28. Februar 2010 - Vor 85 Jahren: Friedrich Ebert stirbt in Berlin

Stichtag

28. Februar 2010 - Vor 85 Jahren: Friedrich Ebert stirbt in Berlin

Wenige Wochen nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches wird am 4. Februar 1871 Friedrich Ebert geboren. Er ist das siebte Kind des Schneidermeisters Karl Ebert und seiner Frau Katharina. Nichts deutet darauf hin, dass der Junge aus der Heidelberger Pfaffengasse einmal in Berlin das höchste Staatsamt übernehmen und das Kaiserreich abwickeln wird. Das geschieht nach dem Ersten Weltkrieg: 1918 wird Ebert nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. das Amt des Reichskanzlers übertragen. 1919 wird Ebert als erster Reichspräsident vereidigt. In dieser Funktion versucht der Sozialdemokrat, die Weimarer Republik gegen ihre Gegner zu verteidigen - und geht daran zugrunde. "Er wäre, wenn diese furchtbare Hetze nicht gewesen wäre, bestimmt früher zu einem Arzt gegangen!", sagt Louise Ebert nach dem Tod ihres Mannes.

Der gelernte Sattler Ebert macht in der SPD mit seinem Rede- und Organisationstalent Karriere: 1899 tritt er in die Partei ein, 1912 erringt er ein Reichstagsmandat. Als im Jahr darauf Parteichef August Bebel stirbt, wird der 42-jährige Ebert einer seiner beiden Nachfolger - und macht die SPD zur Massenpartei mit mehr als einer Million Mitglieder. Nach immer neuen Wahlerfolgen stößt Parteichef Ebert im Ersten Weltkrieg allerdings an seine Grenzen: An der Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten zerbricht die Partei. 1917 spalten sich die Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ab - obwohl Ebert als reformistischer Pragmatiker versucht, den Ausgleich zu finden zwischen Radikalen und Reformern.Zwei Söhne von Ebert werden im Krieg getötet. Im Herbst 1918 scheint die deutsche Niederlage nicht mehr abwendbar. Trickreich fädelt die Oberste Heeresleitung um Paul von Hindenburg die Abdankung des Kaisers ein und die Übergabe der Regierung an die Sozialdemokraten. Nach außen wird später die sogenannte Dolchstoßlegende verbreitet: Angeblich sei die kämpfende Truppe durch einen Waffenstillstand von der Politik verraten worden.

Die von Matrosen in Kiel ausgehenden Revolutionswellen in Deutschland stoppt Ebert mit Hilfe des Militärs - und indem er sich an die Spitze der Revolution setzt: Aus dem Reichskanzler wird der Volksbeauftragte Ebert, der im Februar 1919 in Weimar eine Verfassungsgebende Versammlung einberuft. Als erster Staatspräsident der Weimarer Republik bemüht sich Ebert um einen Ausgleich zwischen sozialdemokratischer Arbeiterbewegung und demokratischem Bürgertum. Sechs Kanzler sieht er kommen und gehen. Er bleibt - obwohl er kein beliebter Präsident ist. Ein Schnappschuss von Ebert in Badehose am Ostseestrand bereitet den Weg für einen schleichenden Rufmord. Zahlreiche Karikaturen zeigen ihn nackt - ein Sinnbild für die entblößte Republik. Immer heftiger werden die Beleidigungen, die Ebert über sich lesen muss."Persönlich berührt mich diese Dreckerei nicht", notiert Ebert noch 1921. Aber ein Jahr später, als Rechtsextremisten Außenminister Walther Rathenau ermorden, wird auch der Reichspräsident dünnhäutiger. Er verklagt alle, die gegen ihn hetzen. Mehr als 200 Prozesse sind es am Ende. Ein Richter stempelt ihn als Landesverräter ab - weil er 1918 zur Beruhigung der Situation einem Streikkomitee beigetreten war. Ebert kämpft, obwohl ihm eine Blinddarm-Reizung zu schaffen macht. Zum Arzt geht er nicht. Friedrich Ebert stirbt am 28. Februar 1925 in Berlin mit 54 Jahren an einem Blinddarm-Durchbruch.

Stand: 28.02.10