15. Juli 2002: Gründung der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA

Eingegangene Dopingproben (Urin und Blut), Logo von NADA

Stichtag

15. Juli 2002: Gründung der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA

1998 fährt sich der Spitzensport in eine Krise. Es ist die Zeit der Tour de France, in der die Radrennfahrer traditionell an ihre Grenzen gehen. Aber diesmal wird offenbar, dass viele von ihnen ihre Grenzen künstlich verschoben haben.

Der Masseur des französischen Teams "Festina" wird beim Versuch, große Mengen des Dopingpräparats Erythropoetin (EPO) über die belgisch-französische Grenze zu schmuggeln, abgefangen. Razzien, Festnahmen und Verhöre sind die Folge, der Tour de France droht der Abbruch. Dem gesamten Leistungssport droht im Fahrtwind der Affäre der Niedergang.

Einheitlich und transparenter

Auch in Deutschland wird der Ruf nach besseren und einheitlichen Maßstäben für Doping-Kontrollen immer lauter. Die Zusicherung der Sportverbände, das Problem durch Selbstkontrollen eigenhändig in den Griff zu bekommen, reicht vielen Kritikern nicht mehr aus.

Am 15. Juli 2002 wird in Bonn die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) gegründet. Finanziert wird sie vom Staat, von der Wirtschaft und den Sportverbänden. Ihr Ziel ist es, den Kampf gegen Doping zu koordinieren und darüber hinaus Trainings und Wettkämpfe zu kontrollieren. Außerdem kümmert sie sich um Forschung und Aufklärungsarbeit in den Vereinen.

Durch die Gründung der NADA wird das Reglement zur Dopingbekämpfung vereinheitlicht und das Kontrollsystem tatsächlich transparenter gemacht. Zudem rückt die Agentur mit ihren 30 Mitarbeitern Doping als Thema verstärkt ins öffentliche Bewusstsein.

Zu lasche Kontrollmethoden?

2011 müssen deutsche Athletinnen und Athleten unter den Augen der Kontrolleurinnen und Kontrolleure Wasser lassen oder Blut abgeben. Bei weniger als einem Prozent stellt die NADA Regelverstöße fest. Die geringe Anzahl entdeckter Doping-Sünder aber sei kein Erfolg der Agentur, sondern eher Zeichen eines falschen Kontrollsystems, behaupten Kritiker: Die Untersuchungen seien einfach nicht intelligent genug, um Manipulationen auszuschließen.

Laut Henk Erik Meier, Experte für Sport- und Dopingpolitik der Universität Münster, kann NADA die Erwartungen mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln nur zum Teil erfüllen. Denn für einen konsequenten Kreuzzug gegen Doping fehle der Nationalen Anti-Doping Agentur schlichtweg das Geld.

"Aus Sicht der Beteiligten besteht offensichtlich eine Finanzierungskonkurrenz zwischen Spitzensportförderung und effizienter Doping-Politik", sagt Meier. Mit 130 Millionen Euro wird der deutsche Spitzensport vom Bundesinnenministerium gefördert. Der NADA fehlen nach eigenen Angaben 1,35 Millionen Euro im Etat.

Stand: 15.07.2012

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