31. August 2009 - Vor 145 Jahren: Ferdinand Lassalle stirbt in Genf

Stichtag

31. August 2009 - Vor 145 Jahren: Ferdinand Lassalle stirbt in Genf

Frauenheld, Dandy, Revolutionär und Arbeiterführer - Ferdinand Lassalle hat viele Facetten. Alexander von Humboldt bezeichnet ihn als "Wunderkind". Für Heinrich Heine ist Lassalle ein junger Mann "mit der gründlichsten Gelehrsamkeit, mit dem weitesten Wissen und dem größten Scharfsinn, der mir je vorgekommen". Geboren wird Ferdinand am 11. April 1825 in Breslau und wächst als Sohn eines gut situierten jüdischen Tuchhändlers auf. Beim Studium in Berlin begeistert er sich für die staatsphilosophischen Vorstellungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Demnach hat der Staat die Funktion, die Freiheit aller Individuen zu entwickeln. Lassalle hat genug vom preußischen Feudalismus. Aus der Hegelschen Staatsidee entwirft er eine Art soziales Königtum, mit Wahlrecht für alle. Um diese Gesellschaftsform zu erreichen, ist für Lassalle die Revolution notwendig. Sie muss aber - anders als bei Karl Marx - nicht mit Gewalt geschehen.

1845 besucht Lassalle Heine in Paris und betreibt Rechtsstudien. Ein Begleitschreiben des Dichters öffnet ihm die Salons der Berliner Gesellschaft. 1846 wird dem 21-Jährigen die Düsseldorfer Gräfin Sophie von Hatzfeldt vorgestellt. Sie ist rund 20 Jahre älter und will sich von ihrem Mann Graf Edmund scheiden lassen. Lassalle wird ihr Anwalt und siedelt nach Düsseldorf um. Die Scheidung ist ein jahrelanger juristischer Streit, der mit einem Vergleich endet. Für Lassalle ist die Auseinandersetzung ein Symbol für den Kampf einer rechtlosen Person gegen die Macht des Adels. In acht Jahren führt Lassalle 36 Prozesse - teils für die Gräfin, teils für sich selbst.

Als führendes Mitglied des "Düsseldorfer Volksclubs", einer Vereinigung radikaler Demokraten, redet Lassalle vor wachsenden Volksmassen. Er lernt Marx und Friedrich Engels kennen, die in Köln die "Neue Rheinische Zeitung" herausgeben, das Zentralorgan der Demokraten. Marx begegnet Lassalle mal wohlwollend, mal skeptisch: Ihn irritiert der eitle Volkstribun im feinen Zwirn. Engels ist angewidert von Lassalles aristokratischem Gehabe. Die Staatsanwaltschaft wiederum klagt Lassalle immer wieder wegen Aufwiegelung der Besitzlosen an. Er kommt mehrmals in Haft und verpasst die Hälfte der Revolution von 1848/49, die niedergeschlagen wird.
Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) in Leipzig im Mai 1863 versucht Lassalle, die Arbeiter aus ihrer Lethargie zu reißen: "So lange Ihr nur ein Stück schlechte Wurst habt und ein Glas Bier, merkt ihr gar nicht, dass Euch etwas fehlt! Das kommt von Eurer verdammten Bedürfnislosigkeit!" Doch die revolutionäre Arbeiterbewegung wächst nur langsam. Im Sommer 1864 hat Lassalle erst 3.500 Arbeiter organisiert. Angeschlagen und frustriert kurt er in der Schweiz. Dort trifft er in Genf die Diplomatentochter Helene von Dönniges und verliebt sich. Doch Vater Dönniges will Lassalle die Hand seiner Tochter nicht geben. Lassalle fordert den Vater zum Duell heraus, dieser schickt jedoch stattdessen Helenes Verlobten. Lassalle wird in den Unterleib getroffen. Drei Tage später, am 31. August 1864, stirbt er. 26 Jahre später fusioniert der ADAV mit einem anderen Arbeiterverband zur SPD. Die folgt noch heute seiner Idee: Demnach bringt der Staat den Menschen die Freiheit.

Stand: 31.08.09