21. November 1934 - Uraufführung des Musicals "Anything Goes"

Bing Crosby in Verfilmung von "Anything Goes"

Stichtag

21. November 1934 - Uraufführung des Musicals "Anything Goes"

Was kostet die Welt? Für Amerikas Schickeria ist das keine Frage, sondern ein Lebensstil. Alles geht, Geld schwimmt immer oben. Selbst wenn der Rest der Nation seit 1929 unter der Großen Depression leidet, die Reichen und Schönen amüsieren sich nach Kräften. Cole Porter inspiriert das hedonistische Treiben der Glamourwelt zu "Anything Goes", einem seiner größten Musical-Erfolge.

Total verrückte Seefahrt

Eine sehr schräge feine Gesellschaft trifft sich da an Bord des Luxusdampfers "SS American" mit Börsenmakler und Nachtclubsängerinnen, echten Gangstern und falschen Predigern. Deren Eskapaden auf einer total verrückten Seefahrt inszeniert Cole Porter als musikalisches Nonstop-Feuerwerk aus tempogeladenen Revuenummern, ironischen Pointen und Welthits wie "I get a kick out of you" oder "You're the Top". Bei seiner Uraufführung am 21. November 1934 in New York als Sensation gefeiert, erlebt "Anything Goes" 420 Vorstellungen am Broadway und wird das meistgespielte Musical der 30er Jahre.

Cole Porter, intelligent, kultiviert, geistreich, kennt sich aus mit den illustren Spleens der Society, die er so gekonnt karikiert. Der 1891 geborene Sohn eines schwer reichen Holz-Magnaten aus Indiana gehört selbst dazu. Und er kennt die Welt. Nach seinem Jura- und Musikstudium zieht es den Millionenerben nach Europa. Sorgenfrei komponierend lebt Porter bis Ende der 20er Jahre meist in Paris, Venedig und an der Riviera. Als er mit Unterstützung seines Freundes Irving Berlin in den USA vor dem Durchbruch steht, kehrt er nach New York zurück. Mit dem Musical "Paris" feiert Cole Porter 1928 seinen ersten Broadway-Erfolg.

Traumrolle für Hildegard Knef

Schwungvoll, elegant und reichlich frivol sind die Musical-Hits, die Porter nun in Serie schreibt. "Anything Goes" wird 1936 von Hollywood verfilmt und mit Bing Crosby in der Hauptrolle auch an der Kinokasse ein Millionengeschäft. 1937 aber trifft Cole Porter ein Schicksalsschlag. Bei einem Reitunfall erleidet er schwere Beinverletzungen, die ihm das Leben fortan zur Qual machen. Bis 1954 bringt der König des Broadway insgesamt 40 Musicals auf die Bühne. Für die weibliche Hauptrolle seiner letzten Produktion "Silk Stockings" ("Seidenstrümpfe") holt er sich ein blondes Talent aus Berlin: Hildegard Knef.

In seinen letzten Jahren, inzwischen beinamputiert und von Schmerzen zermürbt, verlässt Porter mehr und mehr der Lebenswille. Am 15. Oktober 1964 stirbt der legendäre Komponist im kalifornischen Santa Monica. Seine jazzigen Songs aber bleiben modern und gehören noch heute zum Standard-Repertoire jeder Show-Größe. Den Titelsong von "Anything Goes" haben zuletzt Lady Gaga und Tony Bennett neu aufgenommen. Ein Tipp für alle, die Cole Porters Meisterwerk live erleben möchten: Ab Februar 2015 steht "Anything Goes" im Theater Münster auf dem Spielplan.

Stand: 21.11.2014

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