02. September 2010 - Vor 50 Jahren: Slogan "Neckermann macht's möglich" erscheint

Stichtag

02. September 2010 - Vor 50 Jahren: Slogan "Neckermann macht's möglich" erscheint

Gerade mal 133 Artikel auf zwölf Seiten bietet die "Neckermann-Illustrierte", mit der der Textilproduzent und Großhändler Josef Neckermann im März 1950 sein Versandunternehmen startet. An 100.000 Haushalte verschickt, erzielt der Ur- Neckermann-Katalog schon im ersten Jahr einen Umsatz von zehn Millionen Mark. Sortiment und Auflage wachsen rasant, denn Neckermanns Taktik, als "billiger Jakob" Luxusgüter von gestern zu Gebrauchsgütern von morgen zu machen, erweist sich als überaus erfolgreich. Zum zehnjährigen Jubiläum erscheint der Frühjahr/Sommer-Katalog 1960 in der schwindelerregenden Auflage von 18 Millionen Stück und erstmals unter der neuen Firmenparole "Besser dran mit Neckermann". Das allerdings sieht die Konkurrenz völlig anders.

Brainstorming mit Würstchen

Der Quelle-Versand zieht wegen vergleichender Werbung und unlauterem Wettbewerb vor Gericht und erhält Recht. Neckermann muss einen Großteil seiner Katalogauflage einstampfen und schnellstens einen neuen Slogan kreieren. Der durch und durch penible Firmenpatriarch, der sich in seinem Unternehmen auch um kleinste Details kümmert, macht Dampf und die Slogan-Suche zur Chefsache. In einer Nachtsitzung versammelt er seine engsten Mitarbeiter und Berater der US-Werbeagentur McCann zu einem Brainstorming, das in die Firmengeschichte eingeht. "In freier Assoziation sprangen uns die verrücktesten Formulierungen an", erzählt Neckermann in seinen Memoiren, "keine Angst, ich werde sie nicht preisgeben". Den goldenen Einfall hat allerdings keiner der Werbeprofis, sondern ein junger Kundenkontakter namens Horst Joachim Wilke. Dankbar für die zu später Stunde gereichten Würstchen platzt er heraus: "Neckermann macht’s möglich!"

Neckermann im Höhenflug

Der Chef ist auf Anhieb begeistert. "Damit hat die Philosophie unseres Unternehmens ihre kürzeste Formel gefunden", lobt Neckermann und entlohnt Wilke, sparsam wie immer, mit einer symbolischen Deutschen Mark. Nur die Kreativ-Profis von McCann lassen kein gutes Haar an dem Geistesblitz. "Kein gutes Deutsch", mosern sie, "Slang" und warnen: "Mit der Aussage liegen Sie völlig falsch, das kann Sie Millionen kosten." Doch Josef Neckermann lässt sich nicht beirren und bringt am 2. September 1960 seinen Herbst/Winter-Katalog unter dem Slogan heraus, der sich schon bald ins kollektive Gedächtnis der Deutschen einbrennt. Als Neckermann kurz darauf sogar schlüsselfertige Eigenheime und billige Flugreisen in den sonnigen Süden ins Programm aufnimmt, zweifelt niemand mehr an "Neckermann macht’s möglich".

Der Einstieg ins Reisegeschäft bleibt aber Neckermanns letzter unternehmerischer Erfolg. Eine Reihe von Fehlentscheidungen sowie der Ausstieg von Großinvestor Friedrich Flick bewirken einen Kapitalverlust, von dem sich das Unternehmen nicht mehr erholt. Neckermann wird zum Sanierungsfall und im Juli 1976 vom Warenhauskonzern Karstadt geschluckt.

Stand: 02.09.10