22. Juni 1954 - Deutsche Kinopremiere von "Die Wüste lebt"

Filmszene aus "Die Wüste lebt": Bussard greift Klapperschlange an

Stichtag

22. Juni 1954 - Deutsche Kinopremiere von "Die Wüste lebt"

Aufregende Bilder von Tieren in freier Wildbahn gehören heute zum Fernsehalltag. Ob im Dschungel, unter der Erde oder in der Tiefsee – es gibt kaum eine seltene Spezies, die geduldige Dokumentarfilmer dank immer raffinierterer Kameratechnik noch nicht beobachten können.

Vor 60 Jahren dagegen waren Dokumentaraufnahmen exotischer Tiere noch eine Rarität, mit denen Pioniere des Naturfilms wie Bernhard Grzimek, Heinz Sielmann oder der Taucher Hans Hass Millionen faszinierten. In den USA entdeckt später auch Walt Disney, der König des Zeichentricks, das kassenträchtige Potential der "True Life Adventures", der Naturabenteuer, die das Leben selber schreibt.

Kleine Strolche und tanzende Skorpione

Gleich mit seinem ersten Oscar-prämierten Naturfilm in Spielfilmlänge landet Disney einen Volltreffer. "Die Wüste lebt" geht auf Entdeckungsreise in die großen, scheinbar lebensfeindlichen Einöden der USA. "Es ist die alte Geschichte vom Kampf ums Dasein", stimmt Regisseur James Algar die Zuschauer auf die Dramen aus dem Tierreich ein. Der ewige kinoerprobte Kampf Gut gegen Böse, bei dem, ganz Disney-like, das Gute am Ende siegt.

Komik darf natürlich nicht fehlen. Gern erzählt der Film von all den kleinen Strolchen der Wüste. Zum Beispiel vom "frechen und unmanierlichen" Wegläufer, einem lustigen Vogel, der lieber läuft als fliegt und mit "Riesenspaß" Schlangen zu kleinen Häppchen verarbeitet. Oder der flinke Fips, der zur Gaudi seiner Erdhörnchen-Bande auf einer Schildkröte reitet. Exakt auf die Musik geschnitten, tanzen Skorpione zur Hochzeit eine Quadrille. "Dame rechts, Herr nach links, Krallen reichen, hoch den Schwanz, Skorpione auf zum Tanz", kommentiert der Filmerzähler das muntere Treiben.

„Hohelied der Lebenskraft“

Auf Anweisung von Walt Disney montiert Regisseur Algar alles, was die Kamera eingefangen hat, zu straff gegliederten Geschichten. So gleicht "Die Wüste lebt" einer Abfolge von Cartoons mit lebenden Darstellern und vermenschlichten Tieren. Aus einer Tarantel wird eine "todbringende Dame" beim Hausputz, die von Zeit zu Zeit Gäste zum Mittagessen empfängt - IHR Mittagessen. Doch dann muss "Frau Tarantel" zum Showdown gegen eine Wespe antreten -ein mörderisches Duell mit zwei Waffen: dem lähmenden Stachel der Wespe und dem Todesbiss der Tarantel, "Florett gegen schwere Säbel."

Die Wespe siegt und erlegt ihre Feindin. Eine Ausnahme in "Die Wüste lebt", denn mit Todesfällen geht der Film sehr sparsam um. Sensible Zuschauer beruhigt der Kommentar: "In diesem fantastischen Wunderland gibt es kein Ende, immer nur einen neuen Anfang." Alles, was niedliche Knopfaugen hat, darf sowieso nicht sterben. Kritiker werfen Disney deshalb vor, die Natur aus kommerziellen Gründen zu manipulieren, manche Szenen gar filmgerecht inszeniert zu haben. Das Publikum lässt sich davon nicht irritieren und reagiert begeistert auf Disneys Tierleben, "das Hohelied der Lebenskraft: herausfordernd und geheimnisvoll".

Stand: 22.06.2014

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