15. Juli 1948 – Claude Shannon verwendet erstmals den Begriff "Bit"

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Stichtag

15. Juli 1948 – Claude Shannon verwendet erstmals den Begriff "Bit"

In den 1940er Jahren ist Claude Elwood Shannon bei den Bell Telephone Laboratories beschäftigt und für seine skurrilen Einfälle bekannt. Eines Nachts fährt er mit einem Einrad durch die Flure des Forschungszentrums. 30 Jahre ist er alt, trägt Anzug und Krawatte – und demonstriert eigentlich mit anderen Mitteln nur das, was er auch in seiner Arbeit erreichen will.

Denn Shannon geht es immer nur darum, wie man Systeme steuern und ihre ideale Balance bewahren kann. Das treibt den Forscher aufs Einrad – und dazu, rund um den Begriff vom "Bit" eine Theorie für die Übertragung von Informationen zu finden.

Eine Maus namens "Theseus"

Überhaupt hält der 1916 in Petoskey im US-Bundesstaat Michigan geborene Shannon Zeit seines Lebens gekonnt die Balance zwischen Theorie und Praxis. Ab 1932 studiert er Mathematik und Elektrotechnik, im Zweiten Weltkrieg wird seine Steuerungstheorie für Luftabwehrraketen sofort in ein neues Waffensystem integriert, das maßgeblich mithilft, England vor der kompletten Zerstörung zu retten. 1950 präsentiert Shannon der Fachwelt eine elektrisch gesteuerte Maus namens "Theseus", die selbstlernend durch Versuch und Irrtum von jedem Punkt eines Labyrinthes aus den Weg zum Ausgang findet. Damit weist sie auf spätere autonome Techniksysteme hin.

Zu dieser Zeit hat Shannon sein wissenschaftliches Hauptwerk bereits verfasst: 1937 schreibt er die vielleicht einflussreichste Masterarbeit der Geschichte. In ihr weist er nach, wie Telefonrelais für logische Schaltungen und zum Rechnen eingesetzt werden können – eine bahnbrechende Erkenntnis für den Bau späterer Computer, die ihn auf eine Stufe stellt mit dem Mathematik-Genie und Decodierer Alan Turing.  

Die "Ein-Bit-Maschine"

Seine Erkenntnisse zu Flugabwehrsystemen publiziert Shannon im Juli 1948 in seiner Schrift "Mathematische Theorie der Kommunikation". Sie legt die Basis für alle Softwareentwicklungen des digitalen Zeitalters. Dies gelingt ihm vor allem dadurch, dass er Nachrichten von ihrem semantischen Sinn befreit und unabhängig davon für technische Übertragungen tauglich macht. Information wird zu einer messbaren Größe, deren Maßeinheit Shannon als "binary digits" – kurz: "bits" definiert: Durch dieses System von Nullen und Einsen werden noch heute Bilder, Texte und Musik gleichermaßen auf Smartphones oder in E-Mail-Accounts übertragen.

Shannons Theorie löst denkbar einfach alle Übertragungsprobleme. Damit hat der Forscher für die digitale Zeit alles getan, was er tun konnte. Fortan erfindet er einen Jonglierapparat, Frisbees mit Raketenantrieb oder telepathische Apparaturen, während ihn die Öffentlichkeit immer mehr vergisst.

Ende der 80er Jahre erkrankt Shannon an Alzheimer. Er stirbt 2001. Der Nachwelt hinterlässt er unter anderem eine verrückt-verspielte "Ein-Bit-Maschine": einen kleinen Kasten mit einem Schalter, den man von "0" auf "1" stellen kann. Danach ertönt ein Brummen, der Deckel öffnet sich, und eine Hand kommt heraus, sie stellt den Schalter zurück auf "0", woraufhin das Brummen verstummt.

Stand: 15.07.2013

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 11. Juli 2013 ebenfalls an Claude Shannons "Bit"-Erwähnung. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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