13. August 1913 - Tod des Sozialdemokraten August Bebel

August Bebel sitzend, Kopf in Hand gestützt (Sepia-Foto, um 1910)

Stichtag

13. August 1913 - Tod des Sozialdemokraten August Bebel

Ein "gebücktes, kränkliches Männchen", so beschreibt der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky im Jahr 1909 August Bebel, den 69-jährigen Führer der deutschen Sozialdemokraten. "Doch wie er zu sprechen beginnt", so von Ossietzky weiter, "weicht dieser Eindruck von Hinfälligkeit, breite ausholende Gesten, [...] Kommandostimme, gewohnt, Hunderttausende in Gleichtakt zu bringen".

Immer wieder prangert Bebel den säbelrasselnden Größenwahn des Kaiserreichs an und warnt vor einem europäischen Krieg: "Hinter diesem Kriege steht der Massenbankrott, steht das Massenelend, steht die Massenarbeitslosigkeit, die große Hungersnot." 1912 wird die SPD mit fast 35 Prozent zur stärksten Partei. Es ist Bebels Verdienst. Aber den Krieg kann er nicht verhindern. Am 13. August 1913 stirbt der charismatische Kämpfer, der aus der zerstrittenen Arbeiterbewegung eine schlagkräftige Massenpartei formte.

Vorkämpfer für Emanzipation im Sozialismus

In Deutz bei Köln war August Bebel am 22. Februar 1840 als Sohn eines preußischen Unteroffiziers in ärmlichste Verhältnisse geboren worden. Seine Eltern sterben früh an Tuberkulose. Nach einer Drechsler-Lehre geht Bebel auf Wanderschaft. In Leipzig schließt er sich 1861 dem "Gewerblichen Bildungsverein" an, neben dem "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" (ADAV, gegründet 1863) von Ferdinand Lassalle die bedeutendste Keimzelle der SPD. Dort macht Bebel die Bekanntschaft von Wilhelm Liebknecht, dem Mitstreiter von Karl Marx und Friedrich Engels. Er lernt zu debattieren und wandelt sich zum glühenden Sozialisten, überzeugt, dass der Kapitalismus an seinen Exzessen zugrunde gehen wird.

1869 gründen Bebel und Liebknecht die "Sozialdemokratische Deutsche Arbeiterpartei", die sich 1875 nach langer Fehde mit dem ADAV zur SPD vereint. Kanzler Otto von Bismarck schränkt mit den "Sozialistengesetzen" die Rechte der linken "vaterlandslosen Gesellen" massiv ein. Bebels Kampf gegen das Kaiserreich bringt ihn insgesamt fast fünf Jahre ins Gefängnis. Unterstützt von seiner Frau Julie, die sich ganz mit seinen politischen Zielen identifiziert, verfasst er 1879 in der Haft sein Hauptwerk "Die Frau und der Sozialismus". Die visionäre Schrift, in der er unter anderem völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau fordert, wird trotz sofortigen Verbots zu einem Bestseller der Arbeiterliteratur und in 20 Sprachen übersetzt.

Der "Arbeiterkaiser"

Als die Sozialistenverfolgung 1890 mit Bismarcks Sturz endet, hat die Hetze gegen die "roten Staatsfeinde" ihr Gegenteil erreicht: Sie beschert der SPD mehr Zulauf als je zuvor und macht ihren Führer zum Märtyrer, zum "Arbeiterkaiser". Bebels Ziel ist zwar die Begründung einer sozialistischen Gesellschaft. Doch er ist kein strammer Marxist, sondern ein pragmatischer Mann der Mitte, dem es in den folgenden Jahren gelingt, auch extrem linke Strömungen in der SPD zu integrieren - notfalls mit verbaler Gewalt: "Wer nicht pariert, fliegt hinaus!"

1910 stirbt Julie Bebel an Krebs, und August reibt sich nun für seine von Depressionen geplagte Tochter Friederike auf. An seinem 70. Geburtstag sagt er zu seinen Gästen: "Ich hoffe, den Tag noch zu erleben, an dem ich euch die Sturmfahnen der Revolution vorantragen werde." Doch den Ersten Weltkrieg und die folgende Weimarer Republik erlebt Bebel nicht mehr. Nach seinem Tod 1913 im Schweizer Kurort Passugg erweisen 50.000 Menschen aus ganz Europa seinem aufgebahrten Leichnam die letzte Ehre.

Stand: 13.08.2013

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