6. Oktober 2006 – Heinz Sielmann stirbt in München

Sielmann mit jungem Gorilla

Stichtag

6. Oktober 2006 – Heinz Sielmann stirbt in München

Heinz Sielmann ist ein großer Freund der Vögel. Schon als Kind zieht er durch die masurische Landschaft, um in der Nähe von Königsberg Kiebitze und Uferschnepfen zu beobachten. Später beteiligt er sich an vogelkundlichen Führungen der Königsberger Universität, die in der Verhaltensforschung führend ist.

Da der Vater wenig begeistert vom Hobby seines Sohnes ist, kauft die Mutter Sielmann heimlich eine Spiegelreflexkamera. Erst als Sielmann schon als Obersekundaner im zoologischen Museum Vorträge halten und seine Fotos zeigen darf, lenkt auch der Vater ein: Zum Abitur im Jahr 1938 schenken die Eltern ihm gemeinsam eine Filmkamera, mit der er seinen ersten Tierfilm "Vögel über Haff und Wiesen" dreht.

Tierisch viel unterwegs

Geboren wird Sielmann 1917 in Rheydt bei Mönchengladbach. Sieben Jahre später übersiedelt die Familie in die ostpreußische Heimat des Vaters nach Königsberg. 1939 wird Sielmann zum Wehrdienst eingezogen, aber bereits 1941 beurlaubt. In Posen darf er Biologie studieren. 1944 reist er für einen Film über die Tierwelt der Insel nach Kreta. Dort gerät er in britische Kriegsgefangenschaft und kommt über Kairo nach London, wo er als Regisseur und Kameramann biologische Unterrichtsfilme produziert.

1947 kehrt Sielmann nach Deutschland zurück, um die Folgen des Krieges für die Natur zu dokumentieren. Sein Kinofilm "Lied der Wildbahn" wird ein durchschlagender Erfolg. Danach reist Sielmann auf Expeditionen immer häufiger um die Welt, sodass seine Frau Inge, die er 1951 heiratet, den drei Jahre später geborenen Sohn Stephan praktisch alleine großziehen muss. Später begleitet die gelernte Cutterin ihn auf seinen Reisen und produziert Filme mit ihm gemeinsam.

Im Innern des Spechtbaus

In seinen Filmen entwickelt Sielmann seine typische "Sielmann-Poesie", die sich der heimischen Tierwelt ebenso nähert wie den Riesenechsen auf Galapagos oder einer Paradiesvogel-Hochzeit in Neuguinea ("Sie berührt ihn zart mit dem Schnabel und das Männchen beginnt zu tanzen. Ein beschwingter rhythmischer Reigen"). Berühmt wird er mit den 179 Folgen seiner Sendung "Expeditionen ins Tierreich", die die ARD zwischen 1965 und 1991 ausstrahlt. Besonders spektakulär sind dabei die Bilder aus dem "Inneren" des Tierreichs – zum Beispiel aus einem Spechtbau, den Sielmann durch das Glasfenster eines zuvor ausgesägten Baumlochs filmt.

Mit seinen Filmen im Privatfernsehen hat Sielmann in den neunziger Jahren weniger Erfolg. Er stirbt am 6. Oktober 2006 in München. Die von ihm und seiner Frau gegründete Sielmann-Stiftung widmet sich dem Naturschutz und will Kindern und Jugendlichen die Wunder der Tierwelt nahe bringen.

Stand: 06.10.2011

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