17. November 1942 - Geburtstag von Filmregisseur Martin Scorsese

Martin Scorsese 2012 mit dem Golden Globe Award

Stichtag

17. November 1942 - Geburtstag von Filmregisseur Martin Scorsese

„Gottes einsamster Regisseur“, titelt der "FAZ"-Filmkritiker Andreas Kilb 2002 zu Martin Scorseses 60. Geburtstag. "God`s lonely man", so bezeichnet sich Travis Bickle alias Robert de Niro im Kultfilm "Taxi Driver". Dass dies auch auf Scorsese zutrifft, schreibt Kilb, habe der Regisseur selbst nie bestritten. Sein Leben lang steht der große Außenseiter des US-Kinos unter dem Druck seiner cineastischen Visionen. Und auch als nun 70-Jähriger kämpft Martin Scorsese noch immer gegen Hollywood um seine künstlerische Unabhängigkeit. 

Der oft für seinen angeblichen Hang zu exzessiver Gewalt gescholtene Scorsese ist tief von seiner Kindheit in New Yorks Stadtteil Little Italy geprägt. Dort, wo man auf dem Schulweg schon mal eine Leiche sieht, eine Schießerei erlebt und Mafiosi bewunderte Vorbilder sind. In Klein-Italien sei Gewalt ein Teil des Alltags gewesen, erzählt Scorsese später. Deshalb könne er sie in seinen Filmen nicht glamourös, sondern nur ehrlich zeigen.

Filme schauen wie andere atmen

Als kleiner asthmakranker Junge erlebt Martin Scorsese all das lange nur von seinem Fenster aus und entwickelt sich so zum Einzelgänger. "Meine Eltern wussten nicht was sie mit mir anfangen sollten. Also haben sie mich mit ins Kino geschleppt. Dort erlebte ich viele starke emotionale Momente." Schnell verfällt der schwächliche, einsame Marty dem Kino mit Haut und Haaren.

Er saugt Amerikas gesamte Filmgeschichte auf, entdeckt das europäische Kino und studiert jedes Detail, besonders des italienischen Neorealismus. Mit 18 Jahren beginnt Scorsese ein Filmwissenschaftsstudium, arbeitet nach seinem Abschluss als Dozent an der New York University Film School und sammelt Anfang der 70er Jahre beim Produzenten Roger Corman erste Regieerfahrungen.

Während Scorsese von Kritikern bereits hoch gelobt wird und in Europa als Autorenfilmer Kultstatus genießt, gelten seine Filme im US-Kinogeschäft lange als Kassengift. Erst "Die Farbe des Geldes" spielt einen satten Gewinn ein. Es ist der zweite von insgesamt fünf Filmen, die Scorsese mit Michael Ballhaus dreht. Der deutsche Kameramann kennt den scheuen Starregisseur so gut wie kaum ein anderer. Scorsese sei einer der nettesten Menschen, die er kenne, sagt Ballhaus. "Aber er ist auf seine Art besessen vom Film. Er kennt jeden Film und schaut sich Filme an, wie wir essen und atmen."

Langes Warten auf den Oscar

Unumstrittene Klassiker wie "Hexenkessel", "Taxi Driver", "Raging Bull" und "Goodfellas" sind Martin Scorsese zuletzt nicht gelungen. Dennoch ist jeder seiner Filme das hart erkämpfte Ergebnis seines Spagats zwischen Kunst und Kasse. Selbst wenn der vielleicht einflussreichste Regisseur des "New American Cinema" dabei an seinen selbst gesetzten Ansprüchen scheitert, dann stets auf höchstem Niveau. "Gangs of New York" und "Aviator" beweisen das.

Seit 1981 war Scorsese fünf Mal für den Regie-Oscar nominiert. 2007 erhält er endlich die begehrte Statue für sein Gangster-Epos "Departed". "Ich bin überwältigt", gesteht Scorsese bei der Übergabe. "So viele Menschen haben mir das über die Jahre hin gewünscht. Fremde, auf der Straße, beim Arzt, im Aufzug: Hey, Sie sollten einen gewinnen." Bei der Oscar-Verleihung 2011 räumt sein bislang letzter Film "Hugo Cabret" erneut fünf Auszeichnungen ab. Nur Martin Scorsese geht wieder leer aus und muss sich mit dem Golden Globe bescheiden.

Stand: 17.11.2012

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