6. September 1994 - Franziska van Almsick gewinnt 1. WM-Titel

Stichtag

6. September 1994 - Franziska van Almsick gewinnt 1. WM-Titel

Auf dem Siegertreppchen fühlt sich Franziska van Almsick schon mit elf Jahren zu Hause. Gleich neun Goldmedaillen räumt der Wasserfloh aus Ost-Berlin 1989 bei der DDR-Kinder- und Jugendspartakiade ab. Zwei Jahre nach der Wiedervereinigung holt die freche Franzi ihre erste deutsche Freistil-Meisterschaft und erobert aus dem Nichts Platz 15 der Weltrangliste.

Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona katapultiert sich das 14-jährige Schwimm-Küken endgültig ins internationale Rampenlicht. Unter anderem mit dem Gewinn einer Silber- und einer Bronzemedaille steigt Franziska van Almsick zum ersten weiblichen Sportidol der Nachwendezeit auf.

Triumph im "geschenkten" Finale

Ein Jahr später hat der Teenager bereits sechs Europameister-Titel und millionenschwere Sponsorenverträge in der Tasche. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, als Franziska van Almsick im September 1994 zur Schwimm-WM nach Rom reist. Der Druck wächst immens, als sie über 100 Meter Freistil wieder nur Bronze und mit der Staffel Silber gewinnt. Alle Hoffnungen richten sich nun auf ihre Paradestrecke, die 200 Meter Freistil. Doch der Vorlauf endet katastrophal: Jungstar Franzi verzockt sich mit der Taktik und scheidet als Neunte aus. Ihre 25-jährige Teamkollegin Dagmar Hase dagegen schafft den Finaleinzug.

Die konsternierte van Almsick hat den Schock noch nicht verdaut, da erhält sie völlig unerwartet eine zweite Chance. Nach Verhandlungen der beteiligten Trainer, Manager und Funktionäre überlässt die eher unscheinbare Dagmar Hase ihren Startplatz dem Medien-Darling van Almsick. Im "geschenkten" Finale von Rom am 6. September kann die 16-Jährige endlich ihr Ausnahmetalent beweisen: 67 Hundertstel Sekunden schneller als die Chinesin Lu Bin gewinnt Franziska van Almsick ihre erste Weltmeisterschaft. Dabei übertrifft sie ihre eigene Rekordmarke gleich um 1,22 Sekunden und stellt mit 1:56,78 Minuten einen neuen Weltrekord auf.

Der Weltstar wird müde

"Ich weiß gar nicht, wie ich Dagmar danken soll", mehr bringt Franziska van Almsick unter Tränen nach ihrem Triumph nicht hervor. Vier Jahre und etliche Weltrekorde später gewinnt sie in Australien ihren zweiten WM-Titel als  Startschwimmerin der 200-Meter-Staffel. Nur der Traum von olympischem Gold geht nicht in Erfüllung, weder 1996 in Atlanta noch später in Sydney und Athen. Ende der 90er Jahre gerät die Karriere der Erfolgsverwöhnten in Turbulenzen. Van Almsick trennt sich von ihrem Trainer, bricht sich bei einem Motorradunfall die Hand und fliegt wegen schlechter Leistungen sogar aus dem Weltcup-Kader. "Ich war einfach k.o. Vier, fünf Jahre in der Weltspitze machen müde", erklärt sie im WDR-Fernsehen.

Motiviert von ihrem Entdecker Norbert Warnatzsch kämpft sich die ehrgeizige van Almsick zurück in die Spitze. Sie wird mehrfach deutsche Meisterin, Europameisterin 2002 und erneut Dritte bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Danach erklärt sie mit 26 Jahren ihren Rücktritt vom Leistungssport: "Ich weiß, dass ich schneller schwimmen kann als viele andere, aber das reicht mir fürs Leben einfach nicht." Versiert und mit Berliner Schnauze kommentiert Franziska van Almsick nun Schwimm-Großereignisse für die ARD, arbeitet erfolgreich als Unternehmerin und wird zweifache Mutter. Seit 2010 sitzt sie im Aufsichtsrat der Deutschen Sporthilfe.

Stand: 06.09.2014

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