4. Januar 1964 - Paul VI. besucht als erster Papst das Heilige Land 

Papst Paul VI. kniet im Kreis auf dem Berg Sion in Israel

Stichtag

4. Januar 1964 - Paul VI. besucht als erster Papst das Heilige Land 

Es ist eine doppelte Sensation: Seit 150 Jahren hat kein Papst freiwillig italienischen Boden verlassen, doch Paul VI. begibt sich 1964 auf eine Reise – ausgerechnet ins Heilige Land. Die Region ist ein politisches Pulverfass: Die West-Bank, Ost-Jerusalem und die Altstadt sind damals jordanisch, der Gaza-Streifen ägyptisch. Allerdings macht Paul VI. deutlich, dass er mit der Reise keinerlei politische Ziele verfolgt. Vielmehr gehe es ihm "um die Erhaltung des Friedens in der Welt". Er wolle in jenes Land reisen, das sein Amtsvorgänger Apostel Petrus 20 Jahrhunderte zuvor verlassen hat.

Vier Wochen Zeit für die Reisevorbereitungen

Es ist der 4. Dezember 1963, als Paul VI. seinen Kardinälen und der Welt die Reisepläne bekannt gibt. Als Reisetermin nennt er den 4. bis 6. Januar des folgenden Jahres. Das vatikanische Protokoll hat also gerade einmal vier Wochen Zeit, die Reise vorzubereiten.

Sie gelingt: In dichtem Nebel landet die päpstliche Maschine am 4. Januar 1964 in Amman. Mit dem Auto wird der Papst weiter zum Jordan gefahren und nach Jerusalem. Nur als Papst kann er damals die jordanisch-israelische Grenze überschreiten, eigens für Paul VI. wird sie geöffnet. Es ist eine chaotische Reise, Sicherheitsberater würden sie heute so nicht mehr genehmigen. "Eine Kopf an Kopf stehende Menge umdrängte die Limousine des Papstes am Damaskus-Tor derart, dass der Heilige Vater am Aussteigen gehindert war", berichtet ein Reporter vom Damaskus-Tor der Jerusalemer Altstadt. Die Menschenmenge hatte die Absperrungen einfach durchbrochen. "Erst nach 20 Minuten hatten jordanische Soldaten dem Papst den Weg freigemacht, wobei sie mit Gewehrkolben und Palmenzweigen, die sie den Pilgern entrissen, auf die Menge einschlagen mussten", so der Reporter weiter.

Und es kommt zu einer weiteren Sicherheitspanne. Bei einer Messe in der Jerusalemer Grabeskirche schmort ein Fernsehkabel durch. "Der Papst war in dichte Rauchschwaden gehüllt. Nur seine Stimme war noch zu hören", meldet ein Reporter.

West- und Ostkirche versöhnen sich

Für die Christen wird die Reise ein Erfolg. Durch den Besuch Pauls VI. versöhnen sich West- und Ostkirche. Der Papst trifft Athinagoras, das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche. Beide beten gemeinsam auf griechisch und Papst Paul VI. betont die Verbundenheit mit Konstantinopel. Bei seiner Rückkehr berichtet der Papst geradezu begeistert von der Umarmung seines Mitbruders.

Diese erste Pilgerfahrt zu den Heiligen Stätten in Israel und Jordanien ist Auftakt für viele weitere Reisen des Papstes, zum Beispiel nach Indien, Istanbul, Kolumbien und auf die Philippinen. Zudem hat die katholische Kirche damit faktisch den Staat Israel anerkannt.

Den Frieden kann Papst Paul VI. aber nicht ins Heilige Land bringen. Nur dreieinhalb Jahre später bricht der Sechstagekrieg aus.

Stand: 04.01.2014

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