27. Juli 1943 - Schwerster Bombenangriff auf Hamburg

Ein kleiner Junge zwischen Trümmern und Hausruinen in Hamburg (Aufnahme von 1946)

Stichtag

27. Juli 1943 - Schwerster Bombenangriff auf Hamburg

Im Zweiten Weltkrieg setzen Deutsche und Alliierte Bombenangriffe als strategisches Mittel ein. Einen Höhepunkt erreicht der Luftkrieg im Sommer 1943, als die USA und Großbritannien eine Serie von Einsätzen auf Hamburg fliegen. "Operation Gomorrha" lautet das Codewort - ein Verweis auf die Bibel und den alttestamentarischen Gott, der die sündige Stadt Gomorrha mit einem Regen aus Feuer und Schwefel bestraft. Der schwerste Angriff beginnt am 27. Juli 1943 kurz vor Mitternacht. Mehr als 700 Bomber sind daran beteiligt. Am nächsten Morgen sind rund 30.000 Menschen tot - erstickt, verschüttet, verbrannt, durch die Hitze ausgetrocknet. Die dichtbesiedelten Stadteile östlich der Hamburger Innenstadt, wo überwiegend Arbeiterfamilien wohnen, sind fast vollständig zerstört.

Die Bombardierung Hamburgs ist eine Reaktion der Alliierten auf Warschau 1939, Rotterdam 1940 und Coventry 1940 bis 1942. Damals waren bei Angriffen der deutschen Luftwaffe mehrere tausend Zivilisten umgekommen. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zerstörte die deutsche "Legion Condor" 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs die Stadt Guernica.

"Moral Bombing" gegen Zivilbevölkerung

Wie auch schon bei anderen Luftangriffen auf deutsche Städte verfolgen die Alliierten mit der "Operation Gomorrha" eine besondere Strategie. Nach der Erfahrung von Coventry hatten die Briten 1942 das Kriegsziel ihrer Luftwaffe geändert. Statt wie bisher vor allem kriegswichtige Einrichtungen zu bombardieren, soll nun auch die Bevölkerung getroffen werden. Die Briten nennen das "Moral Bombing" und erhoffen sich davon eine Wende des Krieges. So soll in Hamburg nicht nur die Rüstungswirtschaft lahmgelegt, sondern auch der Durchhaltewille der Bevölkerung gebrochen werden.

Bei den Bombenangriffen orientieren sich die Alliierten an der Methode deutscher Luftangriffe auf Conventry: Zunächst decken in Hamburg Minenbomben per Druckwelle die Dächer ab, dann fallen Brandbomben in die Häuser. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 fallen über 2.300 sogenannte Stabbrandbomben auf Hamburg. Da es wochenlang nicht geregnet hat, brennen die Häuser wie Zunder. Es kommt zu einem Feuersturm - ausgelöst durch eine thermische Reaktion, die wie ein Kamin wirkt: Die heiße Luft steigt schnell nach oben und zieht dadurch sogartig aus der Umgebung frischen Sauerstoff in den wiederum auflodernden Brandherd. "Es entsteht horizontal ein Orkan wie ein Pazifik-Hurrikan", sagt Publizist Jörg Friedrich. "Und er schleudert Mensch, Tier, Gerät in das Zentrum dieses Kamins."

Einzige Möglichkeit für Kriegswende?

"Menschenverachtend" nennt Friedrich, das Vorgehen der Alliierten. Er sorgte mit dieser Zuspitzung nach dem Erscheinen seines Buches "Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg" 2002 für eine erregte Debatte. Denn damit rückt er die Deutschen als Opfer in den Fokus. Viele Historiker halten diese Betrachtung für zu einseitig. Zu ihnen gehört Jungprofessor Malte Thießen von der Uni Oldenburg, der auf den geschichtlichen Zusammenhang hinweist: "Im damaligen historischen Kontext werden diese Flächenbombardements als einzige Möglichkeit gesehen, um diesem Krieg diese Kriegswende zu bringen."

Für viele Hamburger bedeuten die Angriffe auf ihre Stadt 1943 tatsächlich eine Wende. Sie rebellieren zwar nicht gegen Adolf Hitler, aber die Stimmung verändert sich. "Es geht zwar irgendwie weiter, aber die Rüstungswirtschaft - obwohl die in den ersten zwei bis drei Monaten relativ gut wieder aufgebaut wird - kommt nie wieder auf den Stand vor den Angriffen zurück", sagt Historiker Thießen. Gleichzeitig habe sich in der Bevölkerung eine grundlegende Apathie verbreitet. An die Opfer des Feuersturms in Hamburg erinnert seit 1952 ein Denkmal.

Stand: 27.07.2013

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