04. Januar 1950 - Ben Gurion erklärt Jerusalem zu Israels Hauptstadt

Stichtag

04. Januar 1950 - Ben Gurion erklärt Jerusalem zu Israels Hauptstadt

Eine Stadt, zwei Völker, drei Religionen. Nirgendwo sonst bündeln sich auf engstem Raum so viele Ansprüche, Wünsche und Hoffnungen wie in Jerusalem. Der Stadt, die drei Milliarden Menschen auf der Welt heilig ist und in der gegenwärtig knapp 800.000 Juden, Muslime, Christen – und Atheisten - mehr oder weniger friedlich zusammen leben. Einst, um das Jahr 1.000 vor unserer Zeitrechnung, wird Jerusalem von David, dem König Judas und Israels, erobert. In der Folgezeit gerät sein kleines Volk in die Tretmühle der Geschichte. Alle Großreiche der Region, Assyrer, Parther, Perser und schließlich die Römer, schwingen sich zu Herrschern über Jerusalem auf. Zwei Mal im Laufe der Geschichte wird der große Jahwe-Tempel, Heimstatt der Heiligen Bundeslade, zerstört. Nur ein kleines Ruinenstück hat die Zeit bis heute überdauert: die Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem.

Erst 1948, nach über 1.800 Jahren Diaspora, können die Juden mit britischer Unterstützung wieder einen jüdischen Staat gründen: Israel. Zwei Jahre später, am 4. Januar 1950, ruft Premierminister David Ben Gurion Jerusalem zur israelischen Hauptstadt aus. Ein formeller Beschluss, erklärt Gurion, sei dazu nicht erforderlich, da König David dieses Faktum bereits vor 2.000 Jahren festgelegt habe. Damit verstößt Israels Premierminister gegen wiederholte Beschlüsse der Vereinten Nationen. Sie sehen vor, die heiligen Stätten der drei Weltreligionen in Jerusalems Altstadt, jüdische Klagemauer, christliche Geburtskirche und muslimische al-Aqsa-Moschee, unter internationale Kontrolle zu stellen. Schließlich wird der neue Westteil zu israelischem Territorium, die Altstadt aber zu einem Teil Jordaniens erklärt. Damit bleibt den Juden zunächst der Zutritt zur Klagemauer und zum Tempelberg verwehrt.

Innerhalb von nur sechs Tagen schafft Israel 1967 im Krieg gegen Ägypten, Jordanien und Syrien neue Tatsachen. Der Judenstaat erobert nicht nur ganz Ost-Jerusalem mit der Altstadt, sondern kontrolliert nun auch den Gaza-Streifen, die Sinai-Halbinsel, Golanhöhen und das Westjordanland. Elf Jahre später, bei den Friedensverhandlungen im amerikanischen Camp David, wird Jerusalem taktischerweise nicht im offiziellen Vertrag erwähnt. Doch Israel verpflichtet sich zum Rückzug vom Sinai und Abbruch aller dortigen Siedlungen. Die arabische Seite besteht darauf, dass Ostjerusalem perspektivisch wieder unter arabische Souveränität kommt. Die Reaktion der Israelis lässt nicht lange warten: 1980 verabschiedet das Parlament das "Jerusalem-Gesetz". Es erklärt die Zusammenlegung von Ost- und Westteil und Jerusalem zur untrennbaren Hauptstadt. Diesen Status verteidigt Israel trotz endloser Unruhen und Gewaltakte bis heute: "Jerusalem gehörte immer uns, wird immer uns gehören, wird nie geteilt werden. Zugang zu den heiligen Stätten: nur unter israelischer Kontrolle", lautet das Credo von Benjamin Netanjahu, Israels gegenwärtigem Ministerpräsidenten.

Stand: 04.01.10