2. Januar 1971 - Tabakreklame im US-Fernsehen verboten

Zigarettenwerbung "Gib einem Mann WY"

Stichtag

2. Januar 1971 - Tabakreklame im US-Fernsehen verboten

Die Verkäufer von Fernsehwerbung müssen 1971 besonders hart arbeiten, damit sie alle Spots loswerden. Seit dem 2. Januar 1971 dürfen Zigaretten nicht mehr in Radio und Fernsehen beworben werden. So hat es der amerikanische Kongress beschlossen. Werbeeinnahmen in Millionenhöhe brechen weg. Im Jahr 1969 waren es 220 Millionen Dollar, ein Jahr später 150 Millionen Dollar. Versicherungen und Erdölfirmen besetzen einige freigewordene Werbefenster. Doch die US-Fernseh-Gesellschaften, die ihr Programm ausschließlich über Werbung finanzieren, stehen wegen der Ausfälle kurzzeitig vor dem Bankrott. Die USA greifen härter und früher durch als viele europäische Länder - trotz erbitterten Widerstands der Tabak-Lobby.  

Deutschland folgt dem US-amerikanischen Beispiel

Bereits in den 60er-Jahren setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet. Die Coolness und Naturverbundenheit des Marlboro-Manns passen nicht zum Produkt: Rauchen ist nachweislich Risikofaktor für die Entstehung vieler Krebserkrankungen, zum Beispiel in Lunge, Kehlkopf, Speiseröhre und Harnblase. Auch an Herzinfarkt, Schlaganfall und Raucherbein können Zigaretten Schuld sein. Insgesamt löst Zigarettenrauch mehr als 60 verschiedene Erkrankungen aus. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO belegt gar, dass mehr als 600.000 Menschen jedes Jahr an den Folgen des Passivrauchens sterben. Dreieinhalb Jahre nach den USA folgt der Deutsche Bundestag dem Beispiel. Im Juni 1974 fliegt der Marlboro-Cowboy auch hier aus Radio und Fernsehen. Doch die Umsatzeinbußen für die Tabakindustrie sind gering, zu präsent sind Zigaretten weiterhin in Zeitschriften, auf Plakatwänden und im Kino.

Werbung auf Plakaten und im Kino nach 18 Uhr

Seit 2007 ist Zigaretten-Reklame in Deutschland auch in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet verboten. Die Tabakindustrie darf noch auf Litfaßsäulen, großen Plakatwänden und der Kino-Leinwand nach 18 Uhr werben. Dabei hat sich Deutschland 2003 im Rahmen der WHO-Antitabak-Konvention verpflichtet, ein umfassendes Verbot aller Formen von Tabakwerbung zu erlassen. Ärzte betonen immer wieder: Zigaretten sind so gesundheitsschädlich, dass es für sie keine Werbung, sondern nur Warnhinweise geben darf. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), will noch in dieser Legislaturperiode die Plakatwerbung abschaffen. Die Marlboro-Männer von einst werben längst nicht mehr. Zwei der rauchenden Cowboy-Darsteller sind in den 90er-Jahren gestorben - an Lungenkrebs.

Stand: 02.01.2011

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