5. Mai 2004 – "Junge mit Pfeife" wird teuerstes Gemälde

Gemälde von Picasso erzielt neuen Auktionsrekord (104 Mio $)

Stichtag

5. Mai 2004 – "Junge mit Pfeife" wird teuerstes Gemälde

1905 sitzt der Maler Pablo Picasso mit Freunden in seinem Pariser Atelier auf dem Montmartre. Wenn man der Legende glauben darf, dann springt er mitten im Gespräch plötzlich auf, um sein Bild "Junge mit Pfeife" wieder hervorzukramen. Lange hat er mit dem melancholischen Porträt des jugendlichen Handwerkers gerungen, der ihm gern beim Malen zugeschaut haben soll. Jetzt malt er es fertig. Der junge Mann im blauen Arbeitsanzug hat die rosa Blumen im Hintergrund verdrängt. "Junge mit Pfeife" markiert den Übergang Picassos von der "rosa" zur "blauen Periode".

Von der herausragenden Qualität des Bildes und seiner Bedeutung in der Kunstgeschichte sind heutige Experten überzeugt. "Es ist ein ergreifendes Bild", sagt etwa Marcus Eisenbeis, Besitzer des Kunsthauses van Ham in Köln. "Man spürt einfach, das es ein Meisterwerk ist." Aber ist es deshalb auch 104 Millionen US-Dollar wert?

"Man kann solche Preise erwarten"

104 Millionen US-Dollar: Diese Summe ist ein anonymer Bieter bereit, am 5. Mai 2004 bei der Versteigerung des Gemäldes bei Sotheby's in New York für das Bild "Junge mit Pfeife" zu bezahlen. 11 Millionen davon kassiert das Auktionshaus. Vorher hielt das nicht minder melancholische "Porträt des Dr. Gachet" von Vincent van Gogh den Preisrekord. Die 82,5 Millionen Dollar, die 1990 dafür bezahlt werden mussten, wirken gegen den neuen Spitzenpreis verhältnismäßig lächerlich.

Trotzdem halten Marktbeobachter wie Zulu Sediou von der New Yorker Galerie Mitchell-Innes & Nash den Preis für gerechtfertigt: "Es ist ein einmaliges Bild und heute kann man solche Preise erwarten. Ein Bild von dieser Qualität wird seinen Wert behalten", sagt sie kurz nach der Auktion. Tatsächlich sind Picassos aus der Frühzeit des Meisters selten, was ihren Marktwert auch für Anleger erhöht. "In dieser Zeit hat er noch lange nicht dieses Pensum", sagt Auktionator Eisenbeis. "Das heißt: Das Angebot ist deutlich geringer."

Neuer Rekord: 142,4 Millionen Dollar

Auf dem Kunstmarkt ist für Picassos offenbar noch Luft nach oben. So ist es nicht verwunderlich, dass der "Akt mit grünen Blättern und Büste" (1932) mit 106,5 Millionen Dollar bereits 2010 den Picasso-Auktionsrekord einstellt. Inzwischen liegt der spanische Maler auf der Top Ten der teuersten Gemälde aller Zeitenallerdings nur mehr auf Rang 6.

Aktueller Spitzenreiter ist das Triptychon "Drei Studien von Lucian Freud", die der irische Künstler Francis Bacon. Es wechselte im Jahr 2013 beim Londoner Auktionshaus Christie's für 142,4 Millionen Dollar den Besitzer.

Stand: 05.05.2014

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