15. Mai 2007 - Vor 10 Jahren: EU-Verordnung über Novel Food tritt in Kraft

Stichtag

15. Mai 2007 - Vor 10 Jahren: EU-Verordnung über Novel Food tritt in Kraft

Ein neuer Begriff schreckt Mitte der 90er Jahre deutsche Verbraucher auf: genmanipulierte Lebensmittel. Während in den USA labortechnisch "nachgebesserte" Produkte wie etwa die "Anti-Matsch-Tomate" ganz selbstverständlich konsumiert werden, können Supermarktkunden sich hierzulande kaum mit dem Gedanken anfreunden, nicht klar deklarierte Gen-Produkte in den Regalen vorzufinden. 1977 lehnen nach einer repräsentativen Umfrage 76 Prozent der Kosumenten Gen-Food rundheraus ab; 95 Prozent fordern eine ausnahmslose Kennzeichnungspflicht.

Diesen klar artikulierten Verbraucherwunsch erfüllt die am 15. Mai 1997 in Kraft getretene "Verordnung über neuartige Lebensmittel", kurz Novel Food genannt, nur bedingt. Das EU-weit geltende Gesetz, das neben Gen-Produkten auch alle "bisher noch nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr" verwendeten Lebensmittel umfasst, räumt den Nahrungsherstellern große Freiräume ein - vor allem bei der Kennzeichnung. Gerade die entscheidende Silbe "Gen" wird auf den Etiketten gern vermieden; bevorzugt werden wenig aufschlussreiche Formulierungen wie "mit Hilfe moderner Biotechnologie veredelt". Überhaupt gilt eine Kennzeichnungspflicht nur dann, wenn eine Erbgutveränderung wissenschaftlich nachweisbar ist. Wie eine Laboranalyse zu funktionieren hat, bleibt allerdings ungeregelt.

Bis heute ist die Novel-Food -Verordnung deshalb immer wieder aktualisiert und nachgebessert worden. So gilt zum Beispiel seit drei Jahren eine umfangreiche Kennzeichnungsregelung für alle gentechnisch veränderten Lebensmittel und deren beigefügte Inhaltsstoffe. Enthält ein Produkt etwa Vitamin E aus manipulierten Sojabohnen, muss dies auf dem Etikett vermerkt werden, auch wenn die Veränderung im Endprodukt nicht mehr nachweisbar ist. Lücken weist die Verordnung dagegen nach wie vor im Bereich der Futtermittel auf. So ist etwa Fleisch von Rindern, die in Argentinien mit Gen-Mais gefüttert werden, nicht kennzeichnungspflichtig. Langfristige Untersuchungen über die Auswirkungen genmanipulierter Lebensmittel auf den menschlichen Organismus liegen derzeit noch nicht vor.

Stand:15.05.07