Franciscus Sylvius

Stichtag

15. März 1644 - Geburtstag von Franciscus Sylvius

Franciscus Sylvius glaubt, die Ursache aller Krankheiten gefunden zu haben: Acrimonia acida vel lixiviosa - saure und alkalische Schärfe. "Stehen sie in einem richtigen Verhältnis zueinander, ist der Mensch gesund", behauptet Sylvius. Um den ph-Wert im 17. Jahrhundert zu messen, kostet er die Sekrete der Patienten mit der eigenen Zunge, zum Beispiel den Speichel oder den Urin.

Franciscus Sylvius ist Anhänger von Paracelsus

Viel ist nicht bekannt über das Leben des Franciscus Sylvius. Geboren wird er am 15. März 1614 in Hanau. Er studiert Medizin in Wittenberg, Jena und Basel und wird an letzterem Ort 1637 zum Doktor der Medizin promoviert. Basel ist in Sachen Medizin ein Ort der Rebellion. Dort lehrte einst ein streitbarer Arzt, Paracelsus. "Das sind alles Dreckfresser", soll er über diejenigen seiner Kollegen gesagt haben, die Medizin immer noch aus antiken Traktaten lehrten. "Es gab damals noch keine Ausbildung am Krankenbett, kein naturwissenschaftliches Denken, keine Beobachtung des Patienten und Rückschlüsse daraus", sagt Dr. Dr. Thomas Richter, Apotheker, Medizinhistoriker und Germanist. Für Paracelsus ist der Fall klar: "Es ist verfehlt, in der Medizin sein Wissen vom Hörensagen und Lesen zu schöpfen." Seitdem beginnen einige Ärzte, ihre Patienten zu beobachten. Auch der junge Franciscus Sylvius hängt dieser modernen Strömung in der Medizin an.

Er kämpft mit Quecksilber gegen die Syphilis

1658 wird Sylvius Professor an der südholländischen Universität Leiden. Hier richtet er das erste chemische Labor ein, beschäftigt sich mit Stoffwechsel und Gärung. "Dort sind seine Klassifizierungen von Krankheiten entstanden, also seine Theorie der sauren und alkalischen Schärfen", erklärt der Medizinhistoriker Richter. Sylvius erprobt seine Gegenmittel am Patienten, zum Beispiel an jenen armen Teufeln, die an einer der zahlreichen Geschlechtskrankheiten leiden. "Die Warzen, die sowohl an der weiblichen Schaam als an beyderley Geschlecht Hintern zu wachsen kommen, dann auch die rauhen Ausgewächse, die an der männlichen Ruthe entstehen, werden durch scharfe Mercurial-Mittel curieret" notiert er.

Mercurial-Mittel sind Quecksilber-Verbindungen, die heute als giftig gelten. Die Nebenwirkungen seiner "Cur" lassen ihn nicht zweifeln. "Das Haar soll man, wenn es auszufallen beginnt, abschneiden, zumahlen sie nach vollendeter Cur wiederum von selbsten zu wachsen anfangen; derhalben viel Wesen davon zu machen nicht nötig sein wird", stellt er fest. Der Medizinhistoriker Richter geht davon aus, dass mancher Patient gestorben ist - nicht an der Krankheit, sondern am Arzneimittel.

Franciscus Sylvius stirbt im Alter von 58 Jahren im südholländischen Leiden, woran ist unbekannt.

Stand: 15.03.2014

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