein Opel-Sprecher sagte, der Konzern wolle die Stellen in dem Logistikzentrum auf mindestens 600 ausbauen. Wie viele Job mit der Komponentenfertigung entstehen sollen, sei noch unklar.

Neue Jobs in Aussicht?

In dem geplanten Komponentenwerk könnte eine dreistellige Zahl von Jobs entstehen. Zudem spricht Opel seit Juni mit Vertretern des Landes NRW, der Stadt Bochum und den Arbeitnehmervertretern über alternative Nutzungen des Standortes. Betriebsbedingte Kündigungen will die Adam Opel AG auch über Jobangebote in anderen deutschen Werken oder Abfindungen vermeiden.

Gedrückte Stimmung unter den Mitarbeitern

Die Mitarbeiter des traditionsreichen Werks im Ruhrgebiet waren am Montagmorgen zu einer Betriebsversammlung zusammengekommen, in der es um die Zukunftspläne des Mutterkonzerns General Motors für den Standort ging. Die Stimmung unter der Belegschaft ist unterschiedlich, wie der WDR vor Ort erfuhr: Einige Mitarbeiter finden es gut, dass "die Katze endlich aus dem Sack" sei. Viele stellen sich die Frage, wie unter diesen Voraussetzungen die für Samstag (15.12.2012) geplante 50-Jahres-Feier des Bochumer Werks aussehen soll. Als Sedran nach seiner Ansprache den Saal verlassen wollte, versuchte ihn ein IG-Metall-Vertrauensmann aufzuhalten. Er wurde von Security-Mitarbeitern zu Boden gestoßen, blieb aber unverletzt.

Der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werks will die Entscheidung nicht kampflos hinnehmen. "Wir wollen auch nach 2016 in Bochum noch Autos bauen", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel nach der Betriebsversammlung mit rund 2.300 Beschäftigten. "Das ist unsere Forderung", unterstrich er. IG-Metall-Vertrauensmann Paul Fröhlich drohte mit einem Streik für Dienstag (11.12.2012): "Es ist noch unklar, ob die Produktion morgen um 6.00 Uhr anlaufen wird."

Kritik und Erwartungen an Opel

Zum Aus für die Autoproduktion am Opel-Standort Bochum erklärt NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): "Dies ist eine traurige Nachricht für Opel, die Beschäftigten und ihre Familien, aber auch die Region und das Land." Jetzt müsse es darum gehen, den Opel-Vorstand beim Wort zu nehmen. "Es muss ernsthaft und belastbar an einer Perspektive für den Standort gearbeitet werden." Für NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) bedeutet die Schließung ein "Stück weit Entindustrialisierung". Er kritisierte die Informationspolitik des Opel-Konzerns: "Für die Beschäftigten wäre es besser gewesen, wenn ihnen von vornherein klarer Wein eingeschenkt worden wäre."

Verschneite Opel-Neuwagen stehen  in Bochum  auf dem Werksgelände

"Die Opel AG steht in der Verantwortung"

"Die Opel AG steht in der Verantwortung, die negativen Auswirkungen der Werksschließungen abzumildern und die Region nicht im Regen stehen zu lassen", sagte Christian Lindner, Chef der NRW-FDP-Landtagsfraktion. Das geplante Klimaschutzgesetz der rot-grünen Landesregierung verschlechtere allerdings die Rahmenbedingungen für Investoren, so Lindner.

"Die Bundeskanzlerin und die Bundesregierung bedauern diese Entscheidung ganz außerordentlich", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Man habe die Erwartung, dass die Firma alles unternehme, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Ein schwacher Trost sei, dass der Schritt erst 2016 erfolgen soll.

Stand: 10.12.2012, 14:08

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