19. August 1856 - Die kondensierte Milch wird patentiert

Sahne wird in eine Tasse mit schwarzem Kaffee gegossen

Stichtag

19. August 1856 - Die kondensierte Milch wird patentiert

Seitdem die Menschen Kühe melken, suchen sie nach einem Verfahren, um Milch haltbar zu machen. Denn wird sie nicht zu Butter, Quark oder Käse verarbeitet, verdirbt sie innerhalb weniger Stunden. Setzt man Milch hohen Temperaturen aus, ist sie zwar haltbar, verändert aber Farbe und Geschmack. Erst im 19. Jahrhundert gelingt dem amerikanischen Landvermesser, Erfinder und Verleger Gail Borden die Haltbarmachung in industriellem Maßstab. Er setzt auf den Vakuum-Verdampfer. Darin kocht Milch bereits bei 55 Grad Celsius, Inhaltsstoffe und Geschmack bleiben beim Erhitzen erhalten. Am 19. August 1856 erhält Gail Borden das Patent für die industrielle Fertigung von kondensierter Milch. Im gleichen Jahr eröffnet er die erste Kondensmilchfabrik der Welt. Der Erfolg stellt sich bald ein: Während des amerikanischen Bürgerkriegs schickt er Lieferungen haltbarer Milch an die Front.

Vorreiter ist ein französicher Konditor

Erfunden hat Gail Borden das Verfahren allerdings nicht. Bereits der französische Konditor Nicolas Appert macht erste Versuche: Er entzieht der Milch das Wasser, indem er sie im kochenden Wasserbad eindickt. Zwar versorgt er die napoleonische Armee mit seiner haltbaren Milch und erhält 1822 den Titel "Wohltäter der Menschheit", doch geschmacklich überzeugt sein Produkt nicht. Schließlich macht der englische Forscher William Newton 1835 eine wichtige Entdeckung: Die Zugabe von Zucker erleichtert das Konservierungsverfahren. Wird die Milch erst gezuckert, dann erhitzt, können sich keine Mikroorganismen entwickeln.

Exportweltmeister Deutschland

In einer modernen Fabrik entziehen Ingenieure der Rohmilch in einem mehrstufigen Verfahren das Wasser; aus zehn Litern Rohmilch gewinnen sie 2,5 Liter Kondensmilch. Eine Dose Kondensmilch ist mindestens 18 Monate haltbar. Exportweltmeister bei der Kondensmilch sind heute Deutschland und die Niederlande. In Deutschland selbst schmeckt die klebrige Milch mit bis zu zwölf Prozent Fettgehalt allerdings immer weniger Menschen: Zwischen 2004 und 2009 hat sich der Verbrauch mehr als halbiert. Milchkaffee, Cappuccino und Espresso verdrängen die Milchkännchen von Sonntagstafeln und Kaffeehäusern. Nur die ältere Generation hält der dicken Kondensmilch im Kaffee die Treue: Da bleibe der Kaffeegeschmack besser erhalten. Andere bestellen lieber einfach einen Latte Macchiato.

Stand: 19.08.2011

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