1. April 1959 - Westdeutsches Werbefernsehen geht auf Sendung

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Stichtag

1. April 1959 - Westdeutsches Werbefernsehen geht auf Sendung

Wenn sie die Buchstaben WWF lesen, geraten nicht wenige Menschen aus NRW zwischen 40 und 60 Jahren ins Schwärmen. Das liegt vor allem am WWF Club, einer legendären Unterhaltungsshow, die 400 Folgen lang von 1980 bis 1990 das regionale Werbeprogramm und das Wochenende einläutete. Moderatoren wie Marijke Amado, Jürgen von der Lippe und Frank Laufenberg starteten mit dem Club ihre Karriere.

Werbefiguren werden runder und wohlgenährter

WWF steht für Westdeutsches Werbefernsehen GmbH. Die WWF, später WDR mediagroup, betreut seit den 1950er-Jahren nicht nur Werbekunden, sondern teilweise auch das Vorabendprogramm redaktionell und tritt zudem als Produzentin auf. Am 1. April 1959 strahlt die ARD in Nordrhein-Westfalen erstmals ein Fernsehprogramm aus, das von Werbeblöcken flankiert ist. Die Industrie hat schon früh Interesse, ihre Produkte in dem neuen Medium Fernsehen zu zeigen. Denn Ende der 1950er-Jahre sind die Regale in den Läden schon längst wieder prall gefüllt. Im ersten deutschen Werbespot, der im Bayrischen Rundfunk bereits 1956 zu sehen war, werben die Volksschauspieler Beppo Brehm und Liesl Karlstadt für das Waschmittel der Marke Persil. In den ersten Wochen nach Persil folgen hunderte weitere Werbespots. Mit jedem Prozent Wirtschaftswachstum werden die Werbefiguren runder und wohlgenährter. "Kuchen macht Männer sanft und verträglich", verspricht Dr. Oetker in einem Spot.

Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger klagen wegen der Spots im Fernsehen und scheitern. Auch die Programmzeitschrift Hörzu schimpft gegen die die "Ätherpest Werbefernsehen" – und schaltet bald selbst Anzeigen.

Zwei Werbeblöcke vor der Tagesschau

1959 ist genau geregelt, wie viele Werbeminuten am Tag gezeigt werden dürfen. Am ersten Ausstrahlungstag gehört zum Intermezzo – so heißt das Vorabendprogramm der WWF – das halbstündige Fernsehspiel "Der vierte Mann" mit zwei Werbeblöcken vor der Tagesschau. Sechs Minuten Werbung sind damals täglich erlaubt, heute sind es im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm 20 Minuten.

In der Chronik des ARD-Vorabendprogramms finden sich viele Innovationen und von den Machern gesetzte Trends: der erste Werbespot in Farbe, die erste Serie in Farbe, Straßenfeger wie die französische Serie "Belphegor" mit Juliette Gréco, Familienunterhaltung wie "Familie Feuerstein" (1969) und "Meister Eder und sein Pumuckl" (1984) sowie Erfolgsserien von "Funkstreife Isar 12" (1961) bis "Türkisch für Anfänger" (2006). Lieb gewonnene Begleiter durch das Vorabendprogramm sind auch die im Auftrag des WWF entwickelten Zeichentrickfiguren Ute, Schnute und Kasimir (1979 bis 1990). Erfunden wurden sie vom Vater der Mainzelmännchen, Wolf Gerlach.

Heute verdienen alle Sender in Deutschland rund vier Milliarden Euro im Jahr mit Werbung. Davon entfallen 3,7 Milliarden auf die Privatsender und nur etwa 300 Millionen auf ARD und ZDF.

Stand: 01.04.2014

Programmtipps:

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